Logo

Tierwohl

Hühnerverkauf aus dem Laster ruft Behörden auf den Plan

Nach einer Verkaufsaktion direkt aus dem Transporter heraus hat Peta einen Geflügelzüchter angezeigt. Beim nächsten Termin am Kaiserstein ist dann auch das Veterinäramt zugegen.

Dicht an dicht sitzt das Geflügel in an- und aufeinandergestapelten Käfigen, bei einem früheren Termin monierte Peta auch Verletzungen. Fotos: Schweizer/privat
Dicht an dicht sitzt das Geflügel in an- und aufeinandergestapelten Käfigen, bei einem früheren Termin monierte Peta auch Verletzungen. Foto: Schweizer/privat
350_0900_33280_peta_huehner_muenchingen.jpg

Korntal-Münchingen. Donnerstagmorgen, kurz vor sieben, am Kaiserstein direkt an der B10. Auf dem Parkplatz steht ein Kleinlaster, viele Hühner-, Enten- und Wachtelköpfe schauen durch die Gitterstäbe heraus, bereit zum Verkauf. Die ersten Besucher sind schon da – allerdings keine Käufer für die Legehennen und Co., sondern zwei Mitarbeiterinnen des Veterinäramts.

Die Behörde kontrolliert Betriebe wie die des Geflügelzüchters – auch wenn solche Fahrten im Allgemeinen kaum noch vorkommen und den Behörden auch nicht bekanntgemacht werden müssen – zwar nicht immer, doch dieses Mal gezielt: Die Tierschutzorganisation Peta hatte das westfälische Unternehmen mit Niederlassung nahe Nürtingen an das Landratsamt Esslingen gemeldet, Anlass war die vorangegangene Verkaufstour ähnlich wie die aktuelle durch den Kreis Ludwigsburg.

Nach dem Termin am 20. Mai habe man Bilder bekommen, die zahlreiche Tiere in übereinandergestapelten Gitterboxen auf einem Transporter zeigen. „In den verdreckten, niedrigen und engen Käfigen sind mehrere Vögel zusammengepfercht, größere Tiere können nicht einmal aufrecht stehen“, teilte Peta nun diese Woche mit und fordert die Einstellung solcher Aktionen. Und an das Esslinger Veterinäramt appelliert die Referentin Lisa Kainz, die Käfiggröße und den Verkauf direkt aus dem Transporter „kritisch zu prüfen – auch in Anbetracht der sommerlichen Temperaturen“. Doch die Esslinger sind, mit Verweis auf den Startpunkt der Lkws vom Hauptsitz aus – gemeint ist wohl die Kfz-Zulassung –, nicht zuständig, man habe die Anzeige aber an die Veterinärbehörden in Paderborn und Ludwigsburg weitergeleitet, heißt es auf LKZ-Anfrage.

Und das bedeutet zunächst viele Fragen für die beiden Vertreter des Züchters. Stichprobenartig zählen die Mitarbeiterinnen des Veterinäramts zudem durch, wie viele Tiere sich in einem Käfig befinden, nehmen am Ende von jeder Art eines heraus, stecken es in eine Box und wiegen das Ganze. Ob mit den Vögeln alles in Ordnung sei und sie auch vorschriftsmäßig transportiert werden? Schließlich geht es in den Käfigen durchaus eng zu, sichtbar auch, als der Fahrer Wasser in die Tröge nachfüllt und nicht alle kleinen Enten gleich rankommen.

Offiziell viel sagen dürften sie nicht, erklärt eine der Frauen. Aber man müsse bedenken, dass die Fahrt teilweise sehr ruckelig sei und die Vögel durch die Enge nicht groß umhergeworfen würden, und auf den ersten Blick sei alles okay. Am Abend kommt dann die Entwarnung aus dem Landratsamt: „Sowohl vor vier Wochen als auch heute wurden keine tierschutzrechtlichen Verstöße festgestellt“, so die Pressestelle über die Kontrollen an beiden Tagen. Weitere Beschwerden über den Betrieb habe es auch nicht gegeben.

Nach rund einer halben Stunde ist die Kontrolle beendet, zwischendrin gab es immer mal wieder einen Verkauf jeweils weniger Tiere an gut eine Handvoll Kunden, zumeist im Seniorenalter. „Bedienen Sie erst mal noch die Frau, dann kann sie mit ihrer unsäglichen Kiste gehen“, kommentierte eine der Veterinärinnen das wohl sehr dicht schließende Behältnis. In dem Moment rollt das Auto einer Elektrofirma auf den Parkplatz, ein Mann springt heraus. „Ich habe nicht vorbestellt, aber habe gerade den Wagen gesehen. Kann ich noch drei Hennen haben?“, fragt er – er kann. 39 Euro kosten sie – „letztes Jahr hat eine noch elf Euro gekostet“, rechnet der Mann nach.

Nun endgültig schließt der Fahrer die Klappe des Kleinlasters. Die Zeit drängt, die nächsten Kunden warten sicher schon, die meisten haben vorbestellt, wissen von dem Termin über Zeitungsanzeigen oder den Newsletter des seit 1962 bestehenden Unternehmens. Am Donnerstagmorgen geht es weiter übers Strohgäu in Richtung Heilbronn – verkauft wird bis zum Mittag, solange es die Hitze zulasse, erklärt der andere Mitarbeiter.

Und der Mensch, würde Peta sagen. Denn die Vorgaben zum Tierschutz sind das eine – Hühner dürfen demnach bis zu zwölf Stunden am Stück ohne Versorgung mit Wasser oder Nahrung befördert werden –, die Nachfrage das andere. Einen Appell hat Kainz deshalb ungeachtet der Prüfergebnisse des Veterinäramts an alle Menschen: auf vegane Lebensweise umzusteigen. „Damit die Horrorfahrten und die Ausbeutung der sensiblen Tiere in Ställen und Schlachthäusern endlich aufhören.“

Autor: