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Sommerserie

Gasthaus Cantz in Hessigheim: Auch Stuttgarter kommen gerne

Das Traditionsgasthaus Cantz an der Hessigheimer Gartenstraße mit seinem Saalanbau (ganz rechts).Fotos: Alfred Drossel
Das Traditionsgasthaus Cantz an der Hessigheimer Gartenstraße mit seinem Saalanbau (ganz rechts). Foto: Alfred Drossel

Hessigheim. Vor 133 Jahren ist der aus Heutingsheim stammende Sattler Gottlob Cantz nach Hessigheim gekommen und hat in die gut gehende Wirtschaft mit Küferei hineingeheiratet. Er hat damit die Wirtshaustradition der Familie Cantz in Hessigheim begründet, die bis heute von der Familie fortgeführt wird. Ursprünglich stammt die Familie Cantz aus Nördlingen. Bis ins Jahr 1365 kann der Stammbaum zurückverfolgt werden. Ebenfalls zur Familie gehört der „Wetten dass“-Moderator Guido Cantz. In Hessigheim gab es damals sechs gut gehende Gasthäuser.

Die Wirtsfamilie Cantz.
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Ein Blick ins Gasthaus Post Canz

Gottlob Cantz hat in der Ludwigsburger Eberhardstraße bei seinem Verwandten, dem königlichen Hofmetzger Carl Cantz, Metzger gelernt. Das heute noch bestehende Gasthaus Post Cantz gehörte zur Familie. Gottlob Cantz hatte in Hessigheim neben der Wirtschaft eine Metzgerei eröffnet, die von seinem Sohn Hermann weitergeführt worden war. 1954 hat Karl Cantz zusammen mit seiner Frau Anneliese die Wirtschaft von seinem Vater übernommen. Bis 1989 hat er sie geführt, dann führte Sohn Karl-Hermann den Betrieb weiter. Der gelernte Metzgermeister und Koch schloss die Metzgerei in Hessigheim und baute den Betrieb mit seiner Frau Gerlinde zu seiner heutigen Größe aus.

Das Gasthaus Cantz ist ein echter Familienbetrieb. Sohn Nico arbeitet neben seinem Beruf mit, Tochter Linda ist für den Service zuständig. Unterstützung kommt von Angestellten. Der Senior bietet in seinem das Gasthaus die „gutbürgerliche Küche“ an. Auf der Speisekarte stehen neben Sauerbraten, Rostbraten, Rinderleber und paniertem Schnitzel auch Saure Nierle und Gaisburger Marsch. Die Portionen sind legendär.

Das Gasthaus ist noch im alten Stil eingerichtet. Holzbalken zieren die Decke und Parkett den Boden. Rustikale Möbel und Kronleuchter gehören ebenfalls zur Ausstattung. Verändert worden ist das Erscheinungsbild durch die Coronapandemie. Denn anstatt der 220 Sitzplätze stehen derzeit nur 60 zur Verfügung. „Wir haben uns den neuen Regelungen angepasst“, sagt Karl-Hermann Cantz. Er ist der Meinung, dass die Pandemie die Gastronomie deutlich verändern wird: „Traditionsgasthäuser werden weniger.“ Ohne den Rückhalt und die Mitarbeit der Familie hätten Betriebe keine Zukunft, vermutet Cantz.

Schmuckstück und Treffpunkt in der Gemeinde ist der große Saal der Gaststätte. Der ist einzigartig in Hessigheim. Dort fanden und finden große private Feiern wie Hochzeiten und Jubiläen statt, dort treffen sich Vereine und Feuerwehr zu ihren Versammlungen. Das Gasthaus Cantz ist – neben dem Schreyerhof – das einzige Traditionsgasthaus in der Neckargemeinde. Es ist ein Ausflugslokal für Wanderer, Radler und Autotouristen aus der weiten Umgebung, aber auch aus der Stuttgarter Gegend.

Seit 50 Jahren ist der Pleidelsheimer Heimatdichter Rolf Gerlach Stammgast beim Cantz. Beschrieben hat er dies in seinem schwäbischen Gedicht „Mei Wirtschäftle“: „Wo gibt’s Schnitzel riesagroß, Rostbrata en ra Supersoß? Dr gmischte Brata, der schmeckt fei, ’s derf auch a Jägerbrata sei. Wo duat no d’Wirtin selber bacha, Zwiebelkucha leckre Sacha? Wo krieagsch du no en oigne Wei? Mir fällt do bloß oi Wirtschaft ei. Dort fühl i mi fascht dohoim. beim Cantz em schöna Hessigheim.“

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Rezept: Rinderleber mit Bratkartoffeln

Für zwei Portionen:

400–500 Gramm parierte Rinderleber, in etwa ein Zentimeter dicke Scheiben geschnitten. 600 Gramm festkochende Kartoffeln, zwei Zwiebeln, Salz und Pfeffer.

Vorbereitung:Kartoffeln kochen, schälen und abkühlen lassen. Zwiebeln schälen und in feine Ringe schneiden. Zwiebelscheiben melieren und in einer Pfanne mit heißem Öl goldbraun frittieren. Rinderleber-Scheiben in Mehl wenden und in Butterschmalz bei mittlerer Hitze goldbraun anbraten. Die Leber darf nicht zu lange gebraten werden. Erst nach dem Braten wird die Leber mit Salz und Pfeffer gewürzt und anschließend mit den frittierten Zwiebelringen angerichtet.

Bratkartoffeln: Die gekochten Kartoffeln in drei Millimeter dünne Scheiben schneiden oder hobeln und in Butterschmalz goldbraun anbraten. Je nach Belieben können bei der Hälfte der Bratzeit Zwiebeln dazugegeben und mitgebraten werden. Anschließend die Bratkartoffeln mit Salz und Pfeffer würzen und anrichten.

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