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Spielstätte des SGV Freiberg in der Regionalliga
Freiberg streitet über Zukunft des Wasenstadions

Im Wasenstadion kicken die Spieler des SGV Freiberg. Foto: Holm Wolschendorf
Im Wasenstadion kicken die Spieler des SGV Freiberg. Foto: Holm Wolschendorf
Freibergs Bürgermeister Dirk Schaible sieht die Stadionpläne kritisch.
Freibergs Bürgermeister Dirk Schaible sieht die Stadionpläne kritisch.
Die Freude über den Aufstieg des SGV Freiberg in die Regionalliga ist riesig. Doch wo sollen die Kicker in Zukunft spielen? Um die Nutzung des Wasenstadions ist ein heftiger Streit entbrannt. Heute Abend entscheidet der Gemeinderat.

Freiberg. Die Vorbereitungen sind fast abgeschlossen. Am 6. August findet das erste Heimspiel des SGV Freiberg statt. Gegner ist der VfR Aalen. Gespielt werden soll im Wasenstadion. Doch die städtische Spielstätte ist eigentlich für einen Regionalligabetrieb gar nicht ausgerüstet. Es fehlen Absperrzäune zum Gästebereich, eigene Toiletten und ein Verkaufsstand für die auswärtigen Fans. Und das sind nur die Mindestanforderungen der Regionalliga Südwest, unter denen der Spielbetrieb starten kann.

Grünes Licht für vorläufige Lösung

Heute Abend will der Gemeinderat für eine vorläufige Lösung grünes Licht geben. So soll ein provisorischer Zaun für das erste Hochrisikospiel erstellt werden. Bis zum dritten Heimspiel ist geplant, einen festen Zaun zu installieren. Ein Verkaufsstand für Essen und Trinken soll auf der Laufbahn abgestellt werden. Er muss laut Polizei aber fest mit dem Zaun verbunden sein. „Die Zustimmung gibt es nur, wenn der Verein die Haftung übernimmt“, so Bürgermeister Dirk Schaible. Diese Zustimmung stehe aber noch aus. Der Schultes lehnt ein größeres Engagement der Stadt ab. „Das ist ein privatwirtschaftlicher Betrieb, wir unterstützen allerdings, wenn es irgendwie geht.“ Schaible graust es schon vor dem Hochrisikospiel gegen Kickers Offenbach. Bis dahin, so heißt es, muss der Zaun stehen. Das fordert auch die Polizei, die eine eigene Befehlsstelle benötigt. Wenn etwas passiert, will Schaible für die Stadt nicht für die Schäden geradestehen müssen. Sollten diese Vorgaben erfüllt sein, dann könnten die Freiberger im heimischen Stadion die gesamte Saison absolvieren.

Flutlichtanlage wäre nötig

Um auf längere Sicht im Wasenstadion in der Regionalliga zu spielen, wären aber deutliche Veränderungen notwendig. So müsste das gesamte Spielfeld samt Tartanbahn eingezäunt werden. Außerdem bräuchte es eine Flutlichtanlage. Veränderungen, die die Stadt nicht mittragen will. „Wir haben von Anfang an ein Gesamtkonzept gefordert, das auch die Folgejahre betrachtet“, so Dirk Schaible.

Stadt verlangt Gesamtkonzept

Denn man wolle in der Kommune wissen, was am Ende auf die Stadt zukommt. Immer wieder sei den Verantwortlichen im Verein kommuniziert worden, dass die Stadt das Wasenstadion nicht für die Regionalliga ausbauen werde. Der SGV müsse sich darum bemühen, eine eigene Infrastruktur aufzubauen, wenn man weiter sportlich oben mitmischen wolle.

Der Verein habe Vorschläge gemacht, die letztlich auf eine Übernahme des Stadions durch die Stadt abgezielt hätten. „Aber das können wir nicht machen, da hier auch noch andere Vereine zu Hause sind“, so Schaible. Die LG Freiberg als Hauptnutzer des Stadions lehnt eine dauerhafte Nutzung von Teilen der Laufbahn kategorisch ab.

Andere Spielstätte ab 2024

Schaible kann sich ein Engagement auch mit Blick auf die übrigen Aufgaben der Stadt nicht vorstellen. „Wir können den Kitaausbau nicht stoppen, damit hier Regionalliga-Fußball gespielt wird“, so der Rathauschef. Im Klartext hieße das: „Ab der Saison 2024/25 muss eine andere Spielstätte gefunden werden.“ Dafür habe man dem Verein auch schon ein Ausweichgrundstück in direkter Nachbarschaft des Stadions angeboten.

Dies habe der SGV Freiberg allerdings seinerseits abgelehnt. Ohnehin dürfte es problematisch werden, dort genügend Parkplätze anzubieten. Der Verkehr dürfte ein erhebliches Problem darstellen.

Training auch tagsüber

Verschnupft ist der Freiberger Schultes, weil die Mannschaft auch tagsüber trainiere, ohne dies beantragt zu haben. Um einen Kompromiss zu finden, schlägt die Verwaltung vor, dass es bis Ende September eine Ausnahme gibt. Danach müsse der Verein eine andere Lösung finden. Auch hier soll ein Grundstück angeboten werden, um einen Trainingsplatz zu errichten.

Im Gemeinderat ist man zunehmend irritiert über die Streiterein zwischen Verein und Stadtführung. „Man muss dem SGV eine Perspektive aufzeigen“, wünscht sich CDU-Fraktionschef Willi Zimmer, der selbst SGV-Mitglied ist. Jetzt solle zunächst eine kurzfristige Lösung her und dann ein Gesamtkonzept für das Wasenstadion erarbeitet werden. „Klar ist aber, dass wir als Stadt kein neues Stadion bauen können“, so Freie-Wähler-Gemeinderat Thomas Wildermuth.

SGV-Präsident widerspricht

SGV-Präsident Emir Cerkez geht davon aus, dass er die Zustimmung für die Ertüchtigung des Stadions erhält. „Für das erste Spiel gegen Aalen liegt sie uns auch schon vor“, sagt er im Gespräch mit der Ludwigsburger Kreiszeitung. Die Baufirma sei für den Bau des Zauns auch schon bestellt. „Wir kämpfen seit zehn Jahren um den Aufstieg in die Regionalliga“, sagt der Mann, der sich selbst als „fußballverrückt“ bezeichnet. Immer wieder seien die entsprechenden Anträge an die Regionalligaverantwortlichen gestellt worden. „Die Stadt Freiberg hat uns immer unterstützt.“ Deshalb ist er sich sicher, dass dies auch in Zukunft so sein wird. Das Stadion sei nach den jetzt geplanten Maßnahmen für die Regionalliga tauglich. „Wir haben angeboten, auf unsere Kosten einen Flutlichtanlage einzubauen“, so der Clubchef weiter. Diese könnte dann auch von anderen Vereinen genutzt werden. „Das ist doch eine tolle Verbesserung“, kann er die Bedenken der Stadt nicht verstehen.

Kein eigenes Stadion an anderer Stelle

Ein eigenes Stadion an anderer Stelle zu bauen, kann er sich nicht vorstellen. „Was uns angeboten wurde, das ist Ackerland.“ Die Kosten wären dort viel zu hoch. Er geht von einem zweistelligen Betrag aus. Es ist die Rede von zehn bis 15 Millionen Euro. „Das ist utopisch für unseren Verein“, sagt Cerkez. „Wir wollen doch nicht in die 2. Bundesliga, sondern lediglich Regionalligafußball in der Region anbieten.“ Er hofft jetzt, dass es doch noch zu einer Lösung mit der Stadt Freiberg kommt.