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Entsetzen nach „tragischem Unglück“ bei Zugfahrt

Polizei beendet ihre Ermittlungen und schließt Fremdverschulden aus – Getöteter 59-Jähriger war viele Jahre treuer Fahrgast

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Der Verunglückte war unter den letzten Waggon geraten. Foto: Alfred Drossel

Hemmingen. Eigentlich war für die Ehrenamtlichen der Gesellschaft zur Erhaltung von Schienenfahrzeugen alles für eine „fröhliche Saisoneröffnung auf der Strohgäubahn“ angerichtet: Das Wetter war freundlich und die Waggons, die hinter die Dampflok „Feuriger Elias“ gespannt waren, wieder mit vielen Menschen besetzt. Unter ihnen auch ein 59-Jähriger, der in der Vergangenheit schon häufig mit dem Zug mitgefahren war. Doch am 1. Mai sollte es sein letztes Mal gewesen sein.

Der Zug war gegen 16.50 Uhr gerade dabei, den Hemminger Bahnhof in Richtung Weissach zu verlassen, der entsprechende Warnpfiff bereits ertönt und die Absperrgitter der Waggons geschlossen, als der 59-Jährige vom Bahnsteig aus versuchte, noch aufzuspringen. Doch er schaffte es nicht, geriet unter den letzten Waggon und wurde überrollt. Retter waren zwar schnell zur Stelle, konnten aber nichts mehr für den Mann tun.

So hat die Polizei das Ereignis rekonstruiert. Sie kommt deshalb zu dem Schluss, dass bei dem „tragischen Unglücksfall“ ein Fremdverschulden auszuschließen sei, so Pressesprecher Peter Widenhorn. „Es ist niemandem von den Veranstaltern etwas vorzuwerfen“, das hätten auch die Zeugenbefragungen ergeben.

Die Nachricht dürfte bei der GES für Erleichterung sorgen, wenngleich bei den Schienenfreunden derzeit noch der Schock vorherrscht. Denn der 59-Jährige war kein Unbekannter. Auf ihrer Facebookseite beschreibt die GES ihn als „Eisenbahnfreund und jahrzehntelangen treuen Fahrgast“, der auch gerne seine Fotos zur Verfügung gestellt habe. „Den Angehörigen, aber auch den unfreiwilligen Augenzeugen gehört unser ganzes Mitgefühl“, heißt es weiter. Lob gibt es für die Fahrgäste, die besonnen und mit Verständnis reagiert hätten – für sie wurden Busse organisiert, als klar war, dass es auf absehbare Zeit nicht weitergeht. Erst rund drei Stunden später konnte der Zug nach Weissach, wo die erste Möglichkeit zum Wenden besteht.

Die Bestürzung ist GES-Sprecher Martin Jenner auch am Tag danach noch deutlich anzumerken. Er selbst war am anderen Ende, als das Unglück geschah – gemerkt habe man aber auch dort etwas, weil der Lokführer eine Notbremsung eingeleitet hatte und der Zug umgehend zum Stillstand gekommen sei. „Jeder von uns hat richtig reagiert“, sagt er. Dennoch könne man leider nie sicher sein, dass nicht doch ein solch trauriges Ereignis geschehe, sagt er. Er hofft nun, dass der Fall keine gravierenden Konsequenzen für die GES haben wird, sei es von einer Bahnbehörde oder auch finanziell. „Doch das Thema Geld ist angesichts eines solchen Unglücks auch nebensächlich.“