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Frankenbahn

Go-Ahead muss in die Zwangspause

Nicht nur der Start ist mehr als holprig gewesen. Auch nachdem der private Betreiber Go-Ahead den Regionalverkehr zwischen Stuttgart und Würzburg übernommen hatte, rissen die Klagen der Pendler nicht ab. Jetzt hat das Verkehrsministerium auf die anhaltenden Probleme auf der Frankenbahn reagiert und Go-Ahead ausgebremst.

Der Streit um die Frankenbahn hält an. Archivfoto: Alfred Drossel
Der Streit um die Frankenbahn hält an. Foto: Alfred Drossel

Besigheim. Zahlreiche Zugausfälle und Verspätungen sowie zu wenig Sitzplätze hatten in den vergangenen Monaten Kunden der Frankenbahn immer wieder verärgert. Nun hat das baden-württembergische Verkehrsministerium auf die unverändert schlechte Situation reagiert: Für Go-Ahead, Tochterunternehmen eines britischen Konzerns, geht der Betrieb auf der Frankenbahn zunächst einmal zu Ende.

Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hat angesichts der Unzufriedenheit vieler Fahrgäste die Initiative ergriffen, um so rasch wie möglich wieder Zuverlässigkeit herzustellen. Ziel ist es, dass die Züge verlässlich und pünktlich fahren. „Wir haben seit dem vergangenen Dezember mit dem neuen Verkehrskonzept das Angebot auf der Frankenbahn auf einen Stundentakt verdoppelt, um möglichst viele Fahrgäste zu gewinnen“, teilte Hermann mit. „Das klappt aber nur, wenn die Zuverlässigkeit stimmt. Deshalb haben wir für einen längeren Übergang eine neue Lösung entwickelt. Ich bin sehr froh, dass auch Go-Ahead nun offen zu den Problemen steht und kooperiert.“

Bereits im Januar hatte Hermann den Betreiber Go-Ahead ermahnt, die Qualitätsprobleme zu beheben – offenbar mit mäßigem Erfolg. Nach einem knappen halben Jahr schickt das Land das Bahnunternehmen Go-Ahead auf der Frankenbahn in eine Zwangspause und versucht, den Auftrag für die Linie RE.8 für bis zu zwei Jahre neu zu vergeben.

Seit Dezember des vergangenen Jahres bedient Go-Ahead stündlich den Regionalexpress zwischen Stuttgart und Würzburg, dessen Strecke über Bietigheim, Besigheim, Walheim und Kirchheim führt, während Abellio von Stuttgart nach Heilbronn und weiter nach Osterburken und Mannheim fährt. Jetzt soll vorübergehend ein anderer Betreiber die Frankenbahn bedienen. Das Verkehrsministerium sucht eine Lösung. Derzeit laufe eine Markterkundung zur Übernahme der Verkehrsleistung der Linie RE.8, heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums.

Offensichtlich aber will das Land den Vertrag mit Go-Ahead nicht ganz auflösen. Er soll wohl nur ruhen, während ein anderes Bahnunternehmen nach den Sommerferien für etwa zwei Jahre einspringt. Möglicherweise kommt dann auch die DB Regio wieder zum Zug.

„Mit der Betriebsaufnahme im Juni und Dezember 2019 übernahmen wir die fünf wohl anspruchsvollsten Regionalbahnstrecken in Baden-Württemberg. Verbunden mit der zeitgleich erfolgten Taktverdichtung ist dies eine Herausforderung, der wir uns stellen“, teilte Stefan Krispin, Geschäftsführer von Go-Ahead Deutschland, mit. Nicht ohne Grund habe das Land im März/April 2020 Planungsaufträge zur Frankenbahn und Filstalbahn angekündigt, um die bekannten Schwächen der überlasteten Infrastruktur dieser Strecken zu beheben.

Wie berichtet hatte das Land in den vergangenen Wochen auf einzelnen Go-Ahead-Verbindungen zwischen Stuttgart, Heilbronn und Würzburg zur Verstärkung Doppelstockzüge der DB Regio eingesetzt, um den Verkehr zu stabilisieren: Bis Samstag, 13. Juni, verkehren zwölf Zugleistungen mit einem Doppelstockwagenpark. Der Grund sei, laut Go-Ahead, dass sich während der Sanierung der Schnellfahrstrecke zwischen Mannheim und Stuttgart das Betriebskonzept im Raum Stuttgart-Mannheim-Würzburg grundlegend verändert. Das Verkehrsministerium erwartet während der Sperrung der Schnellfahrstrecke ein deutlich größeres Fahrgastaufkommen auf der Frankenbahn und erhöht deshalb in den besonders nachfragestarken Zeiten die Kapazitäten. Zusätzlich gibt es eine zweite Fahrzeugnachbestellung von Go-Ahead für die Frankenbahn, die zu Beginn der Schnellfahrstreckensperrung noch nicht verfügbar ist.

Stefan Krispin bedauerte, dass Go-Ahead den Anspruch der Fahrgäste seit Dezember noch nicht erfüllt habe. Go-Ahead bilde seit zweieinhalb Jahren Triebfahrzeugführer aus, aktuell laufe der 17. Ausbildungskurs. Dennoch sei es dem Unternehmen aufgrund des strukturellen Personalmangels nicht gelungen, für die Einsatzstelle Lauda den notwendigen Bedarf komplett zu decken. „Vor diesem Hintergrund unterstützen wir das Verkehrsministerium aktiv bei der Sondierung einer Lösung.“ Berichterstattungen der vergangenen Tage über eine Kündigung der Verkehrsverträge „weisen wir jedoch entschieden zurück“.

Nachdem sich die Beschwerden von Pendlern über die Frankenbahn wegen Verspätungen, Ausfällen und übervoller Züge gehäuft hatten, hat das Land sogar eine Entschädigung für Pendler auf mehreren Strecken angekündigt, die von erheblichen Mängeln betroffen waren – dazu zählt auch die Frankenbahn.

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