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Corona

Impfstart bei Hausärzten verzögert sich leicht

Wie so oft in diesen Tagen war die Hoffnung groß und wurde dann doch wieder enttäuscht: Da sich die Lieferung des Impfstoffs über Ostern verzögert hatte, konnte das Impfen in den Hausarztpraxen nicht wie geplant gestern beginnen.

Die Hausärzte wollen diese Woche impfen, sobald die Impfdosen ankommen .Foto: Christoph Schmidt/dpa
Die Hausärzte wollen diese Woche impfen, sobald die Impfdosen ankommen . Foto: Christoph Schmidt/dpa
Dr. Carola Maitra. Foto: Martin Stollberg/p
Dr. Carola Maitra. Foto: Martin Stollberg/p

Kreis Ludwigsburg. Die Hausarztpraxen im Südwesten wollten mit dem Impfen gegen das Coronavirus loslegen – allerdings fehlte ihnen gestern noch der dazu nötige Impfstoff. Durch die Osterfeiertage verzögere sich die Auslieferung der bestellten Dosen an die Praxen um ein bis zwei Tage, sagte Sprecher Kai Sonntag von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) gestern. Erst heute werde der Impfstoff an die Hausärzte ausgeliefert, erst morgen rechnet die KVBW mit Impfungen bei den Hausärzten in der Breite. Das sei aber von Anfang an erwartet worden, sagte Sonntag. Die Praxen erhielten pro Woche und Arzt aufgrund der noch sehr geringen Liefermengen anfangs 18 Impfdosen. „Das ist natürlich wenig“, sagte Sonntag. „Die Arztpraxen könnten viel mehr machen.“ Er kritisierte, dass der Impfstoff weiterhin bevorzugt an die Impfzentren geliefert werde. Die Praxen bekämen nur, was übrig bleibe – dabei seien sie kostengünstiger und schneller und die Patienten könnten auf die zentrale Terminvergabe verzichten.

Man sei in die Lieferlogistik nicht eingebunden, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Apotheken sowie der dazugehörige pharmazeutische Großhandel belieferten die Arztpraxen, die den Impfstoff selbst bestellten.

Wie viele Hausärzte im Kreis Ludwigsburg in diesen Tagen mit dem Impfen ihrer Patienten beginnen wollen, konnte die Vorsitzende der Ärzteschaft Ludwigsburg, Dr. Carola Maitra, gestern noch nicht sagen. Wann sie angesichts der verzögerten Lieferungen voraussichtlich erste Impftermine anbieten können, war am Nachmittag ebenfalls noch offen. „In Anbetracht des Impfstoffmangels ist es zunächst sinnvoll, mit den Hausärztinnen und Hausärzten zu beginnen, ansonsten können und dürfen alle mitmachen“, sagte die Medizinerin zu Forderungen, auch Fach- und Betriebsärzte einzubeziehen (siehe Zweittext). Den zeitlichen, organisatorischen und räumlichen Aufwand bezeichnete sie ebenso wie den Personalbedarf als hoch. Für die Organisation der Impfungen sollten die Hausärztinnen und Hausärzte in einer eigenen Praxis niedergelassen sein und die Zulieferung des Impfstoffes bei ihrer Apotheke beantragt haben.

Viele treibt gerade die Frage um, ob bei den Hausärzten dieselbe Priorisierung wie in den Impfzentren gilt – oder ob Abweichungen denkbar sind, weil der Hausarzt eventuell besser einschätzen kann, welche Patienten dringender eine Impfung benötigen. „Es gilt exakt die gleiche Priorisierung“, sagte Dr. Carola Maitra dazu. Ein Corona-Impftermin beim Hausarzt kann auf verschiedenen Wegen zustande kommen. Laut der Vorsitzenden der Ärzteschaft hängt das ganz von der Praxis ab – vom Anruf durch den Hausarzt bis hin zum Terminkalender im Internet sei alles möglich.

Auch Dr. Jürgen Herbers von der Hausarztpraxis Pleidelsheim konnte gestern Nachmittag zunächst noch nicht genau sagen, wann es bei ihnen mit dem Impfen losgehen kann. Eine Dreiviertelstunde später schickte er jedoch eine erfreuliche Nachricht hinterher: „Gerade haben wir Impfstoff erhalten. Wir beginnen morgen mit dem Impfen.“

Unterdessen wollen die Kassenärzte in Baden-Württemberg mit einer Petition erreichen, dass die Impfkampagne nahezu vollständig in ihre Hände gelegt wird. Zu Beginn sei es richtig gewesen, die Impfungen auf Zentren zu konzentrieren. Doch dieser Ansatz sei jetzt „nicht mehr vermittelbar“. Die Impfzentren seien „teuer und erfordern einen riesigen Personalaufwand“.

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