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Karriere

Holl kehrt dem Rathaus den Rücken

Der Beilsteiner Bürgermeister übernimmt im Frühjahr einen Spitzenjob beim Gemeindetag Baden-Württemberg

Patrick Holl. Archivfoto: H. Wolschendorf
Patrick Holl. Foto: H. Wolschendorf

Beilstein. Fast auf den Tag genau ein Jahr, nachdem die Beilsteiner ihren Bürgermeister mit 93,7 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt haben, lässt Patrick Holl die Bombe platzen: Im kommenden Frühjahr wird der 38-Jährige Erster Beigeordneter des Gemeindetags Baden-Württemberg. Und Beilstein braucht einen neuen Bürgermeister.

Eine faustdicke Überraschung, auch für den Gemeinderat, den Holl per Videokonferenz am Donnerstagabend informiert. Aber er sei auch auf Verständnis gestoßen, sagt Holl im Gespräch mit unserer Zeitung. Er betont denn auch, dass es sich nicht um eine Entscheidung gegen Beilstein und das Amt des Bürgermeisters handle, sondern um eine Entscheidung für eine neue Aufgabe. „Diese berufliche Chance hat sich eben nun in diesem Zeitfenster ergeben“, so Holl in dem Bewusstsein, dass der Karrieresprung ein Jahr nach seiner Wiederwahl erklärungsbedürftig sei.

Dieses Zeitfenster ergibt sich aus Veränderungen an der Spitze des Gemeindetags: Präsident Roger Kehle geht in den Ruhestand, sein bisheriger Stellvertreter und Beigeordneter Steffen Jäger rückt nach. Patrick Holl nimmt Jägers bisherigen Posten ein und wird ab dem 1. Februar oder dem 1. März 2021 seinen Arbeitsplatz in Stuttgart haben.

Ab wann genau Holl für den Gemeindetag arbeiten wird, steht deshalb noch nicht fest, weil der 38-Jährige jetzt zunächst mit dem Gemeinderat die Modalitäten für die Wahl seines Nachfolgers oder seiner Nachfolgerin klären muss. Weil dabei auch gewisse Fristen eingehalten werden müssen, ist der Zeitpunkt seines Ausscheidens noch nicht genau festgelegt, erläutert Holl. Ihm sei zudem daran gelegen, seine Amtsgeschäfte gut geregelt zu übergeben. Einige größere Projekte seien aufs Gleis gesetzt, etwa das Neubaugebiet Hartäcker oder das Sanierungsgebiet Schmidhausen, „das lässt sich gut fortführen“. Noch ungelöst sei dagegen zum Beispiel die Frage, wo das neue Pflegeheim gebaut werden soll und ob die Stadt die Gebäude der Spätregenmission erwerben will, die im Zuge des Insolvenzverfahrens verkauft werden sollen.

Wird er denn nun vom Gestalter zum Verwalter? Der 38-Jährige überlegt einen Augenblick, verneint dann aber: „Ich werde auch in Zukunft gestalten, aber aus einer anderen Perspektive. Es wird vor allem darum gehen, für die Kommunen in Baden-Württemberg gute Rahmenbedingungen zu schaffen, auch finanzieller Art. Aber Kinderhäuser werde ich natürlich nicht mehr bauen.“

Holl, der 2011 als Kämmerer der Gemeinde Ingersheim das Rennen um die Nachfolge von Günter Henzler in Beilstein gewann, wird mit seiner Familie in der Stadt unterm Langhans wohnen bleiben. Die jüngere seiner beiden Töchter kommt nächstes Jahr aus dem Kindergarten, die ältere wechselt auf die weiterführende Schule: „Wir fühlen uns wohl hier“, erklärt Holl, warum er keinen Grund sieht, dem oberen Bottwartal als Wohnort den Rücken zu kehren.

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