Logo

Finanzen

Erhöhte Nachfrage an Tieren durch Corona: Kein genereller Trend zum Hund

Obwohl die Nachfrage nach den Vierbeinern in der Pandemie gestiegen ist, nehmen nicht alle Kommunen mehr Steuern ein

350_0900_35174_Appenzeller_Sennenhund.jpg

Kreis Ludwigsburg. Der Hund gilt schon lang als des Deutschen liebster Freund, doch in der Coronapandemie hat diese Vorliebe zum Teil fast groteske Züge angenommen: „Den Züchtern wird die Hütte eingerannt“, berichtete etwa ein Sprecher des Verbands für das Deutsche Hundewesen (VDH). Nach Erkenntnissen der Organisation wurden 2020 im Vergleich zu den Vorjahren 20 Prozent mehr Hunde gekauft.

Die Gründe liegen auf der Hand: Mit dem Tier kam man an die frische Luft, selbst Ausgangssperren verloren ihren Schrecken, weil es auch in der Pandemie immer erlaubt war, ein Haustier Gassi zu führen. Zudem war stets jemand zu Hause, der sich kümmern konnte: ein Elternteil im Homeoffice beispielsweise oder (ältere) Kinder im Homeschooling.

Doch bildet sich diese Entwicklung auch in den Kommunen des Landkreises ab? Hat die Hundesteuer als Einkommensquelle an Bedeutung gewonnen? Ein ganz klares Bild zeichnet eine stichprobenartige Umfrage in den Rathäusern da nicht. Es scheint aber, als sei der Trend zum Hund in den größeren Städten ausgeprägter als in kleinen Kommunen. Von einer signifikanten Steigerung spricht zum Beispiel Anette Hochmuth für die Stadt Bietigheim-Bissingen – aber das schon seit dem Jahr 2018. Während von 2013 bis 2017 der jährliche Zuwachs 14 Hunde betrug, waren es 2018 schon 51 Vierbeiner mehr, im Jahr darauf 40 und im Coronajahr 2020 registrierte die Stadtverwaltung 37 Hunde mehr. Das spülte gut 144000 Euro in die Stadtkasse.

Auch in Kornwestheim „ist ein Aufwärtstrend deutlich zu erkennen!“, berichtet Marion Blum von der städtischen Pressestelle. In Zahlen heißt das: 2019 waren es 85 Anmeldungen, ein Jahr später 100 und für dieses Jahr wurden schon 179 Hunde angemeldet. Die Stadt hat im vergangenen Jahr 147000 Euro Hundesteuer eingenommen, über 6000 Euro mehr als im Vorjahr.

In kleineren Kommunen stellt sich die Situation etwas anders dar. In Freiberg etwa wurden 2020 lediglich zehn Hunde mehr angemeldet als im Vorjahr. Allerdings ist das Hundesteueraufkommen laut Sprecherin Tatjana Bremer in den zurückliegenden Jahren generell „leicht ansteigend“. So lag es 2020 mit rund 85000 Euro um 5600 Euro höher als im Vorjahr. Was den Schluss zulässt, dass mehr Hunde gehalten werden, denn der Steuersatz ist seit elf Jahren unverändert.

In Tamm macht sich eine größere Zahl von Hunden nach Angaben von Kämmerin Fibi Yildiz erst in diesem Jahr bemerkbar. Im Vergleich von 2019 zu 2020 ging das Aufkommen bei der Hundesteuer sogar leicht zurück, und zwar von 49800 auf 48900 Euro. Wer sich erst in diesem Jahr einen Vierbeiner zugelegt hat, muss allerdings mit einem höheren Steuersatz leben; er wurde zum 1. Januar 2021 erstmals nach 16 Jahren wieder erhöht.

Ein ähnliches Bild zeichnet Felix Pfisterer, Sachgebietsleiter Finanzen bei der Gemeinde Schwieberdingen. Die Zahl der angemeldeten Hunde sei 2020 auf dem Niveau der Vorjahre gelegen und brachte der Gemeinde Einnahmen in Höhe von 43000 Euro; im Jahr zuvor waren es 41800 Euro.

Auch in Affalterbach gibt es keine Ausreißer bei der Hundesteuer: Diese Quelle brachte im Jahr 2019 Einnahmen von knapp 21000 Euro, ein Jahr später waren es 21400 Euro. „Wir konnten keine signifikante Zunahme von Anmeldungen im Jahr 2020 feststellen“, bilanziert Kämmerin Jana Gläser. 80 Euro pro Jahr müssen Hundehalter für ihren vierbeinigen Liebling hinblättern. Affalterbach ist übrigens eine der wenigen Kommunen im Landkreis, die keine gesonderte Kampfhundesteuer erhebt. „Aktuell ist in Affalterbach kein Kampfhund gemeldet, deshalb ist auch die Einführung einer Kampfhundesteuer nicht geplant“, so Jana Gläser.

Andere Städte und Gemeinden lassen sich die Haltung von Hunden, die zu den als gefährlich eingestuften Rassen zählen, mit einem deutlich höheren Steuersatz bezahlen. In diese Kategorie gehören unter anderem Rottweiler, Mastino Napoletano, American Staffordshire Terrier und Pitbull Terrier. Spitzenreiter im Landkreis ist Tamm, wo für einen Kampfhund 1000 Euro fällig werden. Die Steuersätze aller anderen Kommunen liegen zwischen 300 und 900 Euro für einen Kampfhund. Richtig teuer wird es, wenn ein zweiter gehalten wird. Für den verlangen fast alle Kommunen im Landkreis einen vierstelligen Betrag. Neu im Kreise der Kommunen, die eine Kampfhundesteuer erheben, ist die Stadt Marbach, die vom kommenden Jahr an einen erhöhten Steuersatz verlangt. Allerdings können Hundebesitzer einen „Rabatt“ erhalten, wenn sie nachweisen, dass ihr Vierbeiner einen Wesenstest erfolgreich bestanden hat.

Autor: