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Kunst von Kindern

Im Weinberg lauern freche Monster

„Die Gefühlsmonster sind los“, heißt eine Ausstellung in Kirchheim. Seit dem gestrigen Sonntag hängen Gemälde von zahlreichen Monstern in den Steillagen unterhalb der Weinterrasse am Neckarradweg. Geschaffen wurden sie von 14 Kindern unter der Leitung von Lisa Nollenberger. Sie sollen die Wanderer und Radler auf dem Weg erheitern und zum Nachdenken bringen.

Klaus Brunner und der zweijährige Carl aus Aalen schauen sich die Gefühlsmonster in den Steillagen an (links). Die Monster erfreuen auch Radfahrer (rechts). Fotos: Holm Wolschendorf
Klaus Brunner und der zweijährige Carl aus Aalen schauen sich die Gefühlsmonster in den Steillagen an (links). Die Monster erfreuen auch Radfahrer (rechts). Foto: Holm Wolschendorf
Schlagkräftig: ein rosa Monster mit Hammer.
Schlagkräftig: ein rosa Monster mit Hammer.
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Kirchheim. Die meisten Menschen haben in der Coronapandemie gemischte Gefühle und wissen oft nicht, wo sie sie herauslassen sollen. In Kirchheim hat der Verein Kunst und Kultur (Kukuk) eine Lösung gefunden. Unter der Leitung von Künstlerin Lisa Nollenberger sind zusammen mit 14 Kindern im Frühjahr zehn Gemälde mit je einem Quadratmeter Größe entstanden. Neun von ihnen zeigen sogenannte Gefühlsmonster. Eines ist ein Bild, an dem alle beteiligten Kinder gearbeitet haben. Es wurde „Monsterparty“ getauft.

Die Ausstellung „Die Gefühlsmonster sind los“ in den Steillagen unterhalb der Weinterrasse am Neckarradweg ist die diesjährige Ausgabe von „Kunst im Mai“. Wegen Corona wird es jedoch weder eine Vernissage noch weitere Aktionen geben. Die Grundidee stammt von Lisa Nollenberger selbst. Schon seit einigen Jahren kanalisiert sie mit ihren gemalten Monstern ihren eigenen Gemütszustand. So entstanden auch Rosa, Regina und Roberto, die mittlerweile auf Wein aus Kirchheim in Form von Etiketten zu finden sind. Reproduktionen dieser drei Monster-Darstellungen hängen ebenfalls im Weinberg, allerdings am Rande, um die Arbeit des Nachwuchses nicht zu überdecken.

Drei- bis Neunjährige haben mitgemacht

Kinder im Alter von drei bis neun Jahren wurden von der Kirchheimerin Nollenberger angesprochen, um mitzumachen. „Wir haben die Gefühle vorher mimisch dargestellt und uns im Spiegel angeschaut oder Fotos gemacht“, sagt die gelernte Pädagogin. Danach kannten die Kinder die Marschroute und brachten mit Acrylfarben ihre Kreativität zum Ausdruck. Einige der Bilder sind gemalte Monster. Andere wiederum haben einen Farbklecks als Basis. Danach durften die Kinder festlegen, welche Form das Monster hat und den Klecks dementsprechend anpassen.

Die Aktion hat sich aus vorangegangenen Ausstellungen von Monstern ergeben. „Wir haben sehr viel positives Feedback erhalten“, ließ Winzer Thomas Nollenberger wissen. Gemeinsam mit zwei weiteren Helfern brachte er die Werke am Samstagmorgen in den Steillagen an. Sie sind wetterfest und können daher jeder Witterung trotzen. Sie sollen die Menschen erfreuen, die vorbeilaufen oder radeln. Für alle, die sich auch gern künstlerisch betätigen möchten, gibt es Karsten. Dabei handelt es sich um einen Holzkasten, der unterhalb der Bilder aufgestellt ist. In ihn können Gemälde von weiteren Monstern geworfen werden. „Wir leeren ihn dann regelmäßig, fotografieren die Bilder, die wir darin finden und veröffentlichen sie auf unserer Website“, verspricht Lisa Nollenberger.

Das Jahr hindurch im Weinberg zu sehen

Wie lange die Bilder hängen bleiben, ist noch nicht festgelegt. Der Verein Kukuk ist froh, dass es trotz Corona weiterhin kulturelle Möglichkeiten in Kirchheim gibt. So ist es wahrscheinlich, dass die Gefühlsmonster das ganze Jahr über als bunte Farbkleckse menschlicher Emotionen in den Weinbergen verweilen. Eines ist jedoch sicher. Wenn die Ausstellung zu Ende ist, erhalten die Kinder ihre Kunstwerke zurück. Dafür wird Lisa Nollenberger persönlich sorgen. Immerhin ist durch die kreative Arbeit eine starke Bindung entstanden.

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