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Gesellschaft

Kampf um Schlosspark des HLG

In Markgröningen wollen Senioren den Schlosspark des Helene-Lange-Gymnasiums mitbenutzen – doch der Schulverband stellt sich quer. Warum?

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Schlosspark des Helene-Lange-Gymnasiums in Markgröningen: Senioren aus der Stadt haben einen neuen Versuch gestartet, das Areal öffentlich zugänglich zu machen. Foto: Ramona Theiss

Markgröningen. Das Helene-Lange-Gymnasium (HLG) in Markgröningen war einst eine Reichsburg und später ein württembergisches Residenzschloss mit einem schönen, großen Park. Erst vor knapp 30 Jahren wurde die Schule in einen Verband überführt, dem der Kreis und die Stadt Markgröningen angehören. Heute lernen auf dem Areal rund 350 Schüler aus Markgröningen und etlichen weiteren Kommunen des Kreises. Ihr Schwerpunkt: Kunst und Musik. Während der Pausen können sich die Schüler in dem eigenen Park aufhalten, der auch als Open-Air-Klassenzimmer für den Biounterricht dient.

Doch der Schlosspark hat in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Begehrlichkeiten bei anderen Markgröninger Gruppen geweckt. Zuletzt richtete der Seniorenrat im Sommer eine Bitte an den HLG-Schulleiter Bernhard Kniep. Der Inhalt: den Schlosspark auch für Senioren zu öffnen. „Es gibt in Markgröningen wenig öffentliche Orte für Senioren, an denen sie ausspannen können“, sagt der stellvertretende Seniorenratsvorsitzende Helmut Lang. Er hat gut 3600 Markgröninger Bürger im Rücken, die älter als 60 Jahre alt sind und rund 25 Prozent der Stadtbevölkerung stellen. Lang: „Diese Menschen wünschen sich einen Park.“

Allerdings ist der Seniorenrat, der seit zwei Jahren aktiv ist, mit der HLG-Spitze auf keinen gemeinsamen Nenner gekommen. „Es gibt Dinge, die nicht so einfach am grünen Tisch zu realisieren sind“, sagt der Schulleiter Kniep unserer Zeitung. Er zeigt sich zudem verwundert, dass das Thema wieder aufploppt. „Ich dachte, dass es sich nach unserem Treffen erledigt hätte.“

Doch warum wehrt sich die Schule nach Kräften, den Schlosspark zu öffnen? Details will Kniep nicht in der Öffentlichkeit ausbreiten. Nach Informationen unserer Zeitung fürchtet sich der Schulleiter vor Vandalismus, selbst wenn der Park nur kurzzeitig ohne Kontrolle geöffnet würde. Erschwerend kommt hinzu, dass der Hausmeister die Überwachung nicht mehr lückenlos gewährleisten könne, weil er nicht mehr in Schulnähe wohne.

Rechtlich betrachtet gehört das Gymnasium (und der schöne, große Schlosspark) dem Schulverband des Helene-Lange-Gymnasiums. Mitglieder sind der Landkreis und die Stadt Markgröningen. Der Verbandsvorsitzende: Landrat Rainer Haas. Im Dezember treffen sich die Protagonisten wohl zur nächsten Verbandsversammlung. Doch von Haas haben die Befürworter einer Parköffnung nicht viel zu erwarten. Der Landrat und der Markgröninger Bürgermeister Rudolf Kürner schmetterten schon vor 20 Jahren Versuche des Freien Wählers Werner Fendrich ab, die Anlage zu öffnen – mit tatkräftiger Unterstützung des damaligen Schulleiters und Religionslehrers Peter Kleefass. „Wir müssen die Schöpfung im Allgemeinen bewahren und dürfen sie nicht der Gefahr der Verwahrlosung aussetzen“, so der Pädagoge damals.

Für die Markgröninger Senioren zeichnet sich derweil eine Alternative ab – auf dem Gelände der alten Ziegelei, das die Stadt in den kommenden Jahren umbauen will. Der Schlosspark gerät damit nicht aus dem Visier. Der Seniorenrat Lang: „Das Thema ist aufgeschoben, nicht aufgehoben.“