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Verwaltung

Kaum Quereinsteiger bei den Bürgermeistern

32 der 39 Rathauschefs im Kreis Ludwigsburg haben eine Verwaltungsausbildung absolviert

Rathauschefs unter sich: Die meisten Bürgermeister im Kreis (hier bei einer Verbandssitzung in Ludwigsburg im vergangenen Jahr) haben an der Hochschule in Kehl oder Ludwigsburg studiert. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Rathauschefs unter sich: Die meisten Bürgermeister im Kreis (hier bei einer Verbandssitzung in Ludwigsburg im vergangenen Jahr) haben an der Hochschule in Kehl oder Ludwigsburg studiert. Foto: Holm Wolschendorf

Kreis Ludwigsburg. Wenn Matthias Knecht am 1..September als neuer Oberbürgermeister von Ludwigsburg die Amtsgeschäfte aufnimmt, dann ist er einer von nur sieben Rathauschefs im Kreis Ludwigsburg, die nicht auf eine klassische Verwaltungsausbildung zurückblicken. Knecht ist Volljurist und hat sich vor allem mit dem Europäischen Recht beschäftigt. Bis zu seinem Wahlsieg war er Rechtsprofessor in Kempten.

Aber er hat auch Verwaltungsmanagement an der Speyerer Universität für Verwaltungswissenschaften studiert. Im „Nebenfach“ ist er also quasi auch ein Verwaltungsfachmann. „So wie ich das Amt verstehe, ist das Teamwork“, hatte Knecht schon vor der Wahl gesagt. Die vergangenen sechs Wochen hat er sich mit den Bürgermeistern auf die Amtsübernahme vorbereitet. „Niemand erwartet, dass ich die Arbeit der ganzen Verwaltung alleine machen muss.“

32 von 39 Oberbürgermeistern und Bürgermeistern im Kreis Ludwigsburg haben nach einer LKZ-Umfrage die klassische Ausbildung genossen, sind studierte Diplom-Verwaltungswirte, haben einen Master oder Bachelor in Verwaltungswirtschaft oder „Public Management“. Die meisten von ihnen haben ihr Studium an der Hochschule für Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg absolviert. Für potenzielle Rathauschefs ist die Hochschule weiter die Kaderschmiede im Südwesten.

„Erfahrung kann in dem Job nicht schaden“, sagt etwa Ralf Zimmermann aus Großbottwar. Denn die Aufgaben eines Schultes, gerade in einer kleineren Kommune bis 10.000 Einwohner sind vielfältig und lassen sich in einer kleinen Verwaltung nur schlecht delegieren. „Da ist man auch häufig Sachbearbeiter“, sagt Pleidelsheims Bürgermeister Ralf Trettner. „Man sollte schon einen Haushalt lesen können, etwas von kommunalem Recht verstehen und wissen, wie ein Bebauungsplan erstellt wird“, so Trettner weiter. Dem stimmt der Benninger Schultes Klaus Warthon zu. „Je größer die Kommune ist, desto eher können sie Aufgaben an Fachleute delegieren“, so Warthon, der auch Kreisvorsitzender des Verbands baden-württembergischer Bürgermeister ist. In kleineren Gemeinden sei der Bürgermeister in allen Verwaltungsbereichen gefordert. Manche haben neben ihrer Verwaltungsausbildung auch noch andere Erfahrungen gesammelt. So war Steinheims Schultes Thomas Winterhalter anfangs Veranstaltungskaufmann, und Mundelsheims Boris Seitz hat im Nebenjob Autoreifen vertickt.

Für Gemmrigheims Bürgermeister Jörg Frauhammer ist der Quereinstieg kein Problem. Schließlich saß er 29 Jahre im Gemeinderat und weiß, wie der Ort tickt. „Aber es ist von Vorteil, wenn man auch den Blick von außen hat“, sagt der promovierte chemische Verfahrenstechniker, der „beim Bosch“ in der Steuergeräteentwicklung als Entwicklungsingenieur und Teamleiter tätig war. Es geh darum, „Methoden zu kennen, wie Probleme gelöst werden können“. Vor seinem Amtsantritt hat er einen „Crashkurs“ an der Verwaltungsakademie Stuttgart gemacht, und das Rüstzeug für den Arbeitsalltag erworben.

Während es drei studierte Juristen gibt (neben Knecht noch Dirk Schönberger aus Remseck und Holger Albrich aus Sachsenheim), kommt der Tammer Bürgermeister Martin Bernhard aus dem technischen Bereich. Er hat Architektur mit Schwerpunkt Städtebau studiert und auch einige Jahre in verschiedenen Architekturbüros gearbeitet.

Birgit Hannemann (Erdmannhausen) hat Wirtschaftspädagogik an der Uni Hohenheim studiert und mit dem Grad Diplom-Handelslehrerin abgeschlossen. Über die politische Arbeit hat sie sich dann für den Job im Rathaus begeistert. „Das Rüstzeug habe ich mir dann als persönliche Referentin des OB in Sindelfingen geholt.“

Ganz „von außen“ kommt Joachim Wolf aus Korntal-Münchingen, der Physik und Sportwissenschaften studierte und in Biomechanik promoviert hat. Geschadet hat es ihm nicht. Er ist schon in seiner dritten Amtszeit Chef im Rathaus.

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