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Podiumsdiskussion

Große inhaltliche Parallelen

Die LKZ und 250 Gäste fühlen den Bewerbern um die Nachfolge von Rainer Haas in der Musikhalle auf den Zahn

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Die Zuhörer, darunter auc Bürgermeister und Kreisräte, verfolgten in der Musikhalle interessiert die Diskussionsrunde.Fotos: Holm Wolschendorf
Die Zuhörer, darunter auc Bürgermeister und Kreisräte, verfolgten in der Musikhalle interessiert die Diskussionsrunde. Foto: Holm Wolschendorf
Die Landratskandidaten im Gespräch (von links): Dietmar Allgaier, Heiner Pfrommer, Christoph Erdmenger und Gerd Maisch.
Die Landratskandidaten im Gespräch (von links): Dietmar Allgaier, Heiner Pfrommer, Christoph Erdmenger und Gerd Maisch.
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Kreis Ludwigsburg. Dietmar Allgaier (CDU), Christoph Erdmenger (Grüne), Gerd Maisch (Freie Wähler) und Heiner Pfrommer (parteilos) wollen Landrat werden. Am Donnerstagabend stellten sich die vier Kandidaten den Fragen von rund 250 Gästen in der Musikhalle und den beiden Moderatoren, LKZ-Chefredakteurin Ulrike Trampus und Stephan Wolf, dem Leiter unserer Kreisredaktion.

Nach Aufwärmrunde und einem ersten Diskussionsblock zur angespannten Verkehrslage im Landkreis Ludwigsburg stand das Wohnen im Ballungsraum im Fokus. Schon beim Verkehr deuteten sich inhaltliche Parallelen an, so plädierten sämtliche Bewerber für eine Stadtbahn zwischen Markgröningen und Pattonville sowie den weiteren Ausbau des Busverkehrs. Die Diskussion verlief entsprechend harmonisch. Allgaier und Maisch etwa, seit Jahren in Spitzenpositionen im Vaihinger beziehungsweise Kornwestheimer Rathaus tätig, hoben demonstrativ ihre gegenseitige Wertschätzung hervor.

Die Standpunkte ähnelten sich auch beim Thema Wohnen – was den Kreisräten, die den neuen Landrat am 15. November wählen, ihre Entscheidung nicht gerade erleichtern dürfte. Die Kandidaten verwiesen einhellig darauf, dass die Optionen des Landkreises bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum mangels eigener Flächen stark begrenzt sind. Dennoch sprachen sich alle vier Bewerber klar gegen die Gründung einer kreiseigenen Wohnungsbaugesellschaft aus. „Wir haben ja schon die kommunalen Gesellschaften“, sagte Maisch. „Wir würden nur den Kampf um Grundstücke innerhalb der kommunalen Familie anfachen.“

Der Rems-Murr-Kreis etwa hat bereits ein eigenes Unternehmen gegründet. Erdmenger, Leiter der Abteilung Nachhaltige Mobilität im Stuttgarter Verkehrsministerium, bezeichnete diesen Weg als „ungute Lösung“. Zielführender sei eventuell, Bestandswohnungen zu kaufen und in sozialen Wohnraum umzuwandeln.

Im Landkreis gebe es bereits ein gutes Angebot an Genossenschaften und kommunalem Wohnungsbau, betonte Allgaier, als Erster Bürgermeister auch Geschäftsführer der Städtischen Wohnbau Kornwestheim. Um sozialen Wohnungsbau zu fördern, werde er im Fall seiner Wahl umgehend Kontakt mit den jeweiligen Rathauschefs aufnehmen. Bei allen Bemühungen dürften städtebauliche Fehler der 70er Jahre nicht wiederholt werden, meinte Allgaier mit Blick auf Stuttgarter Hochhaussiedlungen wie Freiberg oder Hallschlag.

Auch Pfrommer hob die Rolle der Kommunen hervor, denn die Gemeinderäte könnten in Bebauungsplanverfahren für Neubauprojekte einen gewissen Anteil an sozialem Wohnraum vorschreiben, zum Beispiel 25 Prozent. Zudem forderte der Sozialdezernent der Kreisverwaltung weitere Nachverdichtung, „und an der einen oder anderen Stelle werden wir auch neue Wohngebiete ausweisen müssen“.

Im Blickpunkt stand auch der erwartete Millionenbetrag im dreistelligen Bereich, den der Landkreis in den kommenden Jahren in seine Kliniken investieren muss. Aus Pfrommers Sicht sind diese Investitionen unumgänglich. Er werde sich als Landrat für eine hochwertige medizinische Versorgung in öffentlicher Hand einsetzen. Dazu gehöre auch die Unterstützung von Pflegekräften, etwa durch das Bereitstellen von Mitarbeiterwohnungen.

Auch Allgaier stellte klar, dass es weiterhin eine qualitativ hochwertige Klinikversorgung im Landkreis geben müsse. Dabei sei der Standort Marbach unverzichtbar. Der Landkreis müsse an dem bereits vorliegenden Konzept festhalten, forderte Allgaier, „und zwar in der Form, die man den Marbachern vor etwa zwei Jahren vorgestellt hat“. Digitalisierung, Telemedizin und Kooperationen mit Hausärzten könnten dazu beitragen, die Versorgung auch in abgelegeneren Gebieten des Landkreises aufrechtzuerhalten, sagte Erdmenger.

Gegebenenfalls müssten die massiven Investitionen im Klinikbereich über eine höhere Kreisumlage (derzeit: 27,5 Prozentpunkte) finanziert werden, so Maisch. „Wenn wir dieses Investitionsprogramm mit 30 Prozentpunkten hinkriegen, machen wir’s.“ Es könne aber auch noch teurer werden. Er sei schon lange OB, „ich hatte auch schon mal eine Kreisumlage von 39 Prozentpunkten“.

INfo: Ein Video der Podiumsdiskussion ist auf dem Youtube-Kanal der LKZ zu sehen.

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