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Gefahr für Insekten: Landesnaturschutzverband fordert naturverträgliche Beleuchtung

Unendlich viele Insekten verlieren jede Nacht ihr Leben, wenn sie unablässig um Straßenleuchten schwärmen. Deshalb fordert der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg (LNV) Kommunen dazu auf, Straßen naturverträglich zu beleuchten. Unsere Zeitung hat nachgefragt, wie insektenfreundlich die Lampen in einzelnen Kommunen des Kreises sind.

Foto: masummerbreak/stock.adobe.com
Foto: masummerbreak/stock.adobe.com

Kreis Ludwigsburg. „Wenn in diesen Wochen Mai- und Junikäfer, Mücken und Nachtfalter ausschwärmen, erleben wir es wieder Nacht für Nacht: Unzählige Insekten kreisen endlos um Straßenlaternen und andere Außenleuchten, bis sie erschöpft verenden oder gar verbrennen“, sagt LNV-Vorstandsmitglied Dr. Eberhard Aldinger. Er fordert daher die Kommunen dazu auf, entsprechend des Landesnaturschutzgesetzes insektenfreundliche Lampen zu verwenden, wenn die Straßenbeleuchtung saniert oder erneuert wird.

„Die Mitarbeiter unseres Bauhofs montieren nur Leuchten, die laut Herstellerangaben als insektenfreundlich eingestuft sind“, sagt Stefan Kegreiß, Erster Beigeordneter der Stadt Freiberg. Von den rund 2500 Lichtanlagen seien bislang rund 750 (etwa 30 Prozent) auf warmweiße LED-Lampen umgerüstet worden. Das geschehe nicht nur in den zwei bis drei Straßen, die pro Jahr im Stadtgebiet saniert werden, sondern darüber hinaus in anderen Straßenzügen. Neben dem wärmeren Lichtton verfügen die Leuchten auch über eine Programmierung. Damit sei neben der Helligkeit auch der Neigungswinkel einzustellen. In erster Linie habe die Straßenbeleuchtung den Zweck, den Verkehrsbereich mit Licht zu versorgen. „Das beißt sich manchmal mit der Insektenfreundlichkeit“, so Kegreiß. Ein weiterer positiver Nebeneffekt der LED-Lampen sei das Einsparpotenzial, denn der Verbrauch in der Stadt liege immerhin bei 800000 Kilowattstunden pro Jahr.

„Wir versuchen es grundsätzlich, die Vorgaben des Landesnaturschutzgesetzes umzusetzen“, sagt Christian Rygol, Fachbereichsleiter städtische Infrastruktur bei der Stadt Remseck. Von den 3600 Leuchtpunkten im Stadtbereich seien bereits über 50 Prozent auf LED umgerüstet worden. Dabei werde auch darauf geachtet, den Straßenbereich punktuell zu beleuchten „und nicht die gesamte Umgebung“.

In Bietigheim-Bissingen haben die Stadtwerke den Großteil der öffentlichen Beleuchtung bereits auf LED umgestellt. „Dies sind rund 90 Prozent“, teilt Ute Grothe von der Unternehmenskommunikation mit. Bei der Planung der Anlagen würden neben Effizienz und wirtschaftlichen Kriterien, wie der Anzahl der Leuchten und die Reduzierung von Lichtimmissionen durch das Dimmen in der Nacht, auch der Schutz von Insekten und die Notwendigkeit der Verkehrssicherung eine Rolle spielen. „Daher werden Leuchten mit optimierter beziehungsweise gerichteter Optik ausgestattet und bei Möglichkeit gedimmt“, so Ute Grothe. Aus Gründen der Verkehrssicherung werden an Straßen Leuchtmittel mit 4000 Kelvin, an besonderen Plätzen mit 3000 Kelvin sowie an Radwegen beispielsweise entlang der Enz in Zukunft mit 2300 Kelvin verwendet.

„Seit wir die Straßenbeleuchtung über Lichtlieferverträge mit Ludwigsburg, Kornwestheim und dem ZweckverbandPattonville betreiben, werden ausschließlich LED-Leuchten beim Neubau, Umbau und beim Austausch von Leuchten verwendet“, teilt Astrid Schulte, Leiterin Unternehmenskommunikation der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB), mit. In Kornwestheim sind beispielsweise von 4167 Leuchten 2206 mit LED-Technik ausgerüstet. Im gesamten Versorgungsgebiet der SWLB kommen Leuchten mit der warmweißen Lichtfarbe 3000 Kelvin zum Einsatz. Sie strahlen außerdem das Licht nach unten. Grundsätzlich seien LED-Leuchten deutlich umweltfreundlicher als die Technik der Entladungslampen. Dies liege hauptsächlich an der deutlich besseren Lichtausbeute je Kilowattstunde. Positiver Nebeneffekt zur Insektenfreundlichkeit: Der Energieverbrauch ist dadurch stark reduziert. „Alle neuen LED-Leuchten besitzen eine sogenannte Halbnachtschaltung“, ergänzt Astrid Schulte. Hierbei werden in verkehrsarmen Zeiten – in der Regel von 23 bis 5 Uhr – die Straßenleuchten reduziert betrieben.

Mit intelligenter Beleuchtung soll die Lichtverschmutzung reduziert werden

Nicht nur Straßenlampen, sondern künstliches Licht im Allgemeinen tragen laut Experten zum großen Teil zum Insektensterben bei. Für nächtliche Lichtverschmutzung sorgen unter anderem auch angestrahlte Gebäude und Radwege, die vor allem tagsüber genutzt werden. Um Rücksicht auf nachtaktive Tierarten – wozu auch Fledermäuse gehören – zu nehmen, haben einige Kommunen im Kreis schon diverse Schritte unternommen oder sind dabei, konkrete Projekte in Angriff zu nehmen.

Laut Peter Spear, Pressesprecher bei der Stadt Ludwigsburg, ist es rechtlich verboten, zwischen 1. April und 30. September ganztägig Fassaden baulicher Anlagen der öffentlichen Hand zu beleuchten. Ausnahmen gebe es hinsichtlich der öffentlichen Sicherheit oder wenn es eine Rechtsvorschrift erfordert. Von 1. Oktober bis 31. März seien diese Vorgaben auf den Zeitraum zwischen 22 und 6 Uhr beschränkt. Am Brunnen am Forum trage die Beleuchtung zur Verkehrssicherung bei, da der Brunnen nahezu bodeneben sei und sich in Fußgängerbereichen befinde. Die Verpflichtung, bis zum Jahr 2030 auf eine insektenfreundliche Beleuchtung umzustellen, bestehe auch in diesem Fall. Beim Marktplatzbrunnen handelt es sich laut Spear nicht um eine Fassade. Hier diene die Beleuchtung nicht der Verkehrssicherung. „Dennoch werden wir intern prüfen, wie mit Sonderbauwerken im öffentlichen Raum in Zukunft umgegangen wird“, teilt Spear mit. Die Stadt Ludwigsburg setze Licht sehr sparsam ein, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten und moderate, städtebauliche Akzente zu setzen.

Wie Unternehmenssprecherin Astrid Schulte mitteilt, investieren die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim vermehrt in intelligente Beleuchtungen, die mit Bewegungssensoren ausgestattet sind. Registrieren die an den Lampen angebrachten Sensoren eine Bewegung, wird die Leuchtkraft automatisch auf das Maximum erhöht und eine Meldung an die jeweils nächsten Lampen gesendet, die daraufhin ebenso die volle Lichtleistung erbringen. Hält sich niemand im Bereich der Straßenlaternen auf, ist die Lichtintensität auf zehn Prozent minimiert, ab 23 Uhr sind die Leuchten aus. Beispiele dafür gibt es in Kornwestheim, im Westrandweg in Pattonville, im Otto-Konz-Weg in Ludwigsburg-Hoheneck, neben der S-Bahn-Trasse in Ludwigsburg-Eglosheim sowie am Fuß- und Radweg zwischen Ludwigsburg-Oßweil und der Oststadt.

Auch in Bietigheim-Bissingen werden Beleuchtungen im öffentlichen Raum nach Möglichkeit gedimmt. Laut Ute Grothe von den Stadtwerken wird beim Radweg am Jugendhaus im Ellental ein Bewegungsmelder eingesetzt, um dort Lichtverschmutzung zu verhindern. Aus Gründen des Insektenschutzes sei zudem die Nachtbeleuchtung des Enzkraftwerks, das bislang im städtischen Lichtkonzept grün ausgeleuchtet war, vollständig ausgeschaltet worden.

In Pleidelsheim befindet sich laut Luna Schnabel von Süwag Energie momentan „ein Musterprojekt adaptiver Beleuchtung im Zuge der Errichtung eines Innovationsparks“ vor der Fertigstellung. Neben umwelt- und insektenfreundlicher Beleuchtung würden dort digitale Elemente zur Smart-City-Steuerung sowie Komponenten der Elektromobilität umgesetzt, die den Kommunen als Anschauungsbeispiele dienen sollen.

Wie Christian Rygol von der Stadt Remseck sagt, wird die Beleuchtung des westlich der Neckarremser Straße verlaufenden Wegs zwischen Hochberg und Neckarrems auf Anregung der SPD-Fraktion nach der Sommerpause auf ein intelligentes System umgerüstet. Ein Bewegungssensor sorge dafür, dass sich die Beleuchtung je nach Bedarf zwischen 23 und 5 Uhr an- und ausschaltet. Wenn sich das „Modellprojekt“, wie es Rygol bezeichnet, bewährt, soll es nach Möglichkeit auch auf anderen Trassen in der Stadt umgesetzt werden. (elf)

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