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Werkzeughersteller

Gemischte Gefühle nach Einigung bei Komet

„Faires Ergebnis“, „Zukunftschance“, „schmerzhafter Kompromiss“: Stimmen zur Lage am Besigheimer Komet-Standort

Die Ceratizit-Gruppe strukturiert das Komet-Werk in Besigheim um: Stellen werden gestrichen, Teile der Produktion ins Ausland verlagert. Andere Bereiche sollen gestärkt werden. Für Beschäftigte, die das Unternehmen verlassen, gibt es Abfindungsmodell
Die Ceratizit-Gruppe strukturiert das Komet-Werk in Besigheim um: Stellen werden gestrichen, Teile der Produktion ins Ausland verlagert. Andere Bereiche sollen gestärkt werden. Für Beschäftigte, die das Unternehmen verlassen, gibt es Abfindungsmodelle. Foto: Alfred Drossel

Besigheim. Wer sich die sogenannte Turboprämie sichern will, muss sich bald entscheiden: Komet-Beschäftigte, die das Unternehmen im Rahmen eines Freiwilligenprogramms verlassen, erhalten bei ihrer Abfindung bessere Konditionen. Das Freiwilligenprogramm läuft bis 31. Mai: Bis zu diesem Tag kann fast jeder Mitarbeiter bei der Personalabteilung beantragen, einen Aufhebungsvertrag abzuschließen und dabei die Turboprämie zu erhalten – 20000 Euro brutto für bis zu 52-Jährige und 25000 Euro für alle, die älter sind. Von der Teilnahme an dem Programm ausgeschlossen sind bestimmte Gruppen wie Befristete, Auszubildende und leitende Angestellte.

Maximal 150.000 Euro

Neben der Prämie gibt es für freiwillige Firmenaussteiger weitere Zuschläge – nämlich für Eltern und schwerbehinderte Menschen (oder solche, die diesen gleichgestellt sind). Die kommen auf die Abfindungssumme obendrauf – die sich wiederum nach dem Bruttomonatsgehalt und danach richtet, wie viele Jahre ein Mitarbeiter in der Firma beschäftigt war. Die Abfindung beträgt (exklusive Turboprämie) maximal 150000 Euro. Für Mitarbeiter ab dem 61. Lebensjahr gelten gesonderte Regelungen, etwa in Form einer Ausgleichsregelung für Rentenabschläge.

Der Werkzeughersteller Komet, der seit 2017 zur Luxemburger Ceratizit-Gruppe gehört, verlagert Teile der Produktion ins Ausland. Bis Jahresende soll etwa die Vollbohrer-Sparte nach Bulgarien verlegt worden sein. Ende März 2022 soll die Härterei geschlossen sein. Am Besigheimer Komet-Standort sollen deshalb Stellen abgebaut werden – die Zahl soll sinken von rund 540 im Januar dieses Jahres auf etwa 400 nach abgeschlossener Umstrukturierung im Spätsommer des kommenden Jahres.

Keine Turboprämie erhält, wer, anders als freiwillige Ausscheider, laut Unternehmen „durch Sozialauswahl“ im September und Dezember dieses Jahres betriebsbedingt gekündigt wird. Diesen Mitarbeitern steht offen, zwischen zwei Optionen (Ausscheidungsvereinbarung oder maximal einjährige Aufnahme in eine Transfergesellschaft) zu wählen – oder keine von beiden, dann wiederum ändern sich die Konditionen der betriebsbedingten Kündigung. Auch im Sozialplanmodell kommen Zuschläge hinzu, etwa für Schichtarbeit.

Parwez Farsan, Sprecher der Komet-Muttergesellschaft Ceratizit, spricht auf Nachfrage von einem „für alle Seiten fairen Ergebnis“, zu dem man „gemeinsam mit dem Betriebsrat“ gekommen sei. Alle Mitarbeiter erhielten in einer Betriebsversammlung Ende April ein Schreiben, in dem die Unternehmensleitung die Konditionen der Abfindungsmodelle erläutert.

„Für Komet ist das Verhandlungsergebnis eine wichtige Grundlage, um mit Blick auf die Herausforderungen der Zukunft in die Erfolgsspur zurückkehren zu können und die etwa 400 am Standort verbleibenden Arbeitsplätze zu sichern“, teilt Farsan mit. „Ceratizit glaubt weiter fest an den Standort Besigheim.“ Komet solle in einem bestimmten Produktbereich Leitwerk bleiben, die Mutter Ceratizit werde Millionen Euro in diesen Bereich, zu dem Trägerwerkzeuge gehören, investieren. So solle Komet in Besigheim auch als Zentrum für die globale Produktentwicklung gestärkt werden.

Laut der Gewerkschaft IG Metall gibt es unter den Komet-Mitarbeitern bislang ein großes Interesse an dem Freiwilligenprogramm. Firmensprecher Farsan gibt zu aktuellen Zahlen keine Auskunft, sagt aber, dass „insbesondere das Freiwilligenprogramm aus unserer Sicht sehr attraktive Konditionen für eine berufliche Neuorientierung“ biete. Das sehe auch die IG Metall so.

Susanne Thomas, Gewerkschaftssekretärin bei der IG Metall Ludwigsburg&Waiblingen, bezeichnet die Einigung bei Komet in der Tat als „Zukunftschance für den Standort“. Im Fokus stehe ein gut dotiertes Freiwilligenprogramm. „Aber“, betont Thomas, „kein noch so gutes Ergebnis“ könne den Verlust des Arbeitsplatzes ausgleichen. „Ein Beschäftigter mit 30 Jahren Betriebszugehörigkeit empfindet den letzten Arbeitstag als Ehrverletzung, das Gefühl ist mit Abfindungen nicht ausgleichbar.“

Hinter jedem Verhandlungsergebnis, bei dem es um Personalabbau gehe, stehe ein „schmerzhafter Kompromiss“, betont Thomas. „Hinter jedem verlorenen Arbeitsplatz steht letzten Endes eine Familie, eine Existenz. Da kann man noch so gut verhandelt haben – dessen ist man sich bewusst, und das schmerzt.“

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