Logo

Bürgermeisterwahl
Heiße Wahlkampfphase in Markgröningen hat begonnen

Wahlkampf im Coronajahr 2022: Die Markgröninger Bürgermeisterkandidaten (von links) Jens Hübner, Stephan Reh, Matthias Röttgermann und Arndt Zwicker mit Maske in der Stadthalle. Foto: Ramona Theiss
Wahlkampf im Coronajahr 2022: Die Markgröninger Bürgermeisterkandidaten (von links) Jens Hübner, Stephan Reh, Matthias Röttgermann und Arndt Zwicker mit Maske in der Stadthalle. Foto: Ramona Theiss
In Markgröningen treffen die Kandidaten aufeinander, die Langzeitschultes Rudolf Kürner nachfolgen wollen – dabei präsentieren sich auch unterschiedliche Persönlichkeiten.

Markgröningen. Kein Platz ist in der Markgröninger Stadthalle mehr frei – und am Eingang drängeln sich noch weitere Menschen. Die meisten von ihnen kommen nicht mehr in den Saal, also sorgt die Stadtverwaltung dafür, dass das Aufeinandertreffen der Bürgermeisterkandidaten auch auf den Vorplatz übertragen wird. So war es vor 32 Jahren in Markgröningen, als sich Rudolf Kürner zum ersten Mal um den Chefposten im Rathaus bewarb. Jetzt werden am 20. Februar fünf andere Namen auf dem Stimmzettel stehen, denn mit Kürner verabschiedet sich einer der dienstältesten Bürgermeister im Landkreis Ludwigsburg in den Ruhestand.

Knapp 180 Zuschauer sind dabei

Immerhin knapp 180 Neugierige sind dieses Mal am Dienstagabend in der Stadthalle zugelassen. Sie mussten sich vorher anmelden, zwischen ihren Plätzen ist ein Sicherheitsabstand eingebaut, alle tragen FFP2-Masken, als sie die Kandidaten für Kürners Nachfolge in Augenschein nehmen: Die einheimischen GAL-Stadträte Arndt Zwicker und Matthias Röttgermann, den Vorsitzenden des Elternbeirats der örtlichen Landern-Grundschule, Stephan Reh, den Oberriexinger Stadtkämmerer Jens Hübner und Dauerkandidat Ulrich Raisch.

Jeder von ihnen hat 15 Minuten Zeit, um sich zu präsentieren, dann werden Fragen beantwortet – aus dem Auditorium und solche, die im Vorfeld eingereicht werden konnten: Wie die Kandidaten den Verkehr aus dem Eichwald ausbremsen wollen (etwa mit einer strengeren Kontrolle des LKW-Durchfahrtsverbots), ob sie sich Windräder in Markgröningen vorstellen können (wenn dann als Ergänzung zum vorhandenen Energiemix) oder wie sie zu Montagsspaziergängen stehen (nicht schön, aber das Recht auf Versammlungsfreiheit gelte für alle). Es wird auch eine Frage von Röttgermanns Sohn an seinen Vater gezogen.

Nach mehr als zwei Stunden ist klar, dass sich hier fünf sehr unterschiedliche Persönlichkeiten um das höchste Amt in der Stadt bewerben, abgesehen vom Schäferkönig vielleicht.

Der Heimatverbundene

Arndt Zwicker, 52, GAL-Ratsherr und Servicetechniker für Dreh- und Fräsmaschinen, spielt die lokale Karte. „Ich bin schon immer von hier“, ruft er dem Publikum zu. Zwicker ist in Markgröningen aufgewachsen und hat sieben Jahre mit seiner Frau und den drei Töchtern in Unterriexingen gelebt. „Ich kenne die Sorgen und Nöte der Menschen“, sagt er.

Seine Rede hat der Kandidat pfiffig aufgebaut. Den Markgröningern skizziert Zwicker, wie er sich die Stadt in zehn Jahren vorstellt. Der Schäferlauf ist weiterhin ein viertägiges Spektakel, das seine historische Seite stärker hervorkehrt. Mit der Stadtbahn geht es nach Ludwigsburg, eine Vollendung der Nordumfahrung braucht es nicht mehr, für Autos gilt Tempo30, an der Orthopädischen Klinik hat Markgröningen mit Asperg ein Hallenbad gebaut und an der Ziegelei haben sich junge Firmen angesiedelt. Den Markgröningern, ihren Vereinen und Institutionen sagt er einen „Dialog auf Augenhöhe“ zu.

Der Projektmanager

Matthias Röttgermann, 53, GAL-Co-Fraktionschef, promovierter Biologe und Boschler, hebt seine Erfahrungen aus der Industrie hervor. „Ich kann Teams führen und große Budgets verwalten“, sagt Röttgermann. Den Bürgern verspricht er zudem Leidenschaft – und dass die Stadt unter ihm grüner werde. Das will er durch eine integrative Stadtplanung, umweltfreundliche Mobilität und Digitalisierung schaffen.

Röttgermann denkt an Wohngebiete, in denen nicht nur dicht an dicht gebaut wird, sondern auch Platz für Aufenthaltsflächen geschaffen werde. Er will, dass die Menschen gut durch die Stadt kommen, Markgröningen aber nicht zur Durchgangsstadt wird. Tempo40 steht auf seiner Agenda, eine Stadtbahn bis zum Festplatz, bessere Radwege und sichere Schulwege. Dazu kommt ein digitales Rathaus, in dem Führerscheine online angemeldet und Rechnungen online bezahlt werden können. „Ich stehe für Tatkraft und Entschlossenheit“, ruft er dem Publikum zu.

Der Neueinsteiger

Stephan Reh, 52, der Elternbeirat und Fuhrparkleiter eines mittelständischen Unternehmens in Stuttgart, lebt seit sechs Jahren in Markgröningen. Er hat zwei Stofftiere mitgebracht: ein Reh und ein Schaf. Das soll signalisieren: Der Kandidat und Markgröningen – das passt zusammen.

Seine Themen sind Bildung und Betreuung. Erzieherinnen will er mit Benefits wie Fahrradleasing oder per Marketingkampagnen in die Stadt locken. Baulichen Bedarf sieht er an der Landern-Grundschule und der Glemstal-Grundschule in Unterriexingen. Außerdem müssten Schulwege an der Paulinenstraße, Grabenstraße und der neuen Unterriexinger Interimskita entschärft werden.

Darüber hinaus will er neue Firmen in die Stadt holen, die nicht unbedingt produzierend unterwegs sind und so weniger Flächen verbrauchen – aus den Branchen Internet oder Kryptowährung etwa. Für den Marktplatz wünscht er sich einen Weihnachtsmarkt.

Der Verwaltungsexperte

Jens Hübner, 36, Stadtkämmerer in Oberriexingen, Absolvent der Markgröninger Realschule und der Ludwigsburger Hochschule für Verwaltung und Finanzen, ist der einzige Kandidat im Feld, der bereits in Rathäusern gearbeitet hat, neben Oberriexingen auch in Möglingen. Den Markgröningern will er einen „Kaufladen anbieten, der mit Expertise gefüllt ist“.

Für Projekte, die künftig umgesetzt werden, müsste mehr Fördergelder an Land gezogen werden. Die vielen an den Durchgangsstraßen vom Verkehr geplagten Bürger will er entlasten. Hübner geht zudem davon aus, dass die Stadtbahn in seiner ersten Amtszeit Markgröningen erreichen werde, also in den nächsten acht Jahren. Ja sagt Hübner zum interkommunalen Gewerbegebiet bei Bosch in Schwieberdingen. Den Klimawandel und den Umstieg auf die Erneuerbaren will er mit einem eigenen Markgröninger Stadtwerk managen. Hübner: „Dann wären wir Herr über die eigene Infrastruktur.“

Der Unermüdliche

Natürlich ist auch der Stuttgarter Pädagoge Ulrich Raisch, 61, mit von der Partie. In Markgröningen bewirbt er sich zum zweiten Mal um das Bürgermeisteramt, kreisweit ist es nach seiner Rechnung die 59. Kandidatur. Bisher ist Raisch immer abgeschlagen ins Ziel gekommen. In Markgröningen kritisiert der Kandidat die Coronaregeln. Er bedauert es, dass die Zuschauer in der Stadthalle „nicht frei atmen können“, sondern Masken tragen müssten. Er selbst legt ein Attest vor und darf daher den Gesichtsschutz von Zeit zu Zeit abnehmen.

Ein Auge hat Raisch auf die frühere Villa des Politpaars Griesinger geworfen, in der die Stadt einen Kindergarten einrichten will. Der Musiker Raisch schlägt einen Musikkindergarten vor, wie er das in so gut wie jeder Kommune tut. Es wäre der erste im Südwesten.

Info: Die nächste Runde findet am heutigen Donnerstag um 19 Uhr in der Turn- und Festhalle in Unterriexingen statt. Wer dabei sein will, muss sich pandemiebedingt vorher bei der Stadt anmelden.