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Tierquälerei

Gibt es eine heiße Spur im Fall der geköpften Hühner und gequälten Schafe, die in die Enz geworfen worden waren?

Schafe und Lämmer, die auf einem Gartengrundstück auf der „Insel“ gelebt haben, sind gequält und dann in die Enz geworfen worden. Fotos: privat
Schafe und Lämmer, die auf einem Gartengrundstück auf der „Insel“ gelebt haben, sind gequält und dann in die Enz geworfen worden. Foto: privat

Besigheim/Hessigheim. Der Fall der getöteten Tiere in Besigheim, die einem oder mehreren Tierquälern zum Opfer gefallen sind, hat für Aufsehen gesorgt. Jetzt überschlagen sich in den sozialen Medien die Gerüchte, es sei zu Verhaftungen gekommen. „Den in den sozialen Medien thematisierten Ermittlungserfolg können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht bestätigen“, teilt Polizeisprecher Peter Widenhorn auf Nachfrage mit. „Die Ermittlungen werden vorangetrieben. Die Untersuchungsergebnisse der Spurenauswertung liegen noch nicht vor. Sie könnten maßgeblich zur Klärung des Falls beitragen.“

Unbekannte hatten Mitte April auf einem Privatgrundstück auf der sogenannten Enzinsel in der Nähe des Röcker’schen Kraftwerks ein Schaf und insgesamt drei Lämmer gequält. Den Tieren wurden die Beine zusammengebunden, dann wurden sie in der Enz ertränkt. 19 Hühner und einen Hahn hatten die Täter geköpft und ebenfalls in die Enz geworfen. Ein weiterer Fall von Tierquälerei hatte sich vor kurzem in Hessigheim ereignet.

Unbekannte hatten sich Zugang zu einem Gartengrundstück am Neckarufer verschafft und aus einem Gehege acht Hühner, vier Laufenten und zwei Hasen entwendet. Zwei Hühner wurden geköpft und auf ein benachbartes Grundstück geworfen. Anhand der am Tatort aufgefundenen Spuren ist die Polizei davon ausgegangen, dass auch die übrigen Tiere getötet worden waren. Hinweise auf deren Verbleib gibt es bislang keine.

Für Ausehen hatte auch ein Fall von getöteten Hühnern in Sachsenheim gesorgt. Dies habe jedoch „mit großer Wahrscheinlichkeit ein Fuchs zu verantworten“, sagt der Polizeisprecher.

In Bezug auf die Besigheimer Tiertötung soll es in der Nacht auf Samstag zu einem größeren Einsatz mit einem Hubschrauber gekommen sein. Das kursiert zumindest in den sozialen Medien. Dies kann Widenhorn nicht bestätigen. Vielmehr habe es bereits am 28. April einen Einsatz gegeben, weil zwei junge Männer damals in einem Auto unterwegs waren. Der Fahrer war augenscheinlich angetrunken. „Er musste zur Blutentnahme“, erklärt Widenhorn. „Im Fahrzeug fanden sich zwei Messer und diverses Leergut.“ Der Einsatz stehe aber nicht im Zusammenhang mit der Tiertötung in Besigheim. Ob es einen vergleichbaren Fall in den vergangenen Jahren im Kreis Ludwigsburg gegeben habe? „2020 wurden vereinzelt Verstöße vornehmlich im Zusammenhang gegen das Tierschutzgesetz gemeldet“, teilt Widenhorn mit.

Dem stimmt Caren Sprinkart, Sprecherin des Ludwigsburger Landratsamts, zu. Bei den meisten Fällen handle es sich um „Vernachlässigungen von Tieren und sich hieraus ergebende Schäden, Schmerzen oder Leiden bei den Tieren“. Sofern diese schwerwiegend waren, seien diese „auch der Staatsanwaltschaft vorgelegt“ worden. Rund 280 Beschwerden wurden 2019 gemeldet, ein Jahr später waren es 299 und in diesem Jahr gingen bislang 150 Beschwerden beim Veterinäramt ein.

Auch der Deutsche Tierschutzbund in Bonn zeigt sich „entsetzt, dass diese Tiere so leiden und qualvoll sterben mussten“, teilt Hester Pommerening mit. Das abscheuliche Handeln der Täter, offenbar für ein völlig sinnloses, gefühlsbefreites „Vergnügen“, werde „aufs Schärfste verurteilt“. Wer so etwas tue, habe keinerlei Achtung vor dem Leben, sagt Pommerening. „Wir hoffen sehr, dass dieser Fall zur Aufklärung gebracht wird und die Gerichte das Strafmaß – der erschreckenden Brutalität des Falls entsprechend – voll ausreizen.“

Die Tierschutzorganisation Peta und Privatpersonen haben Belohnungen in Höhe von rund 7000 Euro ausgesetzt. Zeugen sollen sich beim Arbeitsbereich Gewerbe und Umwelt des Polizeipräsidiums melden, Telefon (07142) 4050.

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