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Kirche

Ja zu Fusion trotz Skepsis

Zusammenlegung der Kirchenbezirke Ditzingen und Vaihingen – Diskussion um Pfarrstellen

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Intensiv diskutiert wurde bei der Herbstsynode des Kirchenbezirks Vaihingen.Foto: Alfred Drossel

Vaihingen. Vaihingen Skepsis hinsichtlich einer Fusion mit Ditzingen und „offene Baustellen“ in der Umsetzung der Streichung von Pfarrstellen bestimmten die Herbstsynode im evangelischen Gemeindehaus.

„Wohin steuert die Kirche? Wohin geht der richtige Weg?“ Mit diesen Fragen machte der Vaihinger Dekan Reiner Zeyher gleich eingangs deutlich, dass sich die Herbstsynode des Kirchenbezirks vor grundsätzliche Herausforderungen gestellt sieht: „In einer Zeit, in der sich in unserer Kirche Dinge verändern, die seit Jahrhunderten Gültigkeit hatten“, wie Zeyher betonte.

Schon die Tagesordnung machte deutlich, in welche Richtung der Zug der Zeit auch in Vaihingen gehen dürfte: Die Sondierungsgespräche bezüglich einer Fusion mit dem Nachbarbezirk Ditzingen stand vor der Debatte zum Pfarrplan 2014. Aber in der Hinsicht war ja eh schon klar, dass am Verlust von dreieinhalb Pfarrstellen nicht mehr zu rütteln ist.

In Sachen Fusion lag den Synodalen eine Beschlussvorlage vor, die in Ditzingen einstimmig angenommen worden war. In Vaihingen aber ging das nun alles andere als glatt durch. Zumal hier auch immer wieder betont werden musste, dass Mühlacker als Randbezirk nicht außen vorgelassen werden dürfe. Wie kompliziert die Lage darüber hinaus ist, wurde noch deutlicher, als der Vorschlag, „Richtung Besigheim zu gehen“, aufs Tapet kam. Albrecht Noller, der Vorsitzende der Synode, machte deutlich, dass in dem Fall „Ditzingen in eine innere Randlage“ geraten würde. Als potenzieller Partner bliebe für Ditzingen dann einzig Ludwigsburg – und das hätte, ergänzte Zeyher, „ein ungutes Ungleichgewicht mit unterschiedlich großen Bezirken zur Folge“. Nebst dem Effekt, „dass Marbach als kleiner Bezirk liegenbliebe“. In der „Gesamtschau der Landkarte“ wäre „nur eine Verknüpfung von Besigheim und Marbach sowie von Vaihingen und Ditzingen sinnvoll“.

Eine ganze Reihe von Synodalen gab Zweifeln über den Sinn einer Fusion Ausdruck. In den Gemeinden bestehe „der Eindruck, dass ohne Not etwas losgetreten“ werde, es gehe „doch nur ums Sparen“. Jugendpfarrer Johannes Rau warnte „vor dem Verlust von lokaler Nähe in der Jugendarbeit“ und plädierte „für Kooperationen und den Erhalt der Selbstständigkeit“. Dazu versicherte Noller, „dass das Jugendwerk vor Ort bleibt“, und Zeyher beschwor, dass es angesichts schrumpfender Zahlen bei den Gemeindegliedern „um Handlungsfähigkeit für die Zukunft“ gehe: „Jetzt haben wir das Heft noch selbst in der Hand“. Zudem sei fraglich, ob die 800 000 Euro, mit der die Landeskirche die Fusion unterfüttern würde, „in der nächsten Wahlperiode noch zur Verfügung gestellt würden“.

Einen mehrfach gestreiften, heiklen Punkt berührte Hartmut Nitsche: „Ich habe das Gefühl, dass Fusionsgespräche richtig sind, dass aber etwas fehlt: eine positive Direktive des Oberkirchenrates. Hier laufen die Gremien heiß, und dann heißt es lapidar, dass nicht geht, was wir anpeilen.“

Als die Skepsis Richtung Ablehnung zu kippen schien, mahnte Albrecht Noller: „Wenn wir das heute nicht beschließen, ist der Prozess gestoppt. Das will ich vermeiden.“ Im Übrigen habe „Vaihingen auch eine Verantwortung für Ditzingen, wie bisher schon für Mühlacker“. Schließlich wurde der Beschluss mit 28 Ja- und sechs Nein-Stimmen sowie 14 Enthaltungen angenommen.

Kritisch war auch der Austausch der Positionen hinsichtlich des Pfarrplanes 2024, wo es vor allem bezüglich Sachsenheim Unmut hinsichtlich der Neuverteilung der verbleibenden Kräfte gibt. Etwas Dampf wich aus dem Kessel, als der „Informationscharakter“ der Vorlage betont wurde, dass also noch Änderungen möglich seien. Sauer stieß den Betroffenen auf, dass Nußdorf und Eberdingen unter sich ausmachen sollen, wo die verbleibende Pfarrstelle situiert werden soll. „Dass ist ein Spannungsfeld, das wir aushalten müssen“, stellte der Dekan dazu fest.