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Klettern

Höhenluft an der Wand schnuppern

Klettern in den Bergen – für viele bedeutet das Naturgenuss pur und auch ein bisschen Abenteuer. Doch dazu gehören Fitness und Übung. Ein idealer Ort fürs Üben sind Kletterhallen, wie das Griffwerk im Sportzentrum Ost in Ludwigsburg – für Groß und Klein. Auch nur zum Freizeitvergnügen ohne Bergambitionen.

Trainerin Sonja Baumgärtner führt vor, was beim Bouldern zu beachten ist . . . und mit etwas Geschick und Kraft kann dann sogar gleich beim ersten Mal das Hochklettern gelingen.
Trainerin Sonja Baumgärtner führt vor, was beim Bouldern zu beachten ist... Foto: Holm Wolschendorf
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...und mit etwas Geschick und Kraft kann dann sogar gleich beim ersten Mal das Hochklettern gelingen. Foto: Holm Wolschendorf
Beim Klettern führt ein Partner das Sicherungsseil. Fotos: Holm Wolschendorf
Beim Klettern führt ein Partner das Sicherungsseil. Foto: Holm Wolschendorf
Im neuen Trainingsbereich kann an diversen Griffboards die Fingerkraft oder Beweglichkeit trainiert werden.
Im neuen Trainingsbereich kann an diversen Griffboards die Fingerkraft oder Beweglichkeit trainiert werden. Foto: Holm Wolschendorf
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Am Klettergurt werden die Sicherungskarabiner und das Kletterseil befestigt. Foto: Holm Wolschendorf
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Hans-Dieter Weßbecher Politik-/Wirtschaftsredaktion

„Da soll es raufgehen?“ Was von weitem gar nicht so schwer aussieht, ändert sich schnell, wenn man direkt vor der Wand steht. Den Blick steil nach oben gerichtet zum „Gipfel“ am Ende der Wand in etwa 16 Meter Höhe löst dann doch ein mulmiges Gefühl aus. „Wo soll ich da nur hingreifen bei diesen vielen Griffpunkten, wo mit den Füßen einen sicheren Stand bekommen?“ Trainerin Sonja Baumgärtner lächelt und beruhigt mich: „Nur keine Angst, das ist gar nicht so schwer. Einfach probieren und so weit hochklettern, wie du dich traust.“

Ausgestattet mit Kletterschuhen, Sicherungsgerät und Verschlusskarabiner am Seil bin ich startklar. Die 34-jährige Kletterexpertin zeigt mir, welche Griffe, die je nach Schwierigkeitsgrad eine andere Farbe haben und verschiedene Kletterrouten darstellen, mir den besten Halt geben. Da gibt es beispielsweise sogenannte Henkel, wo man richtig reingreifen kann, oder Leisten, die nur den Fingerspitzen Halt bieten. Ein erstes vorsichtiges Hochtasten zu Beginn. Und auch das Runterkommen mit dem Abstützen durch die Füße an der Wand oder das Fallenlassen wird erst mal geübt. Dann geht es los. Doch von wegen 16 Meter hoch, beim ersten richtigen Versuch ist nach etwa sieben Metern Schluss. An einer anderen, niedrigeren Wand im Schulungsbereich geht es dann immerhin hoch bis zum Ende – auf etwa elf Meter.

Seit Januar 2017 gibt es das Kletterzentrum Griffwerk im Sportzentrum Ost an der Fuchshofstraße 66 in Ludwigsburg. Auf 2900 Quadratmetern erstrecken sich die Kletterflächen an mehreren Kunstwänden: Im Innenbereich sind es 1600 Quadratmeter mit 88 Sicherungslinien und über 200 Routen. Neben der riesigen Hauptwand mit 16 Meter Höhe und 21 Meter Kletterlänge gibt es auch einen Schulungsbereich mit einfacheren Routen, wo die Wände um die zehn Meter hoch sind. Und auch Kinder ab etwa sechs Jahren kommen im Griffwerk auf ihre Kosten, können sich im Kinderkletterbereich auf wenigen Meter Höhe ausprobieren – ob beim Kindergeburtstag oder mit Kinderkursen. Eine Besonderheit und ein Hingucker ist zweifellos die 650 Quadratmeter große Außenkletteranlage mit etwa 60 Kletterrouten, die von Oßweil kommend ein Blickfang am Sportzentrum sind.

„Ganz neu ist unser Trainingsbereich“, erzählt Sonja Baumgärtner, die seit über 15 Jahren diesen Sport ausübt und beim Griffwerk Bereichsleiterin für die Kurse und Veranstaltungen ist. Auf 60 Quadratmetern können sich Kletterer und Boulderer an verschiedenen Griffwänden etwa die Finger lang ziehen oder im Dehnbereich an der Beweglichkeit arbeiten.

Nicht zu vergessen schließlich der Trendsport Bouldern, der im Griffwerk in zwei separaten Räumen (500 Quadratmeter) ausgeübt werden kann. Dabei handelt es sich um das Klettern ohne Sicherung und in Absprunghöhe von bis zu 4,50 Meter. Und: Spezielle Weichbodenmatten verhindern beim Fall einen harten Aufprall. „Hier kann man auch gut alleine klettern“, sagt Sonja Baumgärtner. Für Anfänger sei es wichtig, dass sie „langsam die Trainingsintensität steigern, um Sehnen und Gelenke nicht zu überlasten“. Es ist nämlich ebenso anstrengend, wie in die Höhe zu klettern. Da wird zu meiner Überraschung der ganze Körper gefordert, im Nu schmerzen die Arme, zieht es in den Schultern. Von wegen mehrmals hintereinander auf vier Meter hoch und runter. Da gehen schnell Kraft und Puste aus. Um mit Ausdauer bouldern zu können, sei „schon regelmäßiges Training erforderlich“.

Was beide Kletterarten gemeinsam haben: Es ist für jeden etwas dabei, sowohl für den Routinier als auch für den Einsteiger. Selbst beim Klettern an den hohen Wänden, wozu ein Partner zur Sicherung gebraucht wird. Baumgärtner: „Dabei müssen die Kletterer gar nicht gleich stark sein. Da kann ein Profi auch mit einem Anfänger arbeiten. Für jeden gibt es den passenden Schwierigkeitsgrad. So hat jeder seinen Spaß.“ Und wer regelmäßig zum Griffwerk kommt, wird bald feststellen: die Kletterrouten an den Wänden werden von sogenannten Routenbauern oder auch den Trainern regelmäßig neu verlegt – wozu die entsprechenden Griffe alle ab- und wieder angeschraubt werden. So können die Kletterer immer wieder neue Routen entdecken.

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