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Impftermine

Hilfsbereitschaft in der Warteschleife

In zahlreichen Kommunen gibt es Hilfe für die ältesten Bürger, um an einen Impftermin zu kommen. Doch kaum irgendwo waren die Mitarbeiter bislang in dem Maße erfolgreich, wie eine Nachfrage besteht.

Immer wieder versuchen städtische Mitarbeiter und Ehrenamtliche, Impftermine via Telefon oder Internet zu buchen – oft vergeblich.Foto: dpa
Immer wieder versuchen städtische Mitarbeiter und Ehrenamtliche, Impftermine via Telefon oder Internet zu buchen – oft vergeblich. Foto: dpa

Kreis Ludwigsburg. Unablässig klingelt am Donnerstagvormittag das Telefon bei Gerlinde Bäßler. Ein Mitstreiter der Corona-Einkaufshilfe von Asperg ruft bei der stellvertretenden Bürgermeisterin an, berichtet von frustrierenden Erlebnissen bei der Terminvergabe für eine Impfung. Zwei Termine seien ihm online auf www.impfterminservice.de als verfügbar angezeigt worden, doch nachdem er alle nötigen Daten eingegeben habe, kam der Hinweis, dass schon andere diese gebucht hätten – alle Arbeit umsonst.

Vor gut einer Woche war den über 80-jährigen Einwohnern der Stadt Hilfe angeboten worden, um einen Termin bei den Kreisimpfzentren in Ludwigsburg zu bekommen. Allein: Für keine der sieben Anfragen war das möglich, stattdessen mussten teils weinende Senioren getröstet werden. Einer 90-Jährigen sei gesagt worden, dass die Warteliste des Deutschen Roten Kreuzes, das den Service kreisweit anbietet und auf der auch sie seit dem Startschuss am Montag stand, wieder gelöscht worden sei. Doch das war eine Falschinformation, konnte die Frau dann beruhigt werden. Alle, die nach DRK-Angaben noch vor der Schließung der Hotline am Dienstagabend auf diese Liste gekommen sind und die mit einem Mitarbeiter gesprochen hatten, für die werde auch ein Termin vereinbart, ohne dass sie nochmals aktiv werden müssen.

Wie die Asperger hängen auch viele Mitarbeiter von Kommunen derzeit buchstäblich in der Warteschleife. In Gerlingen meldeten sich bislang etwa 50 über 80-Jährige bei der Stadtverwaltung, für sie gab es aber ebenso keine Termine. In Marbach haben die ersten Senioren am Wochenende auf den Anrufbeantworter der Hotline gesprochen, am Montag gab es dann „einen regelrechten Ansturm, der erst jetzt so langsam abflaut“, so Stadtsprecherin Andrea von Smercek. Rund 140 Berechtigte hätten sich bislang gemeldet und werden von einem Team der Nachbarschaftshilfe und der Bücherei zurückgerufen, überraschend konnten sie am Donnerstag dann einige wenige Termine ab Mitte Februar ergattern. Auch in Kornwestheim brachte der gestrige Tag die ersten, wenngleich nur einzelne Erfolgserlebnisse – nachdem sich in den ersten 24 Stunden seit dem Start am Montagmittag rund 120 Bürger meldeten, so Fachbereichsleiter Michael Siegel über die Nachfrage für die Aktion („Die Telefone standen nicht still“), für die über 2100 Einwohner angeschrieben worden waren und vorerst drei Mitarbeiter freigestellt wurden. Auch in Korntal-Münchingen, der erste Ort, der das von Ehrenamtlichen initiierte und hauptsächlich getragene Angebot öffentlich machte, war man erfolgreich – aber nur in einem Fall. Dabei haben sich mehr als 100 über 80-Jährige gemeldet, so Marcus Koestler vom Sozialen Dienst.

Einige Termine geschafft – aber vor allem in Stuttgart

Deutlich erfolgreicher war man dagegen in Oberriexingen, wo die Verwaltungsmitarbeiter regelmäßig online neue Versuche starten. Für 22 von 172 berechtigten Einwohnern habe man so die Erst- und Zweitimpftermine vereinbaren können, 18 davon aber am Landesimpfzentrum am Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus – was eine längere Anfahrt bedeutet, die ohnehin ebenfalls schwierig zu organisieren sei. „Das System für einen Krankentransport/Taxifahrt auf Rezept ist einfach für diese Sache viel zu kompliziert und ehrlich gesagt in der Realität bislang absolut unbefriedigend. Hier gibt es absolut dringenden Regelungsbedarf seitens der Politik und der Krankenkassen“, so Bürgermeister Frank Wittendorfer, denn teils hätten seine Mitarbeiter nach der Terminvereinbarung noch wegen der Bescheinigungen beim Hausarzt und der Krankenkasse anrufen müssen. Für Fälle, in denen die Kasse nicht übernimmt, hofft er auf Hilfe seiner Bürger, die die eine oder andere Fahrt übernehmen könnten (Meldung unter wittendorfer@oberriexingen.de oder (07042)90920).

Auch wohl wegen der geringen Erfolgserlebnisse sind manche Kommunen noch in Wartestellung für eigene Hilfsangebote. Bei der Stadt Ludwigsburg treffe man aber bereits Vorbereitungen für eine Sonderrufnummer des Seniorenbüros. „Der Service startet, sobald absehbar ist, dass wieder ausreichend freie Termine verfügbar sind“, sagt eine Sprecherin. So will man das auch in Remseck handhaben, kündigt Oberbürgermeister Dirk Schönberger an – der aber auch ohne entsprechendes Hilfsangebot schon Anfragen und Forderungen erhalten habe, doch sein – nicht vorhandenes – „rotes Telefon“ zu benutzen, um beim Ministerpräsidenten Druck zu machen. „Sobald es wieder Impfstoff gibt, geben wir Vollgas“, verspricht er. Ein „Netz der Hilfe“ soll bis Mitte Februar in Erdmannhausen geknüpft werden. So sei die Aktion „Erdmannhausen hilft“ bereit, Unterstützung bei der Terminierung zu leisten. Als zweite Säule ist angedacht, dass der Krankenpflegeverein Senioren mit dem vereinseigenen Fahrzeug ins Kreisimpfzentrum bringt. „Wir sind bereit, das zu machen“, erklärte SPD-Rat Hans-Georg Götz in dessen Namen unlängst im Verwaltungsausschuss.

Aufgeben will keiner

Allen Kommunen und Ehrenamtlichen aber, die schon Hilfe anbieten, ist eines gemein: Sie wollen sich dennoch nicht entmutigen lassen, behalten sich gar eine Fortführung auch in der zweiten Impfphase vor. Und sagen aktuell: „Wir lassen nicht locker und probieren es immer weiter“, so Michael Siegel. Zumal die meisten Anrufer Verständnis hätten und man ihnen zumindest eine Perspektive aufzeigen könne, so Marcus Koestler. So wie das auch für die 90-Jährige aus Asperg war. „Sie sind ein Engel, jetzt brauche ich keine Taschentücher mehr“, habe die Seniorin gesagt, als sie erfuhr, dass ihr Platz auf der Warteliste gilt. „Das gibt einem immer wieder Mut“, freut sich Gerlinde Bäßler. (jsw/tiwi/AB)

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