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Naturschutz

Hilfe für den Herrn der Ringe

Der Steinkauz-Experte Herbert Keil von der FOGE hat sechs Jungtiere in Gerlingen vermessen und beringt. Tatkräftige Unterstützung bei dem Termin gab es von Umweltminister Franz Untersteller und dem Grünen-Abgeordneten Markus Rösler.

Gruppenfoto mit fünf der jungen Steinkäuze bei der Beringung (von links): Markus Rösler, Franz Untersteller und Herbert Keil. Fotos: Andreas Essig
Gruppenfoto mit fünf der jungen Steinkäuze bei der Beringung (von links): Markus Rösler, Franz Untersteller und Herbert Keil. Foto: Andreas Essig
Die Vögel werden nicht nur beringt, sondern unter anderem auch die Schnäbel vermessen.
Die Vögel werden nicht nur beringt, sondern unter anderem auch die Schnäbel vermessen.

Gerlingen. Seit Februar legt Herbert Keil täglich bis zu 150 Kilometer zurück, um den Steinkauznachwuchs im Ländle zu beringen. Dazu löst er mit einem Akkuschrauber die Rückseite der knapp einen Meter langen Niströhre und packt die fedrigen braun-weiß getupften Nestlinge vorsichtig in einen dünnen Stoffsack, um sie dann zu untersuchen, zu vermessen und ihnen einen Ring der Vogelwarte Radolfzell um den Fuß zu befestigen.

Zahlen und Fakten
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Brutpaare leben mittlerweile wieder im Kreis Ludwigsburg, nachdem die Eulenvögel in den 90er Jahren fast ausgestorben waren, damals wurden nur noch acht gezählt. Der Zuwachs ist dem stetigen Einsatz der Forschungsgemeinschaft zur Erhaltung einheimischer Eulen e..V. (FOGE) durch das Anbringen zahlreicher Nisthöhlen sowie deren Pflege und Kontrolle zu verdanken, so Markus Rösler. Das Projekt sei unbedingt notwendig, weil der Mensch etwas von dem, was er durch Versiegelung fruchtbarer Bodenflächen und mit Spritzmitteln zerstört, wiedergutmachen muss. „Ohne menschliche Hilfe läuft da nichts mehr“, sagt auch Herbert Keil. (kre)

Am Dienstag tat er dies zwischen Gerlingen und Leonberg beim Gewann Im Körnle, wo er sich mit Umweltminister Franz Untersteller und Markus Rösler, naturschutzpolitischer Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, traf, um über seine Arbeit zu berichten. „Wir brauchen Erfolgsbeispiele und nicht immer nur die Fünf-vor-zwölf-Rhetorik“, sagt Untersteller, und diese fänden sich im großen Umfang bei den Vogelschutzprojekten. „Das hängt damit zusammen, dass wir gerade in diesem Bereich ein wahnsinns ehrenamtliches Engagement haben.“

Sechs vier Wochen alte Jungvögel findet Keil in Gerlingen, am Morgen waren es drei in Sindelfingen. Mit großen Augen betrachten ihn die Kauzkinder. Er pustet in ihr Federkleid, um zu sehen, ob sie Fett angesetzt haben, er streicht den Bürzel aus und klappt einen Flügel auf, denn anhand der Länge der achten Handschwinge lasse sich das Alter auf den Tag genau bestimmen. Dann zupft er eine Flaumfeder am Bauch heraus und packt sie in ein Tütchen mit der Nummer des Fußringes. Mit ihr lässt sich das Geschlecht bestimmen. All dies wird er später in die Datenbank der Vogelwarte Radolfzell eintragen. Fortan sind die Ornithologen Europas in der Lage, jede Sichtung der schwäbischen Käuze mit vorhandenen Forschungsergebnissen abzugleichen, um weitere wertvolle Erkenntnisse über die Tiere zu gewinnen.

Rösler, der in eine Gerlinger Wengerterfamilie hineingeboren wurde, ist voll in seinem Element. Er packt mit an. Bereits in Kindertagen hätten ihm die Eltern die Schönheit der Natur nahegebracht, erzählt er, als Zivi und als Praktikant arbeitete er als Vogelwart und Leiter internationaler Vogelschutzeinsätze im Norden Deutschlands. Auf seiner Hand sitzt einer der rund 150 Gramm schweren fludrigen Winzlinge und klappt mit dem Schnabel, der nicht gelb, sondern fast grün ist. Rösler klappert zurück, beinahe liebevoll.

Die Vögel nehmen den Trubel gelassen. Drei sitzen bereits in der Kunststoffschüssel auf der Waage, wie hineingegossen, pudrige Knäuel, das unterste auf dem Rücken mit großen runden Augen, der oberste über den Rand hinausäugelnd, alle drei sich sicher wundernd, was hier geschieht.

Der Kauzbaum, an dem sich die Gruppe getroffen hat, ist übrigens ein riesiger Birnbaum, den Rösler auf über hundert Jahre schätzt. Die Nisthöhle ist auf einer Höhe von vier Metern nur mit der Leiter zu erreichen, zum Schutz vor handgreiflichen Spaziergängern.

Die Aktion verläuft ohne Probleme. Doch das ist kein Selbstläufer. Wohl auch deshalb sagt Keil auf die Frage, was er sich für die Zukunft wünscht: „Einen Nachfolger. Ich bin 73 und wollte eigentlich schon im vergangenen Jahr aufhören.“ Da hat ihm Winfried Kretschmann das Bundesverdienstkreuz am Bande zum 30-jährigen Ehrenamtsjubiläum verliehen. Und immer wieder melden sich Doktoranden, Bachelor- und Masterstudenten, um bei ihm für ihre Abschlussarbeiten zu forschen.

So ist eigentlich ans Aufhören gar nicht zu denken, schon gar nicht im Sinne der Eulen. „Denn wenn es Leute wie Sie nicht gäbe“, sagt denn auch Untersteller, „würden meine drei Enkel keine Steinkäuze mehr erleben.“

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