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Umwelt

Fischsterben im Neckartalsee

An den Anblick von toten Fischen im Neckartalsee während einer Hitzeperiode haben sich die Besigheimer Angler bereits gewöhnen müssen. Diese Woche allerdings hat das Fischsterben bislang ungekannte Ausmaße angenommen. Der hiesige Angelsportverein schlägt wegen der seit Jahren zunehmenden Verschlammung des Sees Alarm. Doch Abhilfe scheint nicht in Sicht.

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Tote Fische: Allein 30 große Hechte sind Anfang der Woche verendet. Foto: privat
Tote Fische: Allein 30 große Hechte sind Anfang der Woche verendet. Foto: privat

Besigheim. Aufgereiht liegen sie im Gras, die mehr als 60 toten Fische – darunter große Hechte und Schleien –, die der Angelsportverein alleine Anfang der Woche aus dem Neckartalsee geholt hat. „Die Masse hat uns alle überrascht“, sagt ASV-Vorsitzender Albrecht Joos im Gespräch mit unserer Zeitung. In der Sommerzeit gebe es immer wieder mal tote Fische, was auf den Sauerstoffmangel und die geringe Tiefe des Gewässers zurückzuführen sei. Doch die jetzige Anzahl bestätigt die Sorge des Vereins, der seit Jahren Lösungen sucht und fordert, um etwas gegen die Verschlammung des Sees unternehmen zu können. „Dass die Stunde null kommt, wusste man. Aber so schnell?“ Mittlerweile sei der See nur noch zwischen 20 und 60 Zentimeter tief – „zu meiner Jugendzeit waren es noch zwei Meter“.

Albrecht Joos bezeichnet das alles als eine unendliche Geschichte; es sei ein ständiges Hin und Her zwischen den Behörden. „Der Ball wurde immer weitergespielt.“ Mit dem Ergebnis, dass sich bisher nichts getan hat. Immer mehr Schlamm wird in den See gedrückt. Bislang scheint es keine Lösung dafür zu geben, wie der Neckartalsee „entschlammt“ werden kann.

Dabei hat es in der Vergangenheit viele Gespräche und Treffen gegeben. Wie Heike Eckert-Maier, die Erste Beigeordnete Besigheims, mitteilt, habe es seit 2013 immer wieder Vor-Ort-Begehungen mit verschiedenen Behörden, Institutionen und Fachingenieuren gegeben. Die große Anzahl der Beteiligten erklärt sich auch dadurch, dass es mehrere Zuständigkeiten gibt. So ist das Vereinsgewässer durch einen westlichen See mit dem Neckar verbunden, dieser Seitenarm gehört dem Wasser- und Schifffahrtsamt. Im Zuge der Gespräche sind laut Heike Eckert-Maier verschiedene Varianten besprochen und geprüft worden: „Dabei ging es in erster Linie immer darum, die Wasserqualität zu verbessern, insbesondere was die Sauerstoffversorgung und die Verschlammung betrifft.“ Der See dient auch als Rückzugsgebiet zum Laichen.

Nicht nur das Regierungspräsidium Stuttgart und das Wasser- und Schifffahrtsamt, auch das Landratsamt Ludwigsburg war bei den Treffen dabei. Wie dessen Sprecher Dr. Andreas Fritz mitteilt, führten die weiter unterstromig gelegene Staustufe(n) des Neckars und der Wellenschlag der vorbeifahrenden Schiffe dazu, dass schlammhaltiges Neckarwasser in die Seen fließe. Gerade der ASV-Vereinssee neige zu Schlammablagerungen. Fritz: „Das Wasserpolster wird immer geringer, die Seefläche wird über kurz oder lang verlanden.“ Das Problem könne nur durch eine nachhaltige Entschlammung etwa alle 15 bis 20 Jahre gelöst werden. Aber: „Nicht nur fehlende Vortrocknungsbeete für den Abtransport, sondern auch Logistik, sehr hohe Betriebskosten inklusive Verwertung stehen der vom ASV gewünschten Entschlammung entgegen.“

Bislang, teilt Besigheims Erste Beigeordnete mit, hätten keine geeigneten und finanziell tragbaren Lösungen gefunden werden können, „um durch eine ,Seesanierung‘ die Erhöhung der Sauerstoffkonzentration, die Schlammreduktion und damit die Verbesserung der Habitatqualität zu erreichen“. Zwar wurden Proben entnommen – an der ersten habe sich die Stadt mit 20 Prozent der Kosten beteiligt –, aber diese seien nicht aussagekräftig genug gewesen, um zu beurteilen, ob der Schlamm schadlos auf Ackerflächen hätte entwässert und nach der Trocknung auf landwirtschaftliche Flächen aufgebracht werden können. Mit Blick auf die Menge wäre für die Trocknung eine Fläche von etwa 1,5 Hektar nötig. Und diese stünde nicht zur Verfügung. Für eine Rekultivierung des Schlamms, was ebenfalls geprüft worden sei, würden mehr als 500000 Euro anfallen. Aktuell seien keine Lösungsansätze bekannt, die ein nachhaltiges und bezahlbares Ergebnis versprechen würden. Eckert-Maier: „Die ganze Thematik ist sowohl für den Verein als auch für die Stadt sehr unbefriedigend.“

Auch Albrecht Joos kommt auf die Finanzen zu sprechen. „Es müsste viel investiert werden.“ Für den Verein alleine nicht machbar. Doch wenn alle Beteiligten sagen würden, man packe es jetzt an, „dann gäbe es noch eine Chance für den See“. Auch wenn er die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben habe – ehrlich gesagt, könne er nicht glauben, dass sich nach dieser langen Zeit jetzt noch etwas tue. Schließlich hätten die Behörden all das seit Jahren in Kauf genommen. Für ihn ist klar, wieso der See verschlammt: „Wir mussten damals ein Rohr in den Damm legen, damit die Fische in den Neckar zurückschwimmen können. Ein richtiger Durchfluss, also mit Zugang oben und unten am See, wurde abgelehnt.“ Dass der See irgendwann verlanden werde, sei zu diesem Zeitpunkt klar gewesen.

Abgesehen vom Schaden für Umwelt und Natur bringt die Verlandung für den 1963 gegründeten Angelsportverein ein weiteres Problem mit sich: „Uns wird die Existenzgrundlage entzogen“, sagt Albrecht Joos.

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