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Bürgermeisterwahl

Kandidaten verzweifelt gesucht

Vier Wochen vor Ablauf der Bewerbungsfrist gibt es lediglich einen Bewerber – Kommunalpolitiker ratlos

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Foto: Andreas Becker

erdmannhausen. Wer wird Bürgermeister in Erdmannhausen? Bislang hat nur Marc Fuchs aus Kleinbottwar seine Bewerbung abgegeben und acht Wochen vor der Wahl am 15. März hoffen die Kommunalpolitiker, dass sich das Bewerberfeld noch vergrößert.

„Der künftige Bürgermeister muss nicht unbedingt im Ort wohnen.“

Horst Stegmaier
CDU-Poliitker

Die Gemeinde hat eine gute Infrastruktur und eine künftige Bürgermeisterin beziehungsweise ein künftiger Bürgermeister hätte durchaus honorige Aufgaben vor sich. Denn in die Amtszeit des oder der Neuen fallen Einweihungen und Eröffnungen. Die Schulturnhalle und das Kinderhaus Zwergenland stehen vor der Fertigstellung und auch sonst wurde in der achtjährigen Amtszeit von Bürgermeisterin Birgit Hannemann viel bewegt.

Sie hatte vergangenes Jahr mitgeteilt, dass sie nicht mehr kandidiert. Für sie war es ein schwerer Schritt, sie wollte aber mit ihren Kindern kein Leben mehr auf dem Präsentierteller führen.

Ist es gerade das, was vor allem Bewerberinnen abschreckt? Der CDU-Kreisrat und frühere Gemeinderat Horst Stegmaier, der Hannemann einst als Konkurrentin für den umstrittenen Bürgermeister Lutz Schwaigert nach Erdmannhausen geholt und damit einen Coup gelandet hatte, führt derzeit viele Gespräche, er sondiert die Lage, pflegt Kontakte und ist weitgehend ernüchtert. „Es gibt noch nichts Konkretes“, sagt Stegmaier gegenüber unserer Zeitung.

Er weiß, dass möglichen Kandidaten die Zeit davonläuft. Zwar können noch bis zum 17. Februar um 18 Uhr Bewerbungen abgegeben werden, doch laut Stegmaier sollte man zeitig in den Wahlkampf einsteigen. So habe sich Birgit Hannemann vor acht Jahren am 8. Januar bei der Hauptversammlung der Feuerwehr erstmals öffentlich vorgestellt.

In seinen Gesprächen hat Stegmaier erfahren, dass gerade Absolventinnen der als Bürgermeisterschmiede geltenden Hochschule für öffentliche Verwaltung in Ludwigsburg wegen der mangelnden Vereinbarkeit von Beruf und Familie lieber in der zweiten Reihe bleiben würden, statt an der Spitze einer Verwaltung zu stehen. Die Erwartungshaltung der Bevölkerung sei eben groß, für manche wohl zu groß.

Stegmaier plädiert deshalb dafür, nicht zu viel zu wollen und auch mal mit einem ehernen Gesetz zu brechen. „Der künftige Bürgermeister muss nicht unbedingt im Ort wohnen“, sagt Stegmaier. Was er vor allem als wichtig erachtet: dass ein Verwaltungsprofi auf dem Chefsessel im Rathaus Platz nimmt.

Das sieht auch der SPD-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat, Hans-Georg Götz so. „Die Bürgermeisterkandidaten fallen nicht mehr vom Himmel“, meint Götz. Die hohe Arbeitsbelastung und die Berichte über Beleidigungen und Beschimpfungen in den sozialen Netzwerken würden den Beruf auch nicht unbedingt attraktiver machen. Für Götz ist klar: Die Bürger sollten eine Auswahl haben und das sei bislang nicht gegeben.

Wie berichtet, beackert der bislang einzige Kandidat, der 33-jährige Marc Fuchs aus Kleinbottwar, das Feld schon seit Mitte November. Er kam bereits einen Monat, bevor die Stelle offiziell ausgeschrieben wurde, aus den Startlöchern und ist seitdem im Wahlkampfmodus. Der gelernte Sozialversicherungsfachangestellte mit Weiterbildung zum Master of Business, Training und Coaching, der als selbstständiger Berater tätig ist, hat sich auch schon in den Gemeinderatsfraktionen vorgestellt.

Bei den Freien Wählern gilt folgende Linie: „Wir werden Marc Fuchs nicht unterstützen, das haben wir ihm auch schon persönlich mitgeteilt“, macht der FWV-Fraktionsvorsitzende Matthias Rogel deutlich. Bei den Freien Wählern steht ebenfalls eine Fachfrau oder ein Fachmann mit Verwaltungserfahrung ganz oben auf der Wunschliste. Betriebswirtschaftliche Kenntnisse wären außerdem gut, sagt Matthias Rogel.

„Eigentlich dachten wir, dass sich nach Neujahr jemand meldet“, meint der CDU-Fraktionsvorsitzende Rainer Kleinknecht. Er wundert sich ebenfalls, dass noch kein weiterer Aspirant aus der Deckung gekommen ist.

„Wir wünschen uns einen wirklichen Wettbewerb und dass die Bürger am 15. März die Wahl zwischen guten Bewerbern haben“, betont die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Martina Glees-Brück. „Erdmannhausen ist doch eine attraktive Gemeinde, gut aufgestellt und mit aktiven und engagierten Bürgern. Das ist für Verwaltungsprofis eigentlich ein tolles Pflaster“, meint sie und hofft, dass es nur die Feiertage waren, die die Bewerbungen hinausgezögert haben.

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