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Eisenbahn

Feuriger Elias soll bald wieder starten

Denkbar schlecht ist bisher die Saison für die Gesellschaft zur Erhaltung von Schienenfahrzeugen Stuttgart (GES) gelaufen, die rund um Stuttgart Fahrten mit historischen Museumszügen anbietet. Das soll sich möglichst rasch wieder ändern.

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Als Feuriger Elias und Sofazügle sind die Dampflokomotiven normalerweise von Mai bis Oktober in der Region Stuttgart unterwegs. Am 3. Juni sollen die Fahrten wieder aufgenommen werden, hofft die Betreibergesellschaft. Foto: privat

Stuttgart. Bei einem Unfall am 1. Mai in Hemmingen kam ein Mann zu Tode, als er versuchte, auf den abfahrenden Dampfzug aufzuspringen. Am Pfingstmontag blieb der Feurige Elias bei Rangierarbeiten in Kornwestheim stehen, weil der Museumszug bei geringer Geschwindigkeit entgleist war. Drei Fahrten von Ludwigsburg nach Stuttgart fielen aus. „Wir hoffen, am 3. Juni wie geplant fahren zu können“, zeigte sich der GES-Vorsitzender, Armin Herdecker, auf Anfrage unserer Zeitung optimistisch.

Erst der schlimme Unfall, jetzt die Panne: Wie schaffen es die Mitglieder, mit solchen Ereignissen umzugehen? „In der Tat ist es für uns Ehrenamtliche kein Leichtes, diese Rückschläge zu verdauen. Wie viele andere Vereine können auch wir nicht aus dem Vollen schöpfen, wenn es um die Einsatzfreude aktiver Mitglieder geht. Schließlich widmen wir dem Verein einen guten Teil unserer Freizeit, und so braucht es auch viel Begeisterung und Gespräche, um einer Frustration entgegenzuwirken“, so Herdecker. Das Engagement mit Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen, sei tatsächlich ein Kunststück, mit dem nicht alle Ansprüche erfüllt werden könnten. „Aber Sie dürfen sicher sein: Wir tun alles, um den Feurigen Elias auch zukünftig fahrenzulassen!“, fügte er hinzu. „Wir entschuldigen uns bei unseren Fans und Fahrgästen, die sich am Pfingstmontag auf eine Fahrt mit unserem Museumszug gefreut hatten“, so der Vorsitzende.

Für die laufende Saison hat der Verein eine Dampflokomotive von der Vulkan-Eifel-Bahn Betriebsgesellschaft angemietet, um Fahrten anbieten zu können. Als Feuriger Elias und Sofazügle sind die Dampflokomotiven von Mai bis Oktober auf verschiedenen, landschaftlich schönen Strecken in der Region Stuttgart unterwegs. Darüber hinaus werden Sonderfahrten, wie zum Beispiel nach Heidelberg, angeboten.

Aus der Fahrt von Ludwigsburg nach Stuttgart am Pfingstmontag wurde jedoch nichts: Bei Rangierarbeiten war die Vorlaufachse – das ist die nicht angetriebene vordere Achse der Dampflok – bei geringer Geschwindigkeit an einer Weiche entgleist. Anschließend habe sich die Achse selbsttätig wieder eingegleist und zwar mit zunächst kaum wahrnehmbaren Spuren an Fahrzeug und Gleis, wie es in einer Mitteilung der GES heißt. Personen kamen nicht zu Schaden. Auch wenn der Schaden auf den ersten Blick nicht groß gewesen sei, so gelte im Eisenbahnverkehr der Grundsatz ,Sicherheit zuerst‘.

„Deshalb wurde nicht nur die Lokomotive außer Betrieb genommen, sondern auch die betroffene Weiche gesperrt“, wie es in der Mitteilung der GES weiter heißt. Unglücklicherweise habe sich zum Zeitpunkt des Zwischenfalls der gesamte Wagenzug hinter der betroffenen Weiche befunden. Er sei quasi eingesperrt gewesen und habe deshalb für die Fahrten nicht zur Verfügung gestanden. Eine Ersatzlokomotive hätte man möglicherweise in den wenigen Stunden bis zur ersten geplanten Fahrt beschaffen können, nicht aber genügend Personenwagen. „So mussten wir schweren Herzens alle für den Pfingstmontag geplanten Fahrten absagen“, so Herdecker.

Entgegen ersten Presseberichten wurde jedoch nicht etwa die Weiche falsch gestellt, wie es weiter heißt. Die Dampflok wurde bereits diese Woche begutachtet, eine Untersuchung der Weiche steht noch aus. Bis die Ursache für die Entgleisung geklärt ist, bleiben Zug und Weiche außer Betrieb.

„Wir hoffen, dass die Dampflok binnen Kurzem wieder als Zugpferd für den Feurigen Elias eingesetzt werden kann. Für alle Fälle wurden bereits erste Kontakte aufgenommen, um für einen angemessenen Ersatz zu sorgen“, so Herdecker. Die Aktiven der GES, die sich um die Bewahrung vergangener Eisenbahntechnik bemühen, verbringen einen erheblichen Teil ihrer Freizeit damit, historisch wertvolle Exponate zu sichern, aufzuarbeiten und, soweit möglich und sinnvoll, in einen betriebsfähigen Zustand zu versetzen. Alle Mitglieder – vom Postkartenverkäufer über den Schaffner bis hin zum Lok- und Werkstattpersonal – engagieren sich ehrenamtlich.

Keinen Hehl macht Armin Herdecker daraus, dass die Absage der für Pfingstmontag geplanten Fahrten mit einem erheblichen Einnahmenverlust verbunden ist und ein dickes Loch in die Vereinskasse reißt. Mit rund 200 000 Euro beziffert er die jährlichen Kosten für Erhalt und Betrieb des Museumzuges.