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Amphibien

Jähes Ende der Hochzeitsreise

Seine Hochzeitsreise möchte wohl jeder unbeschadet überstehen, das gilt auch für Amphibien, die sich mit steigenden Temperaturen von den Winterquartieren auf die gefährliche Wanderung zu ihren Laichplätzen begeben. Im Baumbachtal allerdings tötete ein Autofahrer auf gesperrter Strecke viele Frösche.

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Walheim. Im Baumbachtal waren unlängst drei Männer in einem silbernen SUV unterwegs, die zahlreichen liebestollen Fröschen und Kröten ein grausames Ende bereitet haben. „Die ignoranten Männer hinterließen ein Massaker auf dem Weg. Fröschen, die ich gerade noch lebend fotografiert hatte, quollen nun die Eingeweide aus dem Maul“, beschreibt der Walheimer Hobbyfotograf Joachim Stiegler das rücksichtslose Verhalten eines Autofahrers, das ihn zugleich wütend und nachdenklich, traurig und zornig gemacht habe.

Der Vorfall ereignete sich auf dem Feldweg im Baumbachtal, den das Ludwigsburger Landratsamt wegen der amphibischen Hochzeitsreisenden zwischen dem Streckenabschnitt Wolfssteinklinge bis zur Markungsgrenze Bönnigheim-Hofen gesperrt hat. Ein Warnschild mit dem Frosch ist ein deutlicher Hinweis auf ein Wandergebiet der Tiere, das eigentlich jeder Autofahrer verstehen müsste. Das Fahrzeug mit drei Männern sei vom Weg ausgeschert und ein Stück über die Wiese gefahren, ist Stiegler zornig über das rücksichtslose Verhalten, „das überschlagen 12 000 Eier und damit einige Dutzend junge Frösche weniger bedeutet“. Der Hobbyfotograf, der sich dem Biotop schon seit Kindertagen verbunden fühlt und das alljährliche Naturspektakel zur Laichzeit beobachtet und fotografiert, will durch dieses negative Erlebnis mehr Bewusstsein für einen behutsamen Umgang mit der Natur schaffen. „Ich finde es unfassbar, dass es Menschen gibt, die aus Spaß Tiere töten oder dies billigend in Kauf nehmen“, sagt er. Joachim Stiegler will verhindern, „dass dieses funktionierende Biotop durch Dummheit, Unachtsamkeit und Ignoranz gefährdet wird“.

Er hat eine Beschreibung des Ereignisses bei Facebook gepostet. Außerdem hat er sich an die Gemeinde und die Naturschutzbehörde im Ludwigsburger Landratsamt gewandt. „Es ging so schnell“, ärgert er sich, dass er das Autokennzeichen nicht nennen kann. „Ohne Kennzeichen können wir in diesem Fall leider nicht tätig werden“, so die Mitteilung des Landratsamts auf Nachfrage unserer Zeitung. Weiter heißt es, dass die Behörde immer wieder Berichte erhalte von rücksichtslosem Verhalten der Auto- und teilweise auch Radfahrer, die Absperrungen umfahren oder diese zur Seite schieben. „Wir können nur immer wieder an die Bevölkerung appellieren, die für die kurze Zeit der Amphibienwanderung angeordneten Sperrungen und Tempolimits zum Schutz der Amphibien und Helfer zu beachten. Nur so kann auf Dauer der Erhalt der Amphibienvorkommen sichergestellt werden“, lautet die Bitte der Kreisbehörde, die auch von Anfeindungen gegenüber ehrenamtlichen Amphibienhelfern erzählt. Walheims Bürgermeister Albrecht Dautel erklärt auf Nachfrage unserer Zeitung, dass abends kontrolliert werde, ob die Absperrungen noch richtig stehen. „Im wöchentlichen Wechsel stellen Erligheim und Walheim einen ehrenamtlichen Helfer, der die Aufgabe übernimmt“, so Dautel, der auch noch eine Woche Dienst schieben wird. Doch es sei natürlich nicht möglich, den Feldweg rund um die Uhr zu kontrollieren.