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IG Metall startet im Tarifkonflikt in die Warnstreikphase

Mitarbeiter von Bosch mit Fackeln vor dem Bosch-Werk in Stuttgart-Feuerbach. Foto: Christoph Schmidt/dpa
Mitarbeiter von Bosch mit Fackeln vor dem Bosch-Werk in Stuttgart-Feuerbach. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Stuttgart. Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie im Südwesten will die IG Metall die Arbeitgeber nun mit Warnstreiks zum Einlenken zwingen. Kurz nach Ende der Friedenspflicht startete die IG Metall Stuttgart gestern in die Warnstreikphase.

Den Auftakt machten die Betriebe Bosch und Mahle. Bereits in der Nachtschicht legten laut IG Metall rund 350 Beschäftigte bei Bosch in Feuerbach die Arbeit nieder und unterstützten mit einer Kundgebung und einem Fackelzug am frühen Dienstagmorgen die Forderungen der IG Metall. Danach um 4.30 Uhr sei dann die ganze Schicht nach Hause gegangen, sagte Gewerkschaftssekretär Detlef Schwoon.

Der Schwerpunkt der Warnstreiks lag am späten Vormittag in der Mauserstraße bei Mahle- Behr: Um 11 Uhr versammelten sich nach Angaben der Gewerkschaft über 650 Metaller zu einer öffentlichen Kundgebung vor dem Verwaltungsgebäude von Mahle-Behr.

Bis zum frühen Nachmittag waren es nach Angaben der Gewerkschaft rund 6500 Beschäftigte überall in Baden-Württemberg. „Das war ein gelungener Auftakt, der die Arbeitgeber den Unmut der Beschäftigten spüren lässt“, sagte IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger. „Jetzt bekommt Südwestmetall die Quittung für den Stillstand am Verhandlungstisch“, sagte er. Drei Verhandlungsrunden seit Mitte Dezember haben bislang keine Annäherung gebracht.

Die IG Metall fordert unter anderem vier Prozent mehr Geld – entweder in Form von Lohnsteigerungen oder als zumindest partiellen Ausgleich, wenn ein Betrieb in der Krise die Arbeitszeit reduziert. Südwestmetall lehnt das ab und fordert stattdessen, tarifliche Sonderleistungen zu kürzen.

Der Arbeitgeberverband Südwestmetall verwies auf Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit, von denen nicht wenige um ihren Arbeitsplatz fürchteten, und die Menschen in direkt vom Lockdown betroffenen Branchen, die arbeiten wollten, aber nicht dürften. „Welches Signal sendet die IG Metall da aus, wenn sie ihre sehr gut bezahlten Mitglieder dazu auffordert, für noch mehr Geld die Arbeit niederzulegen?“, hieß es. Man sei gerne bereit, am Verhandlungstisch nach Lösungen zu suchen.

Bis zur nächsten Runde in der kommenden Woche will die IG Metall ihre Warnstreiks aber erst einmal fortsetzen. Am Mittwoch und Donnerstag stünden Aktionen in mehr als 60 Betrieben zwischen Freiburg und Friedrichshafen im Süden und Tauberbischofsheim im Norden auf dem Programm.

Laut IG Metall haben sich bundesweit rund 60000 Beschäftigte an Protesten beteiligt. Schwerpunkt war der Bezirk Niedersachsen/Sachsen-Anhalt mit mehr als 22000 Teilnehmern. Beschäftigte beispielsweise im Bremer Mercedes-Werk, in Hamburg bei Airbus Operations, im Daimler-Werk in Berlin-Marienfelde oder bei Continental im rheinland-pfälzischen Rheinböllen hätten die Arbeit niedergelegt. (dpa/red)