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Winterschwimmen

Große Gaudi mit ernstem Hintergrund

Mehr als 100 Teilnehmer haben sich beim Winterschwimmen am Sonntag bei Remseck-Neckarrems in die Fluten des Neckars gestürzt.

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113 Teilnehmer stürzen sich johlend ins sechs bis sieben Grad kalte Wasser.Fotos: Holm Wolschendorf
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Remseck. Das Winterschwimmen hat noch gar nicht begonnen, die Gaudi für die Teilnehmer an diesem Sonntagvormittag indes schon. Es ist ein bunter Haufen, der sich da am neuen Neckarstrand bei Neckarrems zu der von der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Ludwigsburg/Remseck versammelt. Viele der insgesamt 113 Teilnehmer tragen zusätzlich zu ihren Neoprenanzügen Verkleidungen, so etwa auch eine Gruppe der Feuerwehr Hoheneck.

Die neun Männer haben Baströckchen und Hühnermützen an. Jedes Jahr denken sie sich eine andere Kostümierung aus, erklärt Sven Jakobsons. Schließlich gehe es vor allem darum, „einfach Gaudi zu haben“. „Dabei sein ist wichtig, ergänzt Marcus Roock, „und ankommen“. Dafür sei schon etwas Fitness nötig bei 3,8 Kilometern, die es bis zum Wasserrettungszentrum Schießtal zurückzulegen gilt. Roock, der in einem pinkfarbenen Hasenkostüm unter den „wilden Hühnern“ der Feuerwehr Hoheneck aus der Reihe tanzt, macht es sich damit zusätzlich schwer. Ob er sich die gesamte Strecke in dem dann mit Wasser voll gesogenen Kunstpelz über Wasser wird halten können?

Stefan Lob, der DLRG-Vorsitzende des Bezirks Ludwigsburg, macht sich da keine Sorgen um Roock. „Er ist ein guter Marathonläufer und Triathlet“, sagt Lob, der Roock auch persönlich kennt. Anderen indes werde man sicherlich helfen müssen. Jedes Jahr gebe es Teilnehmer, die unterwegs aufgeben müssten. Hilfe ist in diesen Fälle schnell zur Stelle. Rund 70 Helfer des DLRG Bezirk Ludwigsburg sowie anderer DLRG-Gruppen, der Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks (THW) sicherten mit Booten auf dem Wasser und am Ufer das Winterschwimmen ab. Zudem seien zwei Notärzte vor Ort.

Neben dem Spaß für die Teilnehmer sei auch diese Zusammenarbeit unter den verschiedenen Hilfsorganisationen ein wichtiger Aspekt der Veranstaltung, erklärt Lob: „Auf diese Weise lernt man sich kennen, und weiß im Ernsteinsatz, was wer leisten kann.“ Dies sei auch die ursprüngliche Idee für das Winterschwimmen gewesen. „Man wollte die Leistungsfähigkeit der Rettungstaucher und Strömungsretter zeigen.“

Inzwischen ist das Winterschwimmen, das in diesem Jahr zum 57. Mal stattfindet, längst mehr als eine Einsatzübung. Es ist eine Attraktion für Erwachsene und Kinder und lockt einige Zuschauer an. Und die Teilnehmer kommen nicht nur aus der Region Stuttgart. Dieses Mal stammt die am weitesten angereiste Gruppe aus Weimar. Keine Frage also, dass Oberbürgermeister Dirk Schönberger dem Event ebenfalls beiwohnt. Man freue sich, dass der Neckarstrand dabei nicht nur Deko sei, sondern die Veranstaltung auch einen ernsten Hintergrund habe, sagt der OB. Schließlich gehe es letztendlich um die Koordination der Rettungskräfte.

Und endlich ist es so weit. Ein letztes Schiff passiert die Strecke. Damit ist nun der Start für das Winterschwimmen frei. OB Schönberger zählt den Countdown herunter: „ . . .drei, zwei, eins“ – und ein donnerndes Ka-Wumm schallt über den Zusammenfluss von Rems und Neckar aus der Kanone, die Gerhard Leibfahrt und Hans-Rainer Trummer vom Infanterie-Regiment Alt-Württemberg Nr. 121 als Startsignal zünden. Johlend stürzen sich die Teilnehmer in das kalte Flusswasser, das an diesem Sonntag nur sechs bis sieben Grad aufs Thermometer bringt.