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Edle Tropfen
Eisweinlese der Felsengartenkellerei Besigheim am frostigen Morgen

Helfer holen die gefrorenen Trauben in aller Herrgottsfrühe im Weinberg. Fotos: Alfred Drossel
Helfer holen die gefrorenen Trauben in aller Herrgottsfrühe im Weinberg. Fotos: Alfred Drossel
Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung: Die Erntehelferin Franziska Frank sammelt gefrorene Riesling-Beeren ein.
Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung: Die Erntehelferin Franziska Frank sammelt gefrorene Riesling-Beeren ein.
Kellermeister Sebastian Häußer misst die Temperatur der Beeren: Sie liegt bei minus 9,4 Grad. Fotos: Alfred Drossel
Kellermeister Sebastian Häußer misst die Temperatur der Beeren: Sie liegt bei minus 9,4 Grad. Fotos: Alfred Drossel
In den Weinbergen des „Ilsfelder Rappen“ ist Mittwochfrüh der einzige Eiswein im großen Gebiet der Felsengartenkellerei Besigheim, das von Bad Cannstatt bis Ilsfeld reicht, gelesen worden. Rund 6000 Kilogramm gefrorene Riesling-Beeren wurden geerntet. Sie werden zu etwa 900 Liter Christkindles-Eiswein gepresst. Zuletzt wurde 2016 Eiswein gelesen.

Hessigheim/Besigheim. Eiswein gilt als Krönung eines Weinjahrgangs, weil die aromatischen Inhaltsstoffe der Beeren durch das Gefrieren konzentriert werden. Bei einer Eisweinlese müssen die Trauben durchgefroren sein. Dazu braucht es mindestens minus sieben Grad Kälte über mehrere Stunden. Das gefrorene Wasser in den Beeren verbleibt in der Weinpresse. „Von der Kelter tropft der Saft dann zuckersüß wie Honig“, erklärt Kellermeister Sebastian Häußer von der Felsengartenkellerei Besigheim.

Häußer war am frühen Mittwochmorgen gegen 3 Uhr in die Weinberge bei Ilsfeld gefahren und hat die Beeren untersucht. Minus 9,4 Grad hat er an den Beeren gemessen. Danach gab er „grünes Licht“ für die Lese. Vier Mitgliederfamilien der Genossenschaft mit rund 50 Helferinnen und Helfern sind dann ausgerückt, um auf einer Rebfläche von 80 Ar die gefrorenen Riesling-Beeren zu holen.

Wartespiel birgt Risiko

Heiko Röhrich ist einer der Wengerter, die das Risiko eingegangen sind, Trauben zwei Monate lang hängen zu lassen. Ein Risiko deshalb, weil die Winter immer wärmer werden. Wenn die Beeren zu lange hängen, weil es keinen Frost gibt, sind die Trauben oft reif für den Kompost. Je nach Wetterlage haben sich einige Wengerter, auch in Besigheim, vorher aus dem Wartespiel verabschiedet. Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen sind dabei die Alternativen.

„Es war jetzt die erste und auch die letzte Gelegenheit, Eiswein zu lesen“, stellt Sebastian Häußer fest. Zwei Nächte sollte es schon unter sieben Grad haben, sonst werde es nichts. Und an Weihnachten soll es ja wieder milder werden. Der Kellermeister hat sich beim Wetterdienst informiert und erfahren, dass es im Januar nicht so frostig wird, wie es der Eiswein brauche. „Also mussten wir jetzt ernten.“

Bisher 130 Oechslegrade

Sebastian Häußer ist sich sicher, dass es in den nächsten Jahren immer schwieriger, wenn nicht gar unmöglich werde, Eiswein zu machen, weil die Weinlese immer früher stattfindet und die Zeit bis zum ersten Frost zu lange ist. Im ersten Vorlauf beim Pressen des gefrorenen Eisblocks wurden am Mittwoch 130 Oechslegrade gemessen. Das werde sich steigern, sagt Häußer. Ein Teil davon werde wahrscheinlich zur Beerenauslese gemacht.

Eiswein wird vor allem als Aperitif oder zu Süßspeisen und Käse getrunken. Eine 0,375 Liter große Flasche kann zwischen 20 und 70 Euro kosten, manchmal auch mehr. Auch für die Felsengartenkellerei ist der teure Tropfen ein wichtiges Aushängeschild. In Japan und in asiatischen Ländern ist Eiswein außerordentlich begehrt.