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Lebensmittelhandwerk

Endgültiges Aus für Bäcker Lang besiegelt

Vorläufiger Insolvenzverwalter sieht keine Möglichkeit, die Produktion wieder aufzunehmen – Eigene Filialen ab heute zu – Kein Sozialplan für Mitarbeiter

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Die Tore bei Lang in Freiberg bleiben endgültig geschlossen.Foto: Holm Wolschendorf

Freiberg.. Drei Pleiten innerhalb von drei Jahren waren für die Bäckereikette Lang zu viel. Das Traditionsunternehmen mit dem Produktionsstandort Freiberg wird wohl endgültig von der Bildfläche verschwinden. Er werde die Produktion nicht noch einmal aufnehmen, kündigte der vorläufige Insolenzverwalter Wolfgang Bilgery gestern gegenüber unserer Zeitung an. Die zehn eigenen Filialen sollen spätestens heute geschlossen werden.

Der Inhaber der drei Lang-Gesellschaften, der Münchner Unternehmer Ilyas Kaya, hatte – wie berichtet – am Montag Insolvenzanträge gestellt. Vor wenigen Wochen hatte Kaya unserer Zeitung gegenüber noch jegliche Probleme in seinen Unternehmen bestritten.

Produziert wird bei Lang schon seit Freitag vergangener Woche nicht mehr. Die Mitarbeiter hatten die Arbeit niedergelegt, weil sie zum Teil schon seit August keine Löhne mehr bekommen hatten.

Um die Produktion in Freiberg wieder aufzunehmen, fehlen nach Aussage des Stuttgarter Rechtsanwaltes von der Kanzlei Grub-Brugger viele Voraussetzungen. Es sei kaum noch Material vorhanden und es gebe auch keine finanziellen Mittel, um Material einzukaufen. Zudem hätten der Produktionsleiter und weitere wichtige Mitarbeiter, etwa in der Qualitätssicherung, bereits gekündigt und seien ausgeschieden. Für einige der Filialen in Lebensmittelmärkten und Bahnhöfen seien bereits die Mietverträge gekündigt worden und Großkunden seien abgesprungen, nachdem sie mehrere Tage nicht beliefert worden seien. Zu Langs bisherigen Kunden zählen mehrere Krankenhäuser, Unternehmenskantinen und Gastronomiebetriebe in der Region.

Unmittelbar sind von der neuerlichen Pleite 201 Mitarbeiter betroffen: 67 in der Produktion, 109 in den eigenen Filialen und 23 in der Verwaltung in Freiberg. Hinzu kommen wohl noch Mitarbeiter in den 20 von Pächtern betriebenen Bäckereiläden, die unter dem Namen Lang betrieben wurden. Wie es dort weitergehe, hänge letztlich von den Pächtern ab, sagte Bilgery.

Auf weitere Unterstützung ihres bisherigen Arbeitgebers nach Auslaufen des Insolvenzgeldes können die Lang-Beschäftigen nicht hoffen. Für einen Sozialplan oder eine Transfergesellschaft sei kein Geld vorhanden, bestätigte Bilgery. Denn das Grundstück und die Fabrik in Freiberg gehören ebenso wenig den jetzt betroffenen Gesellschaften wie die Großmaschinen in der Produktion.

Die Produktionsmittel sind im Eigentum der Stefansbäck GmbH, die 2015 gegründet wurde, als die Münchner Investmentgesellschaft Capital Partners das Lang-Imperium nach der ersten Pleite übernommen hatte. Mit im Boot waren damals auch die Brauerei-Erben Carl Peter und Christian Dinkelacker, die schon zuvor an der Bäckerei Lang beteiligt gewesen waren. Das Engagement von Capital Partners, dass mit großen Plänen angekündigt worden war, währte nur zwei Jahre.

Inhaber Kaya äußerte sich gestern in einer schriftlichen Mitteilung der Kanzlei von Wolfgang Bilgery zu den Gründen für die Schieflage. Neben dem starken Konkurrenzdruck auf dem Markt für Backwaren machte er auch die Konditionen der Übernahme für die Probleme verantwortlich. „Vor allem aber waren die Kosten der Übernahme für die Produktionsstätte in Freiberg zu hoch. Diese mussten wir aus der Insolvenzmasse mit übernehmen, um ausreichend Ware für unseren Direktvertrieb und unsere Filialen zur Verfügung zu haben“, heißt es wörtlich.