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Auszeichnung

„Es ist ein besonderer Turm“

Firma Urfer aus Remseck hat für ihr Stahlbauwerk in Herrenberg den Metallbaupreis erhalten

35 Meter hoch ist der Schönbuchturm in Herrenberg.Foto: Urfer
35 Meter hoch ist der Schönbuchturm in Herrenberg. Foto: Urfer
Thomas und Heike Urfer mit dem Metallbaupreis. Foto: Stefan Bausewein
Thomas und Heike Urfer mit dem Metallbaupreis. Foto: Stefan Bausewein

Remseck. Thomas Urfer war gerade 14 Jahre alt, als er seine erste Brücke auf dem Stuttgarter Rotebühlplatz montierte. Dass er 34 Jahre später für Bau und Montage eines 35 Meter hohen Aussichtsturms mit einem Preis ausgezeichnet werden würde, daran hat er damals wohlnichtgedacht.

„Das ist der Preis“, sagt Thomas Urfer und zeigt auf die kleine Metallfigur. Sein Unternehmen hat den Deutschen Metallbaupreis in der Kategorie Stahlkonstruktion für ein äußerst anspruchsvolles Bauwerk aus Stahl und Holz erhalten. Dabei handelt es sich um den Schönbuchturm in Herrenberg, der mit seinen 348 Treppenstufen seit Sommer vorigen Jahres dazu einlädt, erklommen zu werden. Verliehen worden ist der vom Fachmagazin M&T Metallhandwerk und Technik ausgelobte Preis beim Metallkongress in Würzburg.

Der Entwurf stammt von dem Ingenieurbüro Schlaich, Bergermann und Partner. Die Firma Urfer aus Remseck hat das Bauwerk als Generalunternehmer konstruiert, gefertigt und montiert. Eine außergewöhnliche Aufgabe für das Team um die Inhaber Heike und Thomas Urfer. Sie sind auf Ingenieurbau spezialisiert, und dabei handelt es sich vor allem um Brücken. Pro Jahr werden bis zu sechs Brücken in allen Größen gebaut und montiert. Regelmäßig steuern deshalb Spezialtransporter die Max-Eyth-Straße..1 in Remseck an, um die Teile im XXL-Format zum Zielort zu bringen. Ein Lampenmast in dem Gewerbegebiet, der früher regelmäßig im Weg stand und jedes Mal abmontiert werden musste, ist inzwischen mit einem Scharnier versehen worden, erzählt Thomas Urfer.

Der 48-Jährige führt das Unternehmen seit 20 Jahren als Geschäftsführer. Schon der Großvater hatte eine kleine Schlosserei in Stuttgart. Sein Vater Roland gründete das Unternehmen, anfangs auch als klassische Schlosserei im Gewerbegebiet Aldingen. Seitdem sei das Gebäude mehrfach erweitert und umgebaut worden, so Urfer. 20 Mitarbeiter sind aktuell in dem Stahlbauunternehmen tätig. „Jede Brücke ist anders“, betont der Firmenchef, dass keine serielle Fertigung mit Maschinen möglich ist, sondern alle Stahlbauwerke in Handarbeit gefertigt werden. Doch auch kleinere, individuelle Aufträge und Sanierungsarbeiten erledigt. Der Turm sei etwas ganz Besonderes gewesen: „So etwas bauen wir nicht jedes Jahr“, erzählt der 48-Jährige. Von der Entwurfs- und Ausführungsplanung im Büro und den Arbeiten in der Firma bis zum Aufbau vor Ort vergingen acht Monate. Die Projektleitung hatte Firmenchefin Heike Urfer, die als Bau- und Schweißfachingenieurin über das notwendige Know-how verfügt.

Der Schönbuchturm besteht aus drei unterschiedlich großen Aussichtsplattformen in zehn, 20 und 30 Metern Höhe. Erschlossen werden diese über eine Treppe, die sich als dreidimensionale logarithmische Spirale in die Höhe schraubt, wobei jede Stufe ihre eigene Form hat. In der Mitte des Turms befinden sich acht Masten aus heimischem Lärchenholz, die von einem filigranen Netz aus Stahlseilen gehalten werden. Die insgesamt 32..Stahlseile mit einer Länge von 1080 Metern verlaufen von der obersten Plattform bis zu den Fundamenten. Die Holzmasten, die ebenfalls in dem Stahlbauunternehmen gefertigt wurden, sind an ihrem höchsten Punkt durch einen Zugring aus Seilen miteinander verbunden.

Die anspruchsvolle Geometrie der Treppenkonstruktion habe die Jury dazu bewogen, seiner Firma den diesjährigen Metallbaupreis zu verleihen, sagt Thomas Urfer. Doch auch die Montage war definitiv eine Klasse für sich: Dafür wurden die drei Turmstockwerke inklusive Plattformen und Holzmasten zunächst nebeneinander auf dem Boden aufgebaut. Beim sogenannten Big Lift wurden mit Hilfe eines Krans die beiden oberen Stockwerke aufeinander gesteckt, miteinander befestigt und schließlich auf den unteren Teil der acht Holzmasten gesetzt. Thomas Urfer vergleicht das damit, als würde man Bauklötze aufeinanderstapeln. In einem letzten Schritt wurden die Seile gespannt und im Fundament befestigt.

Ehrensache für die Urfers, den Turm bis zur letzten Plattform zu besteigen, und die Aussicht auf das Erholungsgebiet Schönbuch zu genießen. „Es ist schon ein besonderes Bauwerk, auch wenn einige Widrigkeiten damit verbunden waren“, so das Fazit von Thomas Urfer. „Viel verdient haben wir zwar nicht, wir würden es aber nochmals machen“, freut er sich über die Wertschätzung – auch durch die Verleihung des diesjährigen Metallbaupreises.

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