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Biografie

Im Angesicht des Mondsilbers

Der Missionar und Kilimandscharo-Entdecker Johannes Rebmann, geboren in Gerlingen, gestorben in Korntal, wäre am Donnerstag 200 Jahre alt geworden. Welche Spuren hat er hinterlassen?

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Gerlingen/Korntal-Münchingen. Im Frühling des Jahres 1848 bricht der Missionar Johannes Rebmann in Ostafrika zu einer Entdeckungsreise ins Land der Dschagga am Fuß des Kilimandscharos auf. Die Einheimischen erzählen ihm von einem Gebirge, das einen hellen Mondglanz trägt und von Geistern bewohnt ist, die jeden töten, der die Gipfel besteigen will. Es ist der 11. Mai, als Rebmann den höchsten Berg Afrikas, der auf fast 6000 Meter kommt, zum ersten Mal sieht. Da er auch die Schweizer Alpen kennt, ist ihm sofort klar, dass es sich bei dem Mondsilber um Schnee und Gletschereis handelt. „Rebmann hat den Berg selbst nie bestiegen, er ist auch niemals in die kalten Höhenregionen mit Schnee emporgestiegen“, sagt der Landtagsabgeordnete Markus Rösler (Grüne). „Er war aber der erste Europäer, der den Kilimandscharo gesehen und von ihm berichtet hat.“

Im Herbst fertigt Rebmann dann mit den Missionaren Jakob Erhard aus Bönnigheim und Ludwig Krapf aus Derendingen bei Tübingen die offenbar erste Karte des Gebiets rund um den Kilimandscharo an. Für seine Arbeit erhält er später von der „Geographischen Gesellschaft“ in Paris eine Ehrenmedaille. „Englische Fachleute schenkten seinen Schilderungen insbesondere vom Schnee keinen Glauben“, sagt Rösler, „bis die ersten Expeditionen in Schneestürmen aufgaben.“

Seit mehr als 40 Jahren forscht Rösler über Rebmann – er ist sein Ururgroßonkel. Was ihm Rösler voraushat: Der ebenfalls in Gerlingen Geborene hat mehrfach das sagenumwobene Dach Afrikas erklommen. Nach seinem derzeitigen Wissensstand leben mehr als 500 Nachfahren der sieben Rebmann-Geschwister, davon etwa 160 in Gerlingen. Weitere Mitglieder der Rebmann-Familie sind im mittleren Neckarraum zu finden, aber auch in Berlin, in der französischen Schweiz, in Argentinien sowie den USA. Rebmanns Frau Emma bringt ihr einziges Kind am 22. April 1854 in Ostafrika zur Welt. Doch Samuel Rebmann stirbt nur fünf Tage nach der Geburt.

Nach dem Kilimandscharo entdeckt Rebmann auch die großen innerafrikanischen Seen wie den Viktoria-See und zeichnet sie mit seinem Kollegen Erhard auf Karten ein. „Trotzdem war er in erster Linie Missionar und kein Entdecker oder Geograf“, sagt der Nachfahre.

1839 wird er in die Basler Mission aufgenommen, die er laut Rösler zu Fuß erreicht. Fünf Jahre später kommt Rebmann in England in das Haus der Church Missionary Society. Von dort geht es später mit einem Segelschiff nach Mombasa ins heutige Kenia. Rebmann soll dort die Arbeit des Missionars Krapf unterstützen. Das Leben ist hart, beschreibt der Rebmann-Biograf Steven Paas in seinem Werk, das er 2018 in Gerlingen präsentiert. Die Religion der Herrschenden ist der Islam, dazu kommen allerlei Naturabspaltungen. „Rebmann hat sich in einer fast unmöglichen Situation befunden“, sagt Paas. „Sein Leben war von Einsamkeit, Erniedrigung, Entbehrung und Verrat geprägt.“ Doch er habe sich als Berufener gesehen, der die Frohe Botschaft mit anderen teilen will.

Also reist Rebmann ins Landesinnere, das bis dato in Europa völlig unbekannt ist. Sein Credo: Missionsarbeit kann nur erfolgreich sein, wenn er die Sprache der Menschen versteht und spricht. Rebmann lernt laut Rösler mehrere afrikanische Sprachen und übersetzt das Markus-Evangelium in die Kamba-Sprache. Er erstellt Wörterbücher, von denen aber wohl nur das der Kiniassa-Sprache erhalten ist.

Von 1846 bis 1875 verlässt Rebmann den Kontinent fast 30 Jahre lang nicht. „Unter Europäern ist das eine nahezu einmalige Leistung“, sagt Rösler, „da viele andere Missionare, Kaufleute oder Kolonialisten freiwillig früher gingen, ermordet wurden oder an Krankheiten wie Malaria starben.“ Rebmann erblindet allerdings in den 1870er Jahren zusehends. Mit seinem Freund Isaac Nyondo kehrt er fast blind 1875 nach Europa zurück. Nach einer erfolglosen Augenoperation kommt Rebmann nach Gerlingen, er zieht jedoch in die Nachbarkommune Korntal, wo er die Missionarswitwe Luise Däuble heiratet und am 4. Oktober 1876 stirbt. Sein Grab befindet sich auf dem Korntaler Friedhof.

In seiner Heimatstadt wird 2002 die „Johannes-Rebmann-Stiftung“ gegründet. Sie erwirbt sein Geburtshaus an der Kirchstraße, saniert es und richtet hier eine Missionsstube ein, die am 9. Januar 2004 eröffnet wird. Im Rathaus steht eine Büste des Missionars.

Und der Kilimandscharo? Die ersten Menschen, die den Gipfel erreichen, sind der deutsche Forschungsreisende Hans Meyer und der österreichische Alpinist Ludwig Purtscheller. Das Datum: 6. Oktober 1889. Seit 1900 trägt einer der Gletscher Rebmanns Namen. „Beim Aufstieg über die Machame-Route besteigt man den Kilimandscharo direkt neben dem bis zum Kraterrand reichenden Rebmann-Gletscher“, sagt der Nachfahre Rösler. Und seit 1933 existiert am Fuß des Bergs in Kalali ein Rebmann-Gedächtnis-Stein. Urheber sind Gläubige der Leipziger Mission, die seit 1893 in der Region tätig sind.

Info: Anlässlich des 200. Geburtstags von Johannes Rebmann zeigt Sascha Koller im Stadtmuseum Gerlingen am kommenden Sonntag, 19. Januar, um 15 Uhr die Multivisionsshow „Kilimandscharo – vom Traum zum Trekking“. Dazu gibt es Fotos seiner Reisegefährtin Seraina Cuorad. Der Eintritt ist frei

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