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Klärschlamm
Klärschlamm-Pläne Walheim: So funktioniert vergleichbare Verbrennungsanlage in Mühlhausen

So ähnlich wie die Klärschlammverwertungsanlage in Stuttgart-Mühlhausen könnte die in Walheim geplante aussehen. Fotos: Holm Wolschendorf
So ähnlich wie die Klärschlammverwertungsanlage in Stuttgart-Mühlhausen könnte die in Walheim geplante aussehen. Fotos: Holm Wolschendorf
Sachgebietsleiter Thomas Haslwimmer.
Sachgebietsleiter Thomas Haslwimmer.
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In Walheim und den umliegenden Kommunen wird dagegen protestiert, in Stuttgart-Mühlhausen wird es seit fast 60 Jahren gemacht – Klärschlamm verbrannt. Wir haben uns die dortige Anlage genauer angeschaut.

Stuttgart/Walheim. Wie Klärschlamm entsorgt wird, der als Abfallprodukt in den Kläranlagen zurückbleibt, wissen die wenigsten Menschen. Meist wird er verbrannt. Eine Verbrennungsanlage steht in Stuttgart-Mühlhausen auf dem Gelände des dortigen Hauptklärwerks. Es war das erste Klärwerk in Europa, das 1962 eine eigene Verbrennungsanlage für Klärschlamm hatte.

Von außen sind von der Anlage nur Gebäude, Silos und ein 100 Meter hoher Kamin zu sehen. Auf der Zufahrtsstraße rollen vereinzelt Lastwagen zur Klärschlammverwertungsanlage. In ihren Containern transportieren sie entwässerten Klärschlamm von etwa 20 Kläranlagen aus Ludwigsburg, dem Rems-Murr-Kreis und Heilbronn. Täglich werden rund 150 Tonnen angeliefert. „Der Fremdschlamm entspricht einem Drittel dessen, was hier verbrannt wird, zwei Drittel sind Eigenschlamm“, erklärt Thomas Haslwimmer, Sachgebietsleiter für Klärschlammverwertung. „Normalerweise ist hier ein wenig mehr los“, fügt er hinzu, „aber es hat eine Störung, eine sogenannte Leckage, gegeben. Ein Schieber ist undicht. Die ganze Anlage musste heruntergefahren werden und wird nun repariert.“ Die Folgen, die das Abschalten der Anlage verursacht, seien überschaubar, meint der Diplom-Ingenieur für Versorgungs- und Umwelttechnik. „Einige Kläranlagen können ihren Klärschlamm zwischenlagern und später zu uns bringen.“

Das Abschalten der Anlage tut aber dem Besuch keinen Abbruch. Zu sehen gibt es einiges. Beispielsweise die Gitter, über die der ausgefaulte Klärschlamm in einen darunterliegenden, 100 Kubikmeter fassenden Bunker gekippt wird. Von dort wird der Klärschlamm, der dem Geruch eines feuchten Kellergewölbes ähnelt und sich anfühlt wie Erde, in ein riesiges Speichersilo gepumpt.

Vom Silo wandert der Klärschlamm in den nächsten großen Behälter. Dort wird er auf 100 Grad Celsius erhitzt und getrocknet. Obwohl die Anlage nicht läuft, stinkt es in dieser Halle. „Ja, die Abdämpfe, die sogenannten Brüden, die sind unangenehm und riechen“, bestätigt Haslwimmer, „aber nicht nach Fäkalien, sondern nach Ammoniak.“ Der Geruch beschränke sich aber nur auf den Raum, in dem der Klärschlamm getrocknet wird.

Geruchsbelästigungen, die befürchten viele Walheimer und Walheimerinnen am meisten – neben einer Zunahme des Lastwagenverkehrs. Es gibt viele Gründe, weswegen die Bürgerschaft gegen die von der EnBW geplante Anlage auf dem Gelände des Kohlekraftwerks protestiert. Hat es in Mühlhausen ebenfalls Gegenwind seitens der Anwohner gegeben? „Nein“, sagt Thomas Haslwimmer, „den Verbrennungsstandort gibt es bereits seit über 60 Jahren.“ Im Sommer könnten allerdings häufiger Gerüche beispielsweise im Zulaufkanal der Kläranlage entstehen, nicht ganz auszuschließen seien vereinzelte Gerüche von der Verbrennungsanlage.

Perspektivisch soll in Walheim zudem eine Anlage für Phosphor-Recycling errichtet werden, um aus dem Klärschlamm den für die Düngemittelindustrie wichtigen Grundstoff zurückzugewinnen. Wie sieht es damit in Stuttgart-Mühlhausen aus? „Die Verfahren, aus Klärschlammasche Phosphor zu gewinnen, sind aufwendig und teuer. Das hört sich einfacher an, als es ist“, erklärt Haslwimmer. „Die technischen Entwicklungen rund um das Phosphor-Recycling werden gefördert, aber es gibt deutschlandweit momentan nur wenige großtechnische Anlagen im Bau, geschweige denn in Betrieb.“

Weiter geht’s zur nächsten Station, einem Wirbelschichtofen. Dort wird der Schlamm inklusive der darin enthaltenen Schadstoffe bei mindestens 850 Grad Celsius verbrannt. Die dabei entstehende Flugasche wird mit den nach oben steigenden Rauchgasen aus dem Ofen getragen und ausgefiltert. Die noch heißen Gase verpuffen aber nicht einfach so in der Luft, sie werden in einem Kessel heruntergekühlt und Dampf wird erzeugt. „Dieser treibt eine Turbine an, die die Klärschlammverwertungsanlage mit Energie versorgt“, erklärt Thomas Haslwimmer. Der Restdampf kommt der Klärschlammtrocknung zugute und wird in das Nahwärmenetz eingespeist. Was passiert mit der Asche? „Die wird nach Heilbronn zum Verfüllen von hierzu zugelassenen Salzbergwerken gebracht.“ Und die Schwermetalle? „Die werden gebunden und ausgetragen, so dass schlussendlich aus dem Kamin noch Wasserdampf und gereinigtes Abgas entweicht“, sagt Thomas Haslwimmer, die „gesetzlich vorgeschriebenen, sehr scharfen Grenzwerte unterschreitet die Anlage in allen Komponenten.“