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Fusion

Kellereien wollen Kräfte bündeln

In die Landschaft der Weingärtnergenossenschaften kommt nach jahrelanger Pause wieder Bewegung: Eine der großen Kellereien in Württemberg, die Felsengartenkellerei Besigheim, und die kleine Genossenschaft Weinfactum in Stuttgart-Bad Cannstatt wollen fusionieren.

Die Felsengartenkellerei in Hessigheim. Hier sollen die Trauben aus Bad Cannstatt und Rielingshausen gekeltert werden.Foto: Alfred Drossel
Die Felsengartenkellerei in Hessigheim. Hier sollen die Trauben aus Bad Cannstatt und Rielingshausen gekeltert werden. Foto: Alfred Drossel

Besigheim. Nach intensiven Gesprächen zwischen den Weingärtnergenossenschaften haben die Gremien beider Betriebe bereits einstimmig eine Verschmelzung befürwortet, teilte die Felsengartenkellerei am Ostersamstag mit. Die Mitglieder beider Genossenschaften sollen nun getrennt über die Fusion in außerordentlichen Generalversammlungen entscheiden. Die ersten Gespräche und die erstellten Analysen hätten gezeigt, dass sowohl die Weinfactum eG als auch die Felsengartenkellerei von einer Verschmelzung profitieren könnten: „Es handelt sich um eine Win-win-Situation“, betonte Dr. Götz Reustle, Vorstandsvorsitzender der Felsengartenkellerei, die ihren Sitz in Hessigheim hat.

Hohe Erlöse aufseiten der Weinfactum einerseits und die vergleichbar niedrigen Kosten, ein breit ausgebautes Vertriebs- und Absatznetz sowie eine moderne und zeitgerechte Infrastruktur der Felsengartenkellerei andererseits böten das Potenzial für eine langfristige positive Entwicklung eines zusammengeführten Gesamtbetriebs, ergänzte Weinfactum-Vorstandsvorsitzender Andreas Allgayer. Ziel der Verschmelzung sei es, so teilen es die Genossenschaften mit, den Standort der Weinfactum zu stärken und den Stuttgarter Markt intensiver zu bedienen. Mit dem Standort am Römerkastell in Bad Cannstatt habe Weinfactum einen hervorragenden Zugang zum Weinmarkt in Stuttgart. Der Standort biete außerdem Möglichkeiten, Veranstaltungen für die Wein-affine Stuttgarter Bevölkerung und Touristen anzubieten. Traubenverarbeitung und Weinbereitung, so ist geplant, sollen in Hessigheim erfolgen. Für den Standort in Bad Cannstatt ist neben Verkauf und Präsentation die Herstellung und Lagerung hochwertiger Premium-Weine und Sekte vorgesehen. Die Marke Weinfactum solle weiter ausgebaut werden.

Die 110 Mitglieder der Weinfactum eG bewirtschaften etwa 44 Hektar Rebfläche im Bereich Stuttgart und Marbach-Rielingshausen, davon 14 Hektar in terrassierten Steillagen. Die 1409 Mitglieder der Felsengartenkellerei bewirtschaften 699 Hektar Rebfläche im Bereich Mittlerer Neckar, Enztal und Schozachtal. Die Felsengartenkellerei setzt jährlich rund sieben Millionen Liter Wein ab und verzeichnet einen Jahresumsatz von 21,2 Millionen Euro. Weinfactum setzt jährlich 280.000 Liter Wein ab, der Umsatz liegt bei 1,57 Millionen Euro jährlich. Reustle: „Zusammen mit über 105 Hektar terrassierten Steillagen der Felsengartenkellerei leisten die Wengerter der beiden Genossenschaften einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der einzigartigen Weinkulturlandschaft an Neckar und Enz.“

Die Fusion – mit der Felsengartenkellerei als übernehmende Genossenschaft – soll rückwirkend zum 1. Januar greifen. Infoveranstaltungen für Mitglieder finden von Mai an statt. Die Zustimmung zum Verschmelzungsvertragsentwurf durch Vorstand und Aufsichtsrat der Genossenschaften ist bis Juni geplant. Ein Verschmelzungsgutachten durch den Genossenschaftsverband soll Anfang Juli vorliegen.

Info: Die beschlussfassende außerordentliche Generalversammlung der Weinfactum ist auf Donnerstag, 25. Juli, angesetzt, in Besigheim auf Freitag, 26. Juli.

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