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OB-Wahl

Erfahrung kontra frischer Wind

Am Sonntagabend steht fest, wer Bietigheim-Bissingen in den kommenden acht Jahren regieren darf. Bei der Podiumsdiskussion dieser Zeitung warben Amtsinhaber Jürgen Kessing und Herausforderer Stephan Muck um Stimmen.

Stephan Muck (links) und OB Jürgen Kessing stellen sich zur Wahl – und am Mittwochabend den Fragen von LKZ und Publikum. Foto: Ramona Theiss
Stephan Muck (links) und OB Jürgen Kessing stellen sich zur Wahl – und am Mittwochabend den Fragen von LKZ und Publikum. Foto: Ramona Theiss

Bietigheim-Bissingen. Wer zur Podiumsdiskussion der LKZ zur OB-Wahl kommen wollte, hatte so manche Hürde zu nehmen. Zum einen das Coronavirus samt Bedenken vor Menschenansammlungen – es gab aber Desinfektionsmöglichkeiten, und insgesamt sieht sich die Stadt gut gerüstet –, vor allem aber der starke Verkehr. Der staute sich am Mittwochabend auf der B.27, von der Autobahn oder Ludwigsburg kommend, schon nach der Abfahrt zum Breuningerland. Folgerichtig war der Verkehr auch eines der Schwerpunktthemen der von Stephan Wolf, Leiter der LKZ-Kreisredaktion, moderierten Kandidatenvorstellung.

Amtsinhaber Jürgen Kessing, der seit 16 Jahren die Große Kreisstadt regiert und das für weitere acht Jahre anstrebt, konnte dabei auf einige Maßnahmen verweisen, die die Verwaltung erfolgreich umgesetzt habe. Etwa die Pförtnerampeln an den Ortseingängen, die den Stau – und die Belastung für die Menschen – im Innenbereich reduzieren helfen oder die Verlängerung von Abbiegespuren am Bahnhof. Zudem wolle man demnächst mit dem Gemeinderat in Klausur zu großen Lösungen gehen, wie dem Thema Umgehung. Allerdings müsse man den Menschen auch klar machen, dass dafür dreistellige Millionenbeträge nötig seien – und dass auch das eigene Verhalten einen Teil beiträgt.

Für ihn ist deshalb auch wichtig, den ÖPNV auszubauen, da sei auch die städtische Bus-Tochter Spillmann gefragt, um die Wegebeziehungen genau zu erfragen und etwa beim Ringbus nachzujustieren. Ähnlich sah es Kessings Kontrahent, der 50-jährige Stephan Muck, Gemeinderat der Freien Wähler und Wengerter, der für sich mit einem „frischen Wind“ wirbt. Vor allem die Querverbindungen müsse man stärken, übte er auch Kritik am VVS, der zu sehr auf Stuttgart als Zentrum ausgerichtet sei. Er sagte im Gegensatz zu Kessing, dass er nicht grundsätzlich für eine Westumgehung sei, man das Thema aber viel früher hätte forcieren müssen. Und vor allem die Bürger in einem Entscheid mitzureden hätten, denn die Pläne für eine Fortsetzung des Grotztunnels in Richtung Norden hätten „erhebliche Konsequenzen“ für Metterzimmern und Bissingen.

Zurückhaltender als Kessing äußerte Muck sich in Sachen Gewerbegebiets-Erweiterung – bekanntermaßen gibt es seit Langem Diskussionen um den Laiern, der Tammer Gemeinderat hatte sich dafür ausgesprochen, in Bietigheim scheiterte die Verwaltung mit ihren Vorstößen. Auch spätere Generationen sollten noch freie Flächen und Natur vorfinden, sagte Muck auf eine von Stephan Wolf gestellte Aufgabe, einen fiktiven Rückblick auf seine acht Jahre als OB zu geben. Zudem sollte mehr Wohnraum geschaffen – explizit nannte er das Bogenviertel –, in Bissingen das Kulturzentrum gebaut und in Bietigheims Zentrum die Metter erlebbarer gemacht sein. Auch in Kessings „Rückblick“ wurden Baugebiete umgesetzt, haben „die Menschen Frieden mit dem Verkehr gemacht und erfreuen sich am neuen Bad“. Und dabei sei die Stadt, wenn er in Ruhestand gehe, weiterhin schuldenfrei.

Kessing verwies in seinen Antworten immer wieder auf das Erreichte, und machte dabei so manche spitze Bemerkung in Richtung seines Kontrahenten. Der habe bei der Nennung der Punkte für den Rückblick „gut aufgepasst“, was der Gemeinderat in den vergangenen Wochen auf Initiative der Verwaltung abgesegnet habe. Das Amt als Oberbürgermeister sei für ihn „berufliche Erfüllung“, ergänzte er den von Wolf vorgegebenen Satz, das als ehrenamtlicher Präsident des Leichtathletikverbands „eine schöne Ergänzung“ dazu. An Stephan Muck schätze er, dass er Besenwirt sei und sich um die Steillagen kümmere – „und das soll auch so bleiben“, sagte er. Doch der Angesprochene selbst gab sich kämpferisch. Wer seine Kandidatur als aussichtslos ansehe, „wird überrascht werden am Sonntag“, ergänzte er.

Info: Die Veranstaltung wurde aufgezeichnet. Das Video ist im Lauf des Tages auf www.lkz.de abrufbar. Eine weitere Berichterstattung folgt.

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