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Enzbrücke: Ampeln legen Kirchheim lahm

Umleitung wegen B27-Sperrung sorgt im Ort für ein Verkehrschaos – Regierungspräsidium überprüft die Situation

Stoßstange an Stoßstange: Vor allem zu den Hauptverkehrszeiten geht es für die Autofahrer nur im Schneckentempo durch Kirchheim. Foto: Alfred Drossel
Stoßstange an Stoßstange: Vor allem zu den Hauptverkehrszeiten geht es für die Autofahrer nur im Schneckentempo durch Kirchheim. Foto: Alfred Drossel

Kirchheim. Der Neubau der B27-Enzbrücke zwischen Walheim und Besigheim sorgt in Kirchheim für ein Verkehrschaos. Hier geht nichts mehr voran. Der Grund: die provisorische Ampelanlage bei Gemmrigheim kurz vor der Kirchheimer Neckarbrücke, die eigentlich für Entlastung sorgen soll.

Werbung für schöner Wohnen wird in Kirchheim derzeit wahrlich nicht gemacht: Nicht nur, aber vor allem zu morgendlichen und abendlichen Stoßzeiten geht es auf den Straßen nicht mehr vorwärts. Dicht an dicht stehen Autos und Lastwagen. Und zwar nicht nur auf der Bundesstraße, die sich durch den Ort schlängelt, sondern auch auf den Nebenstraßen. Die Blechlawine reicht von einem Ortsausgang bis zum anderen und darüber hinaus. „Die Ampeln legen Kirchheim komplett lahm“, sagt Bürgermeister Uwe Seibold unserer Zeitung. Bei ihm ist diese Woche eine Flut von erbosten Anrufen und E-Mails eingegangen.

Hier eine kleine Auswahl der Beschwerden: Dümmste Ampelschaltung Deutschlands.

Vielen Dank, dass aufgrund der neuen Ampelanlage an der Neckarbrücke, Richtung Ottmarsheim, nun seit Montag ein Rückstau bis Lauffen entstanden ist. Gut gemacht !

Bauen sie bitte diesen Blödsinn ab – es kann doch nicht sein, dass der komplette Verkehr durch Kirchheim dadurch lahmgelegt wird…

Fazit: Bewegt euren Luxuskörper aus dem Homeoffice oder Büro und schaut euch mal dieses verrichtete Chaos an.

Nur: Die Kommune selbst kann für das Chaos nichts. Wie mehrfach berichtet, wird die B27-Enzbrücke zwischen Walheim und Besigheim neu gebaut. Bis Oktober nächsten Jahres soll das dauern. Während der Bauzeit ist laut dem zuständigen Regierungspräsidium Stuttgart mit drei Vollsperrungen zu rechnen. Um größere Beeinträchtigungen auf den Umleitungsstrecken zu vermeiden, würden diese Sperrungen in die verkehrsärmere Zeit gelegt – wie aktuell die Sommerferien. Wie wenig sich dadurch Staus vermeiden lassen, ist jetzt in Kirchheim zu sehen. Die offizielle Umleitungsstrecke führt von Besigheim aus über die Ottmarsheimer Höhe – Landesstraße 1115/Kreisstraße 1625 – und die Kirchheimer Neckarbrücke nach Walheim. Angesichts der Masse an Autos und Lastwagen, die jetzt umgeleitet werden muss, hat das Regierungspräsidium an neuralgischen Punkten Ampeln aufgestellt. Etwa im Besigheimer Wohngebiet Neusatz, direkt nach der Neckarbrücke, wo der Verkehr aus Gemmrigheim, Hessigheim und Ottmarsheim aufeinandertrifft, oder eben unweit der Kirchheimer Neckarbrücke, an der Einmündung nach Gemmrigheim. So sollte der Verkehr besser gesteuert und Rückstaus vermieden werden.

Für Kirchheim ist allerdings das Gegenteil eingetreten. „Wir haben teils Rückstaus bis nach Lauffen“, sagt Seibold über den Verkehr auf der B27. Was ihn dabei so ärgert: Das Regierungspräsidium hatte im Vorfeld zugesichert, die Kommune einzubinden. Zwar sei man in Kontakt gewesen wegen der Ampelschaltung, aber „leider sind die Bitten und die Mahnungen, was passieren wird, nicht erhört worden“, beklagt Seibold. Denn dass der Verkehr am Knotenpunkt B27/Max-Eyth-Straße zusammenbrechen wird, wenn die Umleitung darüber führt, war den Kirchheimern schnell klar. Schließlich wissen sie, dass die Strecke schon bei Normalbetrieb unter den vielen Autos und Lastwagen ächzt.

Das Chaos in Kirchheim ist bei der Stuttgarter Behörde bekannt. Wie das Regierungspräsidium gestern auf Nachfrage mitteilt, sei die Überprüfung der Videodetektoren bereits beauftragt worden. „Gegebenenfalls werden die Anlagen zusätzlich nochmals vor Ort optimiert, um den Verkehrsfluss zu verbessern“, teilt eine Sprecherin mit. Grundsätzlich sei bei solchen Maßnahmen nicht immer auszuschließen, dass Ampelschaltungen im Laufe der Arbeiten nochmals nachgebessert werden müssten. „Die Optimierung erfolgt in solchen Fällen so schnell wie möglich, sodass die Ampelschaltung zeitnah an die Verkehrsverhältnisse vor Ort angepasst und der Verkehrsfluss verbessert werden kann.“

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