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Gesundheitsvorsorge

Für bessere Prävention bei Wehren

Feuerwehrleute tragen ein höheres Risiko, an Krebs zu erkranken. „Dabei könnte das schon mit einfachsten Maßnahmen auf ein normales Maß reduziert werden“, sagt Landesfeuerwehrarzt Dr. Andreas Häcker aus Ditzingen. Optimal wären dafür Schmutzschleusen in den Gerätehäusern.

Der Ditzinger Dr. Andreas Häcker ist Landesfeuerwehrarzt. Er will die Hygienevorsorge für Einsatzkräfte verbessern. Foto: Oliver Bürkle
Der Ditzinger Dr. Andreas Häcker ist Landesfeuerwehrarzt. Er will die Hygienevorsorge für Einsatzkräfte verbessern. Foto: Oliver Bürkle
Vorbild Hemmingen: Dort gibt es bereits eine Schmutzschleuse. Foto: Holm Wolschendorf
Vorbild Hemmingen: Dort gibt es bereits eine Schmutzschleuse. Foto: Holm Wolschendorf

Ditzingen. Bereits an der Unglücksstelle sollten die Einsatzkräfte, die mit Atemschutzgeräten im Feuer und damit Rauchgasen ausgesetzt waren, ihre verschwitzten und verunreinigten Schutzjacken und -hosen schnell gegen einen trockenen Trainingsanzug tauschen, empfiehlt Häcker. Je länger man in der Einsatzkleidung vor sich hindampfe, desto mehr Schadstoffe atme man ein. Dadurch gelangten Asbest, Kohlenwasserstoffe, Benzol, Dioxine und CO über die Haut in den Körper. Es würden unter anderem Chemikalien bei Bränden freigesetzt, die unstrittig krebserregend seien.

„Nur zwei Prozent trennen sauber Schwarz von Weiß.“

Dr. Andreas Häcker
Landesfeuerwehrarzt

Weitere Sofortmaßnahmen sind: Hände und Gesicht gründlich waschen, bevor ins kräftigende Fleischkäsweckle gebissen wird. Die Haare grob reinigen. Mit dem ersten Schluck Wasser sollte der Mund ausgespült und der daher ausgespuckt werden. Das gilt für alle Beteiligten vor Ort. Zurück im Gerätehaus, sollte spätestens eine Möglichkeit vorhanden sein, die Schutzkleidung zu wechseln, Helme und Schuhe mit Wasser zu reinigen. „Alles eine Frage der kostengünstigen Organisation.“

Vor dem Duschen sollten die letzten Hüllen fallen und wie alles andere zur professionellen Wäsche gegeben werden. „Die Möglichkeit, bei der Feuerwehr zu duschen, ist heute unverzichtbar“, so der Fachmann. Ziel ist, so sauber wie möglich in die Umkleide zu kommen. Wobei immer ein Satz Reserveunterwäsche im persönlichen Spind sein sollte.

An diesem Punkt sei die Schadstoffbelastung auf wenige Prozent gesenkt, meint Häcker. Er fordert, dass präventive Hygienemaßnahmen nach einem Brandeinsatz für Feuerwehrdienstvorschriften endlich formuliert werden müssten: „So banal das alles klingen mag, wir müssen Bewusstsein schaffen und für Klarheit sorgen.“ Ein Bänderriss sei schnell repariert, eine Krebserkrankung begleite einen das ganze Leben. Keinesfalls sollte man in den dreckigen Klamotten nach Hause fahren, Partner und womöglich Kind in den Arm nehmen. So würden sich Giftstoffe munter weiter verbreiten. Statt eine Zweitausstattung an Einsatzuniformen anzuschaffen, sei eine Industriewaschmaschine günstiger.

„Eine Krebserkrankung ist sehr vielschichtig und hängt von zahlreichen Faktoren ab“, beruhigt Häcker. Genetik spiele eine Rolle, der persönliche Lebenswandel, das Alter, die Umgebung. Eindeutig lasse sich nichts auf den Feuerwehrdienst zurückführen. Nur die Wahrscheinlichkeit sei eben höher, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen würden. Es sei auffallend, dass Tumore in den Lymphknoten und im urologischen Bereich wie Prostatakrebs zwischen 30 und 50 Prozent häufiger und früher als sonst vorkommen würden. Bei der Ditzinger Wehr seien fünf von 75 Kameraden erkrankt. Eine allgemeine Statistik zum Thema gebe es allerdings nicht.

Kommunen, die für ihre Feuerwehr einen Neubau oder eine Generalsanierung vorhaben, sollten so immer eine Schmutzschleuse mit einplanen, rät der Ditzinger Internist und Notfallmediziner dringend. Das Ziel: Privatklamotten und mit Schadstoffen kontaminierte Einsatzkleidung sollten sich möglichst nicht begegnen. „Leider verfügen weniger als zwei Prozent aller unserer Einrichtungen über so eine saubere Trennung von Schwarz und Weiß, also sauberer und schmutziger Wäsche“, bedauert der Ditzinger Abteilungskommandant Häcker. Das sei ein kreisweites Problem. Die Stadt Ditzingen wird es in ein paar Monaten über die dringend nötige Sanierung und Erweiterung des Feuerwehrhauses für knapp 400 000 Euro gelöst haben. Der Gemeinderat hat kürzlich dazu grünes Licht gegeben (wir berichteten).

Info: Merkblätter zum Thema gibt es demnächst über die Homepage www.feuerwehr-ditzingen.de.

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