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Bürgermeisterwahl

Kein echter Kampf um Chefsessel

Am 15. April wird der Nachfolger von Bürgermeister Kornelius Bamberger gewählt. Einen echten Wahlkampf wird es aber nicht geben. Nachdem der Walheimer Schultes Albrecht Dautel früh seine Kandidatur angemeldet hatte, kamen keine weiteren ernsthaften Bewerber mehr. Auf dem Stimmzettel stehen neben Dautel auch die Namen der beiden Dauerbewerber Friedhild-Anni Miller und Ulrich Raisch.

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Im Bönnigheimer Rathaus steht ein Amtswechsel bevor. Gewählt wird am 15. April.Foto: Alfred Drossel

Bönnigheim. Gestern um 18 Uhr war Bewerbungsschluss. Eine halbe Stunde später wurden schon die ersten Wahlhelfer geschult. Timo Steinhilper wird dem Gemeindewahlausschuss heute drei Namen zur Bürgermeisterwahl präsentieren können: Albrecht Dautel, Friedhild-Anni Miller und Ulrich Raisch, der am gestrigen Dienstag seine Bewerbung abgegeben hat. Bei der offiziellen Kandidatenvorstellung am Montag, 9. April, werden wohl nur zwei Bewerber auf der Bühne sitzen: Miller, die schon 50 Bewerbungen für einen Bürgermeisterposten geschrieben hat, aber eigentlich Bundeskanzlerin werden möchte, erscheint recht selten bei solchen Kandidatenvorstellungen.

In Bönnigheim ist man zufrieden mit der Bewerbung von Albrecht Dautel, den man als einen „starken Kandidaten“ bezeichnet. Anderseits aber hatte man sich eine echte Wahl mit mehreren Bewerbern gewünscht. Das hat eine Umfrage unserer Zeitung unter den Bönnigheimer Fraktionen ergeben. Frank Sartorius, stellvertretender Bürgermeister und Chef der FWV/CDU-Gemeinderatsfraktion, kann es sich nicht erklären, warum es keine weiteren Bewerber gibt. Bönnigheim sei attraktiv, stehe finanziell gut da und habe eine ausgezeichnete Infrastruktur, sollte also für junge Verwaltungsleute lohnend sein. Sartorius glaubt, dass durch die Kandidatur von Albrecht Dautel andere Kandidaten abgeschreckt worden seien. Frank Sartorius sorgt sich jetzt um eine gute Wahlbeteiligung. Der neue Bürgermeister müsse einen breiten Rückhalt in der Bevölkerung bekommen, betont er.

Hans-Martin Jäger, Fraktionsvorsitzender der UWG, bezeichnete die schnelle Bewerbung von Albrecht Dautel als klug. Damit habe er potenzielle Bewerber abgeschreckt. Jäger hätte freilich lieber eine Auswahl gehabt, wie er sagt: „Drei ernsthafte Bewerber wären mir lieb gewesen.“ Seine Fraktion hätte aber im Vorfeld nie die Absicht gehabt, Kandidaten zu suchen. Jetzt müsse man an die Bönnigheimer, Hofener und Hohensteiner appellieren, zur Wahl zu gehen, betont Hans-Martin Jäger.

Dorothea Bechtle-Rüster von der SPD-Fraktion glaubt, dass andere Bewerber durch die Kandidatur von Albrecht Dautel keine Chance haben. Dautel kenne sich in Bönnigheim gut aus und bringe damit die besten Voraussetzungen mit. Unter diesen Umständen könne sie auf einen Wahlkampf und auf Dauerkandidaten verzichten, sagt Bechtle-Rüster. Dauerbewerber würden mit ihren Auftritten ohnehin den Beruf des Bürgermeisters nur lächerlich machen. „So wie es jetzt aussieht, gibt es für Bönnigheim eine gute Lösung“, glaubt Dorothea Bechtle-Rüster.

Bei einem guten Kandidaten könne man auf Spaßbewerber leicht verzichten, meint Jürgen Carstens von der Grünen-Fraktion. Er hätte gerne eine echte Wahl gehabt, aber angesichts des Bewerbers Dautel könne er so damit leben, sagt Carstens. Grundsätzlich wundere es ihn schon, dass das Amt des Bürgermeisters bei Verwaltungsleuten ein so geringes Interesse auslöst.

Albrecht Dautel sieht darin auch einen gesellschaftlichen Wandel, wie er auch in anderen Städten bei Wahlen zu beobachten sei. Der Respekt vor öffentlichen Ämtern schwinde, Eigeninteressen würden mehr und mehr in den Vordergrund rücken und die Bereitschaft, persönlichen und zeitlichen Einsatz mit dem Privatleben in Einklang zu bringen, würden viele geeignete Bewerber nicht mehr auf sich nehmen wollen.

Der 42-jährige Albrecht Dautel ist seit 2005 Bürgermeister in Walheim. Zuvor war er von 2001 an Ordnungsamtsleiter im Bönnigheimer Rathaus. Dautels Frau Tina arbeitet jetzt wieder im Personalamt der Stadt Brackenheim. Zur Familie Dautel gehören die sechsjährige Anna, der vierjährige Jakob und der zweijährige Theo. Albrecht Dautel stammt aus einer christlich geprägten Meimsheimer Familie. Für ihn ist das Amt eines Bürgermeisters eine Lebensaufgabe.