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Geschichtsverein

Im Wasserturm lagern alte Schätze

Schön ist er nicht, dafür aber imposant und zweckmäßig. Mit seinen 34 Metern Höhe überragt der Besigheimer Wasserturm die umliegenden Gebäude. Dass sich in seinem Inneren der eine oder andere Schatz befindet, ist ihm nicht anzusehen.

Wie viele Kinder mögen wohl mit diesen Holzhäuschen und dem Elefäntchen gespielt haben? Fotos: Oliver Bürkle
Wie viele Kinder mögen wohl mit diesen Holzhäuschen und dem Elefäntchen gespielt haben? Foto: Oliver Bürkle

Besigheim. Der Weg ist bekanntlich das Ziel. 90 Stufen sind es bis zur obersten Etage des Wasserturms, wo der Geschichtsverein historische Gegenstände lagert. Im Mai 1961 hatte der Besigheimer Gemeinderat den Neubau des Turms für damals 550.000 D-Mark beschlossen. Ende 1963 wurde das Bauwerk im Ingersheimer Feld in Betrieb genommen, vor etwa 18 Jahren wurde die Fassade für 130.000 Euro saniert. „Wir sind froh, dass die Stadt Besigheim uns die Räumlichkeiten in den oberen beiden Etagen zur Verfügung stellt, damit wir die vielen Dinge überhaupt irgendwo lagern können“, betont Hans-Jürgen Groß, Vorsitzender des Geschichtsvereins Besigheim. Auch wenn die Temperaturschwankungen nicht unbedingt zum Wohlbefinden der alten Gegenstände beitragen: „Im Winter kann es hier sehr kalt werden“, erzählt Vereinsmitglied Eberhard Brick. „Im Sommer staut sich die Hitze und es kann bis weit über 30 Grad heiß werden.“

Dokumentation
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Datensätze sind in der Mediathek des Besigheimer Geschichtsvereins erfasst. Darunter befinden sich die Daten von mehr als 3910 Büchern, 1866 Fotos, 154 CDs und 71 DVDs. Die Datensätze sind verschlagwortet zu den Themen Krieg, Verein, Bahn, Weinbau und Flucht oder Flüchtling. Wiederum 1227 Objekte, darunter 226 Brose-Hüte sowie 219 Bilder und Fotos der im Wasserturm gesammelten Kulturgüter, sind bereits mit einem Computerprogramm des Landes Baden-Württemberg erfasst.

Um die Sammlung ordnungsgemäß zu pflegen, zu ordnen, zu inventarisieren und zu archivieren, sucht der Besigheimer Geschichtsverein interessierte Mitarbeiter. Wer etwas ansehen oder ausleihen will, wendet sich vorab an Eberhard Brick, per E-Mail Brick.Ebe@t-online.de, oder telefonisch unter (07143) 801103. (bis)

Nach dem anstrengenden Anstieg bedarf es einer kurzen Verschnaufpause, dann schweift der Blick über die Regale, wo zahlreiche Kisten stehen. In ihrem Inneren lagert der Hut-Nachlass der Ottmarsheimer Handwerkerfamilie Brose. Eine Ausstellung, die 2012 im Besigheimer Rathaus stattgefunden hatte, huldigte der Hutmacherdynastie. Ausgestellt waren die 266 Hüte sowie Hutformen aus Holz, Pappschablonen für unterschiedliche Krempen, speziell geformte Hutmacher-Scheren und Nähmaschinen.

Gerätschaften des Schusters Banzhaf, des Polsterers Stark, des Küfers Durst, Nachlassgegenstände der Maler Stelzig und Duscheck sowie Einzelgegenstände wie die Trommel des Stadtpfeifers von 1820 halten die Erinnerung an die Besigheimer Stadtgeschichte wach. Der Kronleuchter, restauriert und mit der neuesten Elektrik versehen, wartet darauf, an seine ursprüngliche Wirkungsstätte, dem Besigheimer Rathaus, zurückzukommen, ebenso der alte Bürgermeisterstuhl, den „der Verein mit Unterstützung von Kindern aufgemöbelt hat“, sagt Hans-Jürgen Groß.

Ursprünglich hätte das Sammelgut in einem Heimatmuseum im Besigheimer Steinhaus untergebracht werden sollen. „Aus der Idee ist aber nichts geworden“, erzählt Brick, da es sich um Gegenstände handelt, die es schon vielerorts gibt. Das Alleinstellungsmerkmal hat gefehlt. Den „Kruscht“, wie manche die alten Gegenstände und Gerätschaften nennen, zu entsorgen, ist für den Geschichtsverein nie infrage gekommen. „Wir können doch die Dinge, die uns die Leute teilweise anvertraut haben, nicht einfach wegwerfen“, meint Brick und öffnet einen Karton. Darin befinden sich Schachteln mit Kinderspielzeug aus Holz. „Das sind Erinnerungsgegenstände. Wie viele Besigheimer Kinder haben damit wohl gespielt?“

Einem anderen Heimatmuseum die Körbe, Kuchenformen, Krauthobel und die Kaffeemühle als Leihgabe zur Verfügung stellen? Dies sei rechtlich nicht immer so einfach, weiß Hans-Jürgen Groß. So schlummern die Gegenstände – unter ihnen befinden sich auch alte Eichmaße der Stadt Besigheim – weiter in den oberen zwei Etagen des Wasserturms. Sie dort hinaufzutragen, sei Knochenarbeit gewesen, erzählt Groß: „Allein die Hobelbänke, ein voller Setzkasten aus der ehemaligen Druckerei Brett, Maschinen, Regale und Möbel haben viele, viele Kilos gewogen.“

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