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Nahversorgung

Kirchheimer kämpfen um Dorfladen

Die Ankündigung, dass der Dorfladen vermutlich Ende des Jahres aus wirtschaftlichen Gründen schließen muss, hatte viele Kirchheimer geschockt und in weiten Teilen der Gemeinde große Betroffenheit ausgelöst. Doch jetzt zeigt sich viel Hilfsbereitschaft und der Wille, den Dorfladen doch noch zu retten. Heute Abend ist dazu eine erste Aktion geplant.

Der Dorfladen steuert auf eine schwarze Null zu. Archivfoto: Ramona Theiss
Der Dorfladen steuert auf eine schwarze Null zu. Foto: Ramona Theiss

Kirchheim. „In den vergangenen Tagen ist ein kräftiger Ruck durch den Ort gegangen“, sagt Helmut Mayer im Gespräch mit unserer Zeitung. Gemeinsam mit den zwei weiteren ehrenamtlichen Geschäftsführern des Kirchheimer Dorfladens, Bürgermeister Uwe Seibold und Karen Bolkart, hatte er in der vorigen Woche über das drohende Aus des Ladens zum Jahresende informiert (wir berichteten mehrfach). Aber auch über den kleinen Hoffnungsschimmer, der noch besteht – und den scheinen die Kirchheimer jetzt nutzen zu wollen.

Gemeinsam wolle man den noch „bestehenden kleinen Funken Hoffnung zur Weiterführung des Dorfladens aufgreifen und alles unternehmen, dass dieses bürgerschaftliche Gemeinschaftsprojekt auch über das Jahresende 2018 hinaus fortgesetzt werden kann“, informieren die drei Geschäftsführer. In den letzten Tagen seien bei ihnen unzählige Rückmeldungen und Hilfsangebote eingegangen, es wurden Spenden in Aussicht gestellt und die ersten Kirchheimer hätten sogar schon als Zeichen ihrer Solidarität Spenden auf das Konto des Dorfladens eingezahlt.

Was genauso erfreulich ist: „Seit der Ankündigung der drohenden Schließung sind die Umsätze spürbar angestiegen. Und das auf ein Niveau, das den Bestand des Dorfladens, wenn diese Entwicklung nachhaltig ist, auch dauerhaft sichern würde.“ Mayer spricht von Umsatzsteigerungen von 20 bis 25 Prozent und sagt: „Der Zuspruch aus der Bevölkerung ist immens, mit dieser Reaktion hat niemand gerechnet.“

Nachdem bekannt wurde, dass der Dorfladen vermutlich Ende des Jahres schließen muss, hätten die Kirchheimer den Laden überrannt. „Die Regale waren teilweise leergekauft, so etwas habe ich noch nie gesehen“, berichtet Mayer. Mittlerweile sei das Sortiment aber wieder komplett. Die Stimmung unter den Geschäftsführern beschreibt er als „verhalten optimistisch“. Man sei auf einem guten Weg, den Dorfladen zu halten. Das funktioniert aber nur, wenn die Kirchheimer ihren wieder entdeckten Enthusiasmus für den Einkaufsmarkt beibehalten: „Der Ruck muss in eine Bewegung übergehen, ein Strohfeuer reicht nicht aus“, macht Mayer deutlich. Aber selbst im schlimmsten Fall werde man den Laden nun bis Ende Januar öffnen können. Dazu beitragen wollen auch die Anteilseigner und Geschäftsführer, die mit selbstbewusster Werbung in die Offensive gehen und mit diversen Aktionen für den Erhalt des Geschäfts kämpfen wollen. Heute ist deshalb eine lange Einkaufsnacht geplant, los geht es um 18 Uhr. Damit soll ein weiteres Zeichen für einen möglichen Erhalt des Dorfladens gesetzt werden. Die Verantwortlichen hoffen deshalb, dass möglichst viele Kirchheimer ihre Solidarität und ihre Unterstützung zum Ausdruck zu bringen. Neben einer verlängerten Einkaufszeit wird es verschiedene kulinarische Leckereien geben und die Möglichkeit, sich an einer Spendenwand aktiv mit einem beliebigen Betrag für den Erhalt des Dorfladens einzubringen. Alle Kinder sind eingeladen, mit einer Laterne zum Aktionstag zu kommen.

Wie berichtet, hatte der Dorfladen Anfang 2016 eröffnet, um die Nahversorgung im Ortskern zu sichern. In kleinen Schritten ging es langsam aufwärts, durchschlagenden Erfolg hatte das Geschäft aber nicht. Seit Ostern hatten die Umsätze nun stagniert, im Hitzesommer waren die Einnahmen eingebrochen. Seit September ging es zwar wieder aufwärts, doch die Umsätze lagen immer noch deutlich hinter den Erwartungen zurück. Der Dorfladen kämpft aktuell mit Verlusten von 4000 bis 5000 Euro im Monat. Besonders tragisch für die Verantwortlichen: Der Markt fährt nicht krachend gegen die Wand, wie es Uwe Seibold bereits in der vorigen Woche formuliert hatte. Denn im Grunde fehlen pro Einkauf lediglich zwei Euro, um den Laden zu erhalten.