Logo

Engelbergtunnel

Engelbergtunnel: Sanierung wird in neue Bahnen gelenkt

Von Ostersonntag an wird wegen der nächsten Sanierungsphase im Engelbergtunnel eine Spur in Fahrtrichtung Süden in der Röhre der Gegenrichtung geführt. Damit kann in der anderen gearbeitet werden.

Ab Sonntag wird eine Spur Richtung Süden durch die Oströhre (links) geführt. Foto: Andreas Becker
Ab Sonntag wird eine Spur Richtung Süden durch die Oströhre (links) geführt. Foto: Andreas Becker

Gerlingen/Leonberg. Die Markierungen und Beton-Absperrungen auf der Fahrbahn der A81 verkünden es schon seit einigen Tagen: Im Engelbergtunnel steht wieder eine Änderung der Verkehrsführung an. Die gab es in jüngerer Zeit zwar schon einmal, in den Sommern 2017 und 2018 zwischen den Anschlussstellen Feuerbach und den Portalen. Doch diesmal ist das Bauwerk selbst betroffen – und das durchgehend bis Mai 2025. Denn so lange dauert es laut Ankündigung der nun zuständigen Autobahn GmbH des Bundes noch, bis die Tunnelröhren saniert sind. Und dafür muss jeweils in einer davon Platz geschaffen werden. Zunächst wird das für etliche Monate in der Weströhre getan und deshalb ab dem 4. April eine der drei Fahrspuren in Richtung Süden auf die Gegenfahrbahn verschwenkt und durch die Oströhre geführt, alle dann vier werden dabei verengt sein, mit entsprechend reduziertem Tempolimit. Nachts ist die Weströhre schließlich ganz gesperrt.

Ursache und Maßnahmen

Der Engelbergtunnel führt auf 450 Metern durch quellendes Anhydritgestein. Damit sind die Tunnelröhren einem permanenten Gebirgsdruck ausgesetzt, der im Laufe der Zeit in beiden Fahrtrichtungen gravierende Schäden verursacht hat.

Für die nötige Sanierung wird nun abschnittsweise ein zusätzliches Betongewölbe mit eingestellten Stahlträgern in die Tunnelröhren eingebaut. Dazu wurden in der ersten Bauphase ab September 2019 die Fahrbahnplatten verstärkt und Zwischendecken als horizontale Versteifungen eingebaut. Die Arbeiten fanden in den Medien- und Abluftkanälen unterhalb der Fahrbahn statt. Zudem wurden die komplette Sicherheits- und Betriebstechnik erneuert und weitere alterstypische Schäden beseitigt. Die gesamte Sanierung erstreckt sich über sieben Bauphasen.

Aktuelle Verkehrseingriffe

Mit der zweiten Bauphase von Ostersonntag an beginnt bei der ersten Röhre die Verstärkung im Verkehrsraum. Mit einem detailliert aufeinander abgestimmten Bau- und Verkehrskonzept werden die Auswirkungen auf den Verkehr aber so minimal wie möglich gehalten, hatten die Verantwortlichen immer wieder betont: Zunächst finden die Maßnahmen auf einem 180 Meter langen Abschnitt in der Weströhre statt. Ab 4. April sind deshalb hier in Fahrtrichtung Singen/A8 nur zwei Spuren geöffnet, die dritte wird auf die gegenüberliegende Fahrbahn in die Oströhre verschwenkt. In der Nacht ist die Weströhre zwischen 22 und 5 Uhr voll gesperrt. Der Verkehr in Richtung Singen fließt dann einstreifig durch die Oströhre.

In Fahrtrichtung Würzburg stehen währenddessen am Tag und in der Nacht immer alle drei Fahrstreifen zur Verfügung, allerdings verengt und mit reduziertem Tempolimit. Umleitungen in das nachgeordnete Straßennetz gibt es nicht – darauf hatten Anrainer wie Leonberg und Ditzingen auch immer wieder gedrungen.

Neues Sicherheitskonzept

Aufgrund der geänderten Verkehrsführung wurden bereits im Vorfeld Maßnahmen getroffen, etwa Schranken an den Portalen installiert, die im Notfall ein Passieren verhindern sollen. Aktuell wurde ein Thermoscanner errichtet, der nun in Betrieb genommen wird. Mit ihm werden alle Gefahrguttransporte vor Einfahrt in die Tunnelröhre mit Gegenverkehrsbetrieb kontrolliert, um das Risiko der Selbstentzündung zu minimieren. Die Gefahrguttransporte in Fahrtrichtung Würzburg werden vor dem Tunnel auf eine gesonderte Spur geleitet, dort installierte Spezialkameras erkennen Wärme und scannen die Fahrzeuge auf überhitzte Teile. Stellt das System eine ungewöhnliche Überhitzung – und damit einen potenziellen Brandherd – fest, wird der Lkw gestoppt und durch Feuerwehr und Polizei überprüft. Sind die Maßnahmen in der Oströhre abgeschlossen, werden dort dann vorübergehend vier Spuren sein und auch der Thermoscanner entsprechend verlegt.

Geplantes Bauende und Kosten

Die zweite Bauphase beginnt mit einem Jahr Verzögerung: Für rund 200 der etwa 700 von einem ukrainischen Werk produzierten Stahlbauteile, die für die Verstärkung der Tunnelinnenschale benötigt werden, wurde eine Nachbearbeitung erforderlich (wir berichteten). Die Schweißnähte entsprachen nicht den hohen Qualitätsansprüchen, die vor allem der Einbau im Verkehrsraum verlangt.

Nach Behebung der Qualitätsprobleme sind laut Autobahn GmbH „alle Voraussetzungen für einen kontinuierlichen Bauablauf und damit den Beginn der zweiten Bauphase sichergestellt“. Die Kosten von rund 130 Millionen Euro für die nun bis Mai 2025 terminierte Hauptmaßnahme haben sich dadurch laut der Verantwortlichen nicht erhöht. (red/jsw)