Logo

Kliniken

Gesundheitscampus bleibt Zankapfel

Landrat Rainer Haas setzt die Stadt Marbach unter Druck: Der Gemeinderat soll den Weg frei machen für eine psychosomatische Klinik und ein Pflegehotel auf dem Krankenhausgelände. Doch die Stadt zögert und fordert, dass zunächst Belegklinik und Ärztehaus vom Aufsichtsrat beschlossen werden.

Was entsteht auf dem Marbacher Klinikgelände? Noch gibt es keine Einigung mit der Kliniken-Holding.Archivfoto: Werner Kuhnle
Was entsteht auf dem Marbacher Klinikgelände? Noch gibt es keine Einigung mit der Kliniken-Holding. Foto: Werner Kuhnle

Kreis Ludwigsburg. Eigentlich könnte sich Landrat Haas entspannt zurücklehnen. Ende des Jahres geht der Kreischef in den Ruhestand. Doch zuvor will er noch den Haushalt für das kommende Jahr durchbringen. Darin enthalten: rund 50 Millionen Euro an Investitionen für die Krankenhäuser in Ludwigsburg, Bietigheim und Marbach. Bis Ende des Jahres wird der Schuldenberg des Kreises wegen der Kliniken auf 149 Millionen Euro anwachsen. Der Verwaltungsausschuss hat schon zugestimmt, Rücklagen für die Kliniken in Höhe von zehn Millionen Euro zu bilden. Damit wird eine höhere Kreisumlage abgewendet. Nur, was mit dem Geld in Marbach tatsächlich geschieht, ist bislang unklar. Als das Aus für das Krankenhaus beschlossen wurde, um die Kapazitäten in Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen zu konzentrieren, hatten Haas und die Geschäftsführung der Kliniken-Holding (RKH) den Marbachern einen Gesundheitscampus mit Belegklinik versprochen. Doch der lässt auf sich warten.

350_0900_23960_18_07_18Theiss_10.jpg

„Wir wollen jetzt Klarheit, wie es weitergeht.“

Jan Trost
Bürgermeister Marbach

Nun schwebt Haas vor, ein Seniorenwohnheim und eine psychosomatische Tagesklinik auf dem Gelände zu bauen. Die Investoren stünden in den Startlöchern und drohten abzuspringen, wenn der Gemeinderat nicht grünes Licht für eine Änderung des Bebauungsplanes gebe. Außerdem sei geplant, ein Pflegehotel zu errichten. „Wir verhandeln mit den Kassen, damit ein Teil der Kosten für die Behandlung der Patienten übernommen werden“, verrät der Landrat. Jetzt sei der Gemeinderat gefordert, den Bebauungsplan zu ändern, denn nur medizinische Einrichtungen sind bislang auf dem Areal vorgesehen.

Der Marbacher Bürgermeister Jan Trost und sein Gemeinderat warten mit der Entscheidung. „Wir wollen vorher ein klares Bekenntnis und entsprechende Beschlüsse des Aufsichtsrates für die psychosomatische Klinik und das zweite Ärztehaus“, formuliert Trost die Forderung der Marbacher. Die Belegklinik sollte eigentlich schon 2020 kommen. Das zweite Ärztehaus sei auch deshalb wichtig, weil dort die Endoskopie angesiedelt werden soll. Es gebe schon jetzt lange Wartezeiten bei Magen-Darmuntersuchungen. Marbach und Umgebung würden weiter wachsen, die niedergelassenen Ärzte hätten Erweiterungsbedarf. Die geplante Belegklinik würde wichtige Operationen möglich machen, etwa Knie- oder Hüftoperationen.

„Das sind wichtige Standortfaktoren für uns“ so Trost weiter, der auch darauf verweist, dass man klare Zusagen aus dem Landratsamt erhalten habe. „Die wollen wir eingelöst sehen“, so Trost. Für ihn ist es auch kein Problem, wenn Teile des Gesundheitscampus‘ als Reserveareal für zukünftige Investitionen der RKH vorgehalten werden. Die Kliniken-Holding hatte etliche Grundstücke dort erworben. „Wir können aber jetzt nicht schon für jeden Quadratmeter Pläne vorlegen“, weist Haas entsprechende Forderungen aus Marbach zurück. „Das ist auch nicht nötig“, erwidert Trost. Voraussetzung für eine Änderung des Bebauungsplanes sei aber, dass der Kliniken-Aufsichtsrat jetzt die in Aussicht gestellten Beschlüsse für Belegklinik, Ärztehaus und psychosomatische Klinik fasse.

„Wir sind vollkommen im Zeitplan, wie er im Aufsichtsrat abgesegnet wurde“, hält RKH-Geschäftsführer Jörg Martin dagegen. Marbach erhalte auf jeden Fall seine medizinische Akutversorgung. „Wir wollen das Ärztehaus bauen, dafür müssen wir aber jetzt grünes Licht von Marbach erhalten“, so Martin weiter. Ob dann eine Belegklinik komme „oder eine andere innovative Einrichtung der Kurzzeitpflege“ werde Ende 2020 entschieden. Das rechne sich erst ab 30 Betten. Man sei intensiv auf der Suche nach Belegärzten.

Ob es gelingt, noch in der Amtszeit von Rainer Haas, eine Lösung zu finden? Ein Treffen des Landrats mit Bürgermeister und Gemeinderat aus Marbach ist Anfang Dezember angesetzt. Aber Trost ist auch schon im Gespräch mit den möglichen Nachfolgern des Landrats: Es gab Treffen mit Gerd Maisch (Freie Wähler), Dietmar Allgaier (CDU) und Heiner Pfrommer (parteilos). Bei der LKZ-Podiumsdiskussion zur Landratswahl vergangene Woche legte Allgaier schon ein klares Bekenntnis zu Marbach ab: „Der Stadt wurde etwas versprochen, das muss eingehalten werden.“ Für ihn sei es das erste Thema, das er als Landrat angehen wolle.

Mehr zum Thema in der aktuellen Ausgabe der Ludwigsburger Kreiszeitung, die Sie unter unseren Abo-Angeboten kennenlernen können

Autor: