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Große Pflugfelder Brücke

Große Pflugfelder Brücke: Stahlkonstruktion wird ersetzt

Abriss und Neubau sollen im Frühjahr 2024 beginnen – Neues Bauwerk aus Beton kostet 30 Millionen Euro

Die Tage der Pflugfelder Bücke sind gezählt. Foto: Holm Wolschendorf
Die Tage der Pflugfelder Bücke sind gezählt. Foto: Holm Wolschendorf
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Kornwestheim –. Die 2020er Jahre werden als das Jahrzehnt des Brückenbaus in die Geschichte Kornwestheims eingehen. Wenn die Gumpenbachbrücke und der Bahndurchlass 2022 fertig sind, steht schon das nächste Großprojekt an: der Neubau der Großen Pflugfelder Brücke. Und das ist noch lange nicht das Ende.

„Die Große Pflugfelder Brücke ist in Ehren ergraut“, meint Kornwestheims Erster Bürgermeister Daniel Güthler. Sie sei ein ingenieurtechnisches Denkmal aus genieteten Stahlträgern, das die Kornwestheimer sicher vermissen würden. Von 1915 bis 1917 wurde sie erbaut. Jetzt ist sie wegen massiver Korrosionsschäden nicht mehr zu retten, muss durch ein neues Bauwerk ersetzt werden. 22,5 Millionen Euro wird das Vorhaben voraussichtlich kosten. Es winken zehn Millionen an Bundeszuschüssen. Vorausgesetzt, der Gemeinderat fällt am 30. September den notwendigen Baubeschluss. Es ist aber davon auszugehen, dass die Räte die Signale auf Grün stellen. Die Alternative wäre, dass die wichtige Ost-West-Verbindung irgendwann ganz gekappt wird.

Zehn Jahre lang haben die Stadtoberen mit sich gehadert, was denn günstiger sei: Sanierung oder Neubau. Immer wieder wurde die Maßnahme auf der Prioritätenliste nach hinten geschoben. Andere Investitionen schienen wichtiger. Weil sich die Schäden an der Brücke im Lauf der Zeit als immer gravierender herausstellten, beantwortet sich die Frage jetzt von selbst: Mit Flickschusterei ist es nicht mehr getan. Eine über Generationen langlebige Lösung soll her. Auch weil es bei einer Sanierung keine Fördermittel gegeben hätte.

Die Bogenbrücke überspannt auf einer Länge von 190 Metern 16 Gleise, von denen neun über eine elektrische Oberleitung verfügen. Sie wird als direkter Weg genutzt von Arbeitnehmern und Erholungssuchenden, die ins Gewerbegebiet und in die freie Natur ins Lange Feld wollen. Aber auch Eisenbahnfans beobachten von auf dieser Breite einzigartigen Perspektive aus den Schienenverkehr. Lastwagen dürfen die Brücke auch nach dem Neubau der Straße nicht benutzen, versichert Güthler. Auch wenn sie eine Tragkraft von 40 Tonnen haben wird.

„Es ist eine Herausforderung nicht nur Radlern, Fußgängern, Autofahrern und dem Busverkehr gerecht zu werden“, betont Oberbürgermeisterin Ursula Keck. Auch die Schrebergärtner bräuchten einen Zugang zu ihren Stückle, die Eisenbahnfreunde zu ihren historischen Fahrzeugen und das Stellwerk des Güterbahnhofs müsse erreichbar sein. Das werde über Zwischenlösungen geregelt.

Auch wenn die Baustelle hauptsächlich von der Schiene aus bedient werden soll, brauchen auch Baufahrzeuge, Zufahrt und Abstellfläche. All das musste in den Planungen berücksichtigt werden. „Ein logistisches Meisterwerk“, lobt Keck.

Es wird zudem eine Operation am offenen Herzen. Denn während der dreijährigen Bauzeit von März 2024 bis Dezember 2027 muss der Zugverkehr weiter rollen. Schon jetzt steht der ausgeklügelte Bauzeitenplan, der nicht viel Spielraum lässt, erklärt Dirk Maisenhölder, der Leiter des Tiefbauamts. Mit gigantischen Kränen werden zunächst von einer Spezialfirma die dann auseinandergesägten Brückenteile aus ihren Pfeilern gehoben und als Sondermüll teuer entsorgt. Allein das kostet knapp fünf Millionen Euro. Im Anschluss werden Fertigbauteile nach dem Prinzip „Lego“ miteinander verbunden.

Eigentlich werden zwei durch einen Damm miteinander verbundenen Bauwerke aus Beton den neuen Bahnübergang bilden. Sie überwinden dabei eine Höhendifferenz von rund sechs Metern.

Die Fahrbahn wird doppelt so breit sein, als bisher. Radfahrer bekommen einen markierten Streifen. Auf der Seite Richtung Stuttgart wird ein südlicher Panoramagehweg für Fußgänger angelegt zum Schauen auf den Eisenbahnbetrieb. Um nicht mit Passanten ins Gehege zu kommen, ist er mit 2,5 Metern Breite geplant. Zusätzlich werden drei Aussichtskanzeln nach beiden Seiten hin gebaut. Auch das ist eine Anregung aus den Reihen des Gemeinderats. Ein 1,80 Meter hoher Berührungsschutz verhindert an gefährlichen Stellen den Kontakt mit den Hochspannungsleitungen. Sonst ist Geländer 1,3 Meter hoch und transparent.

Mit dem Abriss kann frühestens im März 2024 begonnen werden. Spätestens im Dezember 2027 muss das Projekt abgeschlossen sein, denn von 2028 bis 2032 ist die Querung Holzgrund an der Reihe.

Aktuell laufen auch noch Prüfungen an weiteren Brücken und Unterführungen. Die Abfahrt zum Autokino zum Beispiel oder in der Aldinger und Lindenstraße. Auch hier dürfte mit mehr oder weniger großen Ausbesserungsarbeiten zu rechnen sein. Dazu kommen noch zahlreiche Fußgängerstege. Es ist ein Jahrzehnt des Brückenbaus.

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