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Recycling
„Jedes Fahrzeug mehr ist schwierig“

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Dass zum Jahreswechsel im Kreis die Mülltrennung umgestellt wird, hat auch Auswirkungen auf die Marbacher Häldenmühle. Die dort tätige Gesellschaft für Wertstoffverwertung will ihre Kapazitäten für Umschlag und zeitweilige Lagerung ausweiten. Die Marbacher Stadträte sorgen sich, dass dann 17 Fahrzeuge mehr am Tag die Straße belasten.

Marbach. Bislang betreibt die private Gesellschaft für Wertstoffverwertung (GWV) auf ihrem Gelände neben dem Gruppenklärwerk Häldenmühle unter anderem Anlagen zur mechanisch-biologischen Behandlung von Abfällen sowie zur zeitweiligen Lagerung und zum Umschlag. Da zum Jahreswechsel wie berichtet im Kreis Ludwigsburg anstatt dem bisherigen „Flach und Rund“ ein neues Wertstofftrennsystem eingeführt wird, will die GWV ihr Angebot entsprechend erweitern und der Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises (AVL) den Standort Marbach als weitere Umschlagstation anbieten. Künftig sollen dort Papier, Leichtverpackungen und Glas zwischengelagert und dann auf größeren Fahrzeugen weitertransportiert werden.

„Das ist eine öffentlich gewidmete Straße, auf der jeder fahren darf.“

Jan Trost
Bürgermeister

Da die geplanten Änderungen aus Immissionsschutzgründen einer Genehmigung bedürfen und die Stadt Marbach zu den beteiligten Parteien gehört, waren die Pläne der GWV nun Thema im Gemeinderatsausschuss für Umwelt und Technik. Zunächst stellte GWV-Geschäftsführer Peter Schaible das Vorhaben des Unternehmens vor, das seinen Hauptsitz in Remseck und vier weitere Standorte im Kreis hat. In Marbach soll das bestehende Wiegegebäude abgerissen und durch einen Neubau ersetzt, die Waage für Fahrzeuge dabei von zwölf auf 18Meter verlängert werden. Die Lagerkapazität für die durch das neue System anfallenden Wertstoffsorten soll von 200 auf 250 Tonnen steigen, der Umschlag nicht gefährlicher Abfälle von den jetzigen 18000 Tonnen auf 42000 Tonnen pro Jahr. Laut Schaible sind allein 4000 Tonnen mehr dadurch bedingt, dass künftig die Hälfte des im Kreis anfallenden Biomülls und damit 17000 Tonnen im Jahr über Marbach laufen sollen. Die Biomüllmenge nehme stetig zu, was dem Ziel der AVL entspreche, diesen besser vom Restmüll zu trennen. Die weiteren 20000 Tonnen pro Jahr entfallen auf die Leerung von Papier, Glas und Gelber Tonne.

„Man sollte keine Probleme herbeireden, die in dem Maße nicht vorhanden sind.“

Jochen Biesinger
CDU-Stadtrat

Grünen-Stadträtin Barbara Eßlinger zeigte sich überrascht vom Zeitpunkt des Antrags, da die Umstellung des Systems bald bevorsteht. Laut Peter Schaible kann diese nach der Genehmigung parallel zum Betrieb erfolgen, lediglich bei der Waage könne es zu einer Unterbrechung kommen. Zudem sei die Umstellung des Systems ja erst im Sommer beschlossen worden, woraufhin die GWV bald den Antrag gestellt habe. Auf Barbara Eßlingers Bedenken, ob das Glas nicht viel Lärm verursache, erklärte er, dass das Abkippen in der Halle erfolge und zudem auch bisher schon Glas angeliefert worden sei. Eine Prognose der Geräuschimmissionen hatte ergeben, dass die zulässigen Werte sogar um sechs Dezibel unterschritten werden.

Für den Verkehr hätte das Vorhaben zur Folge, dass auf der Zufahrtsstraße pro Tag 17 Fahrzeuge mehr unterwegs sind. Bislang verkehren dort rund 124 Fahrzeuge am Tag, von denen über das Jahr gesehen die privaten Anlieferer einen großen Teil ausmachen. Die Beschlussvorlage im Ausschuss sah vor, dass man von der GWV eine Beteiligung an der Instandhaltung der Straße „erwartet“. Doch damit wollte sich vor allem Puls-Stadtrat Hendrik Lüdke nicht zufriedengeben. „Das ist ja gar nichts“, meinte er – und forderte eine Beteiligung von mindestens 50 Prozent, da Straßenschäden vor allem durch das Gewicht von Lkws entstünden.

Bauamtsleiter Dieter Wanner machte jedoch klar, dass auch das Klärwerk, die Landwirtschaft und die Grundstücksbesitzer zum Verkehrsaufkommen beitragen. „Das ist eine öffentlich gewidmete Straße, auf der jeder fahren darf“, so Bürgermeister Jan Trost. Bisher habe man sich immer gütlich geeinigt. Dafür gab der GWV-Geschäftsführer auch für die Zukunft sein Wort, während er in den 50 Prozent auch aufgrund der Länge der Straße ein „völlig unkalkulierbares Risiko“ sah. „Unser Infrastrukturbeitrag heißt Gewerbesteuer“, betonte Peter Schaible.

Doch da am Standort Marbach nur drei der rund 120 Mitarbeiter der GWV tätig sind, fällt diese aus Sicht einiger Stadträte offenbar nicht hoch genug aus. „Sie haben keine Totalverweigerungskommune vor sich, aber Sie erschließen sich damit eine neue Einnahmequelle“, sagte Ernst-Peter Morlock (SPD) und brachte eine Regelung über den Pachtvertrag ins Spiel. Doch der wurde erst langfristig verlängert, Pachterhöhung inklusive. Eine Gewinnbeteiligung würde bedeuten, dass Sie sich auch an Verlusten beteiligen. Ich weiß nicht, ob die Stadt das will“, entgegnete Peter Schaible und machte noch eine andere Rechnung auf. Die AVL habe ihnen den Vertrag für Grüngut gekündigt, der bisher auch die Menge der Kommunen abdeckte. Man rede bei Marbach von rund 200 Tonnen und 10000 Euro. Auch dafür müsse man eine Lösung finden.

In Sachen Verkehr machte Ernst-Peter Morlock auch die Ausfahrt von der Häldenmühle auf die Landesstraße 1100 zwischen Marbach und Murr Sorgen. Sobald die Ampel schalte, bilde sich ein Stau: „Jedes Fahrzeug mehr ist schwierig.“ Doch nach der Auffassung von Jochen Biesinger (CDU) ändert sich die Frequenz der Ampelschaltung dadurch nicht, diese würde ohnehin als Vorsignal ausgelöst: „Man sollte keine Probleme herbeireden, die in dem Maße nicht vorhanden sind.“

„Wir verschließen uns dem Anliegen, die Recyclingquote zu erhöhen, grundsätzlich nicht“, so Martin Mistele (Freie Wähler). „Es ist aber unbefriedigend, dass das so schwammig gelöst wird“, kam er wieder auf die Kosten für die Instandhaltung der Straße zurück. Am Ende stimmte das Gremium mehrheitlich für die von Hendrik Lüdke vorgeschlagene Variante, dass eine Beteiligung daran nicht „erwartet“, sondern „vorausgesetzt“ wird.