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Trockenheit

„Jeder Tropfen Regen hilft jetzt“

Nach fünf Wochen ohne Niederschlag zieht jeder Einsatz der Landwirte auf den Äckern riesige Staubfahnen nach sich.Fotos: Holm Wolschendorf
Nach fünf Wochen ohne Niederschlag zieht jeder Einsatz der Landwirte auf den Äckern riesige Staubfahnen nach sich. Foto: Holm Wolschendorf
Mühsam bahnen sich Jungpflanzen ihren Weg durch die knochentrockene obere Bodenschicht. Obstbäume stehen derzeit in voller Blüte, die Hochstämme finden oft noch Wasser.
Mühsam bahnen sich Jungpflanzen ihren Weg durch die knochentrockene obere Bodenschicht. Obstbäume stehen derzeit in voller Blüte, die Hochstämme finden oft noch Wasser.
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Kreis ludwigsburg. Hobbygärtner, die schon seit Wochen gießen und rund um ihre Pflanzen regelmäßig die knochenharte Erde aufhacken müssen, merken es im Kleinen, Land- und Forstwirte im Großen: Die anhaltende Trockenheit macht der Natur mehr und mehr zu schaffen, und es gibt nur einen dringenden Wunsch: Regen! Möglichst ergiebig, möglichst lange.

Doch der so sehnlich erhoffte Landregen ist nicht in Sicht, lediglich punktuell sind am Wochenende Gewitter zu erwarten. Eberhard Zucker, Chef des Bauernverbands Ludwigsburg-Heilbronn, blickt vor allem sorgenvoll auf die Felder mit frisch gesäten Kulturen. „Die oberen zehn Zentimeter der Ackerböden sind ziemlich ausgetrocknet, das beeinträchtigt Zuckerrüben, Sommergerste und Erbsen. Mais wird inzwischen in tiefere Bodenschichten ausgesät, da gibt es vielleicht noch etwas Feuchtigkeit.“ Auch der Winterweizen leidet unter dem starken Wind der vergangenen Tage und den vergleichsweise hohen Temperaturen, „der ist dünner als üblich“, so die Beurteilung des Fachmanns.

Auch wenn es für Prognosen noch deutlich zu früh ist, abschreiben will Zucker die Ernte 2020 nicht. „Wenn Regen kommt, kann das schnell ganz anders aussehen, viele Pflanzen können sich gut regenerieren.“ Bleibt es allerdings zu lange trocken, verlieren sie ihre Keimfähigkeit.

Aber nicht nur die Landwirte im Kreis, die Winterweizen, Sommergerste, Mais und Zuckerrüben anbauen, halten nach dicken Regenwolken Ausschau, auch die Tierhalter. Denn das Grünland, das Futtergrundlage für die Viehhalter ist, sieht laut Zucker „sehr sparsam“ aus, es hat vor allem unter den jüngsten Nachtfrösten gelitten. „Der erste Schnitt wird schlecht“, prophezeit der Vaihinger Landwirt, „und meistens werden es dann der zweite und der dritte auch.“

„Jeder Tropfen Regen würde jetzt helfen“, sagt auch Michael Nill mit einem Seufzen. Er ist der Leiter des Fachbereichs Wald im Landratsamt Ludwigsburg und kennt die Lage auf den insgesamt knapp 13 000 Hektar Wald im Landkreis genau. Vor allem die Situation der mehr als 50 000 Jungpflanzen, die erst in den letzten Wochen in den Boden kamen, geht ihm nach eigenem Bekunden ans Gemüt: „Die brauchen zum Anwachsen viel Feuchtigkeit. Wir haben schon jetzt nennenswerte Ausfälle, das alles ist nicht mehr normal.“

Die Bäume in den Wäldern bringen aus den beiden heißen und trockenen Sommern 2018 und 2019 schon Schäden und Wasserdefizite mit. Der regnerische Februar, der den Grundwasserspiegel deutlich anhob, „hat uns gefreut, und wir haben auf eine Normalisierung gehofft.“ Doch mittlerweile liegen fünf Wochen ohne einen Tropfen Niederschlag hinter dem Landkreis, dazu kommen die für den April sehr hohen Temperaturen und ein starker Wind, der die oberen Bodenschichten zusätzlich austrocknet. „Und gerade die oberen 20 Zentimeter sind wichtig für die jungen Bäume. Die älteren Generationen wurzeln tiefer und kommen da noch eher an Wasser“, so Michael Nill.

Die Waldbrandgefahr liegt im Kreis aktuell bei Stufe 3 von 5, das ist aus Nills Sicht „noch nicht so akut“; Vorsicht sei gleichwohl geboten. Allerdings profitiere der Landkreis in dieser Hinsicht von seinen Mischwaldbeständen. Reine Nadelholzwälder wie es sie beispielsweise in Brandenburg gibt, seien da sehr viel gefährdeter. Auch der Borkenkäfer, der sein zerstörerisches Werk besonders bei warmem Wetter und an bereits geschädigten Bäumen verrichtet, ist für Nadelholzbestände (Stichwort Fichten) noch schlimmer als für Mischwälder.

Für Obstbäume und Beerensträucher ist aus Sicht von Kreisobstbauberater Günter Plonka eine mehrwöchige Trockenperiode im Frühjahr nicht so schlimm wie im Sommer. Allerdings „wird es jetzt so langsam eng“, denn das Niederschlagsplus aus Februar und März habe der April nahezu aufgezehrt. Wie bei den Landwirten und im Forst, so leiden auch bei den Obstbäumen die Jungpflanzen am meisten unter der Trockenheit, „die muss man dringend gießen.“ Für Hochstämme mit einem großen Wurzelbett reiche der Wasservorrat im Boden noch. Klein- und Hobbygärtnern empfiehlt Plonka, vor allem Johannisbeeren, Himbeeren und Stachelbeeren zu bewässern. Aktuell sehe man den Pflanzen den Wassermangel nicht an, „der wird erst sichtbar, wenn der Triebzuwachs fehlt oder die Früchte klein bleiben.“

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