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brückensprengung

Eingefallen wie ein Kartenhaus

Nach vierwöchigen Vorbereitungen ist die Egelseebrücke über die Enz am Samstag in zwei Sekunden mit Hilfe von 400 Kilogramm Sprengstoff in die Luft geflogen. Kaum war die Staubwolke verschwunden, rückten Bagger an, um die Trümmer aus der Enz zu holen. Rund 1,2 Millionen Euro kostet der Abbruch.

Nach der erfolgreichen Sprengung der Egelseebrücke rücken bereits die ersten Bagger für die Beseitigung des Schutts an.Fotos: Alfred Drossel
Nach der erfolgreichen Sprengung der Egelseebrücke rücken bereits die ersten Bagger für die Beseitigung des Schutts an. Foto: Alfred Drossel
Sprengmeisterin Martina Stahn.
Sprengmeisterin Martina Stahn.
Nachdem sie den Impuls gegeben hat, zünden rund 400 Kilogramm Sprengstoff.
Nachdem sie den Impuls gegeben hat, zünden rund 400 Kilogramm Sprengstoff.
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vaihingen. Samstagfrüh bei grauem und regnerischem Wetter. Gegen acht Uhr meldet der Leiter des Vaihinger Polizeireviers, Thorsten Gellhaus, dass 42 Personen ihre Häuser wie angeordnet verlassen haben. Es habe keine Probleme gegeben. Feuerwehrleute beziehen an den Sperrstellen der Bundesstraße 10 ihre Posten. Der Verkehr quält sich den Vormittag lang durch die Vaihinger Innenstadt. Oberbürgermeister Gerd Maisch diktiert den zahlreichen Medienvertretern seine Freude über eine Verkehrverbesserung nach Abbruch und Neubau in den Notizblock.

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Brückensprengung Vaihingen

Die 1948 errichtete Brücke selbst, an der bereits vor fünf Jahren Schäden am Tragsystem festgestellt worden waren, war mit weißen Tüchern verhüllt, so als ob die Künstler Christo und Jeanne-Claude am Werk gewesen wären. Jens Rapp, der Obersprengmeister, unternimmt die letzten Kontrollgänge. Unterdessen hat seine Sprengmeisterin Martina Stahn ihre Position auf einer Wiese eingenommen, etwa 400 Meter von der Brücke entfernt. Alle Dynamitsprengschnüre führen zu ihr.

Als die Ehrengäste und Medienvertreter auf den vom Regierungspräsidium streng reglementierten und zugeteilten Plätzen eintreffen, sind schon mehr als hundert Schaulustige da. Der Seniorchef des Vaihinger Sprengunternehmens, Lothar Rapp, hat die Rolle des Moderators übernommen und wünscht den Schaulustigen „viel Vergnügen“.

Lange Signale beidseits der Enz ertönen aus den Presslufthörnern. Es folgen zwei kurze Töne, dann ein kurzer Knall. Eine Minisprengung sollte Sekunden vor der eigentlichen Sprengung die Fische in der Enz vergrämen. Dann gibt Sprengmeisterin Martina Stahn den eklektischen Impuls: Zwei Sekunden dauert die Detonation. Die weißen Tücher verhüllen den Blick zur eigentlichen Sprengung. Dann steigt eine Riesenstaubwolke auf und verbreitet sich im Enztal. Es riecht nach einer Mischung von Steinbruch und Silvester.

Jens Rapp schreitet durchs nasse Gras, um genau zu schauen, ob alle Sprengkapseln gezündet haben. Erst dann gibt er das Signal „Entwarnung“. Es beginnt der Schaulauf der Zuschauer. Sie wollen sehen, wie die Brücke zusammengefaltet im Enzbett liegt. Da nur die Unterkonstruktion gesprengt ist, blieben Teile der Fahrbahn unversehrt. Das Ergebnis ist beeindruckend. Die eingesetzten 400 Kilogramm Sprengstoff, in 380 bis zu sieben Meter tiefe Löcher gestopft, hatten einen durchschlagenden Erfolg.

So beeindruckend wie das Bild der eingestürzten Brücke auch war, der wenige Minuten später einsetzende Auftritt der Armada der Bagger war es noch mehr. Projektleiter Martin Ziegler hat alles minuziös geplant: Die Moniereisen im Beton werden von großen Scheren zerschnitten, Bohrhämmer pulverisieren den Beton und verladen ihn auf bereitstehende Lastwagen, die ihn in den Roßwager Steinbruch bringen. Bis Dienstag soll von der alten Brücke nichts mehr zu sehen sein.

Der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium und Bundestagsabgeordnete Steffen Bilger betonte nach der Sprengung: „Die Sanierung maroder Brücken ist ein zentraler Baustein zur Erhaltung einer leistungsfähigen Straßeninfrastruktur. Ich freue mich, dass wir mit dem Ersatzneubau der Egelseebrücke dazu beitragen, unsere Straßen zukunftsfest zu machen.“

Wie geht es weiter?

Der Abbruch der Egelseebrücke inklusive aller Begleitarbeiten wird etwa bis Ende dieses Monats dauern. Anschließend beginnen die Arbeiten für den Ersatzneubau, die voraussichtlich bis Mitte 2021 andauern werden. Der Bund investiert in den Abbruch der bestehenden Egelseebrücke rund 1,2 Millionen Euro. Der sich anschließende Ersatzneubau wird voraussichtlich 6,4 Millionen Euro kosten.

Die alte Stahlbetonbrücke wird durch eine dreifeldrige Spannbetonbrücke mit einer Länge von 92 Metern und einer Breite von 12 Metern ersetzt. Die Pfeiler verbleiben mit neuen Fundamenten an ihrem bisherigen Platz, erhalten aber eine neue Optik. Die Durchfahrt im Bereich der Walter-de-Pay Straße unter dem Bauwerk erhöht sich von bisher 3,10 auf 4,50 Meter.

Derzeit wird mit einer Bauzeit von rund anderthalb Jahren gerechnet, so dass die Brücke Mitte 2021 fertiggestellt sein soll. Anschließend wird die jetzige Behelfstraße inklusive Behelfsbrücke zurückgebaut.

Info: Bilder und Videos von der Sprengung gibt es auf www.lkz.de sowie auf dem LKZ-Youtube-Kanal.

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