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Klares Bekenntnis zum Dialekt

Fachtag in der Schwabenbühne zu den Themen Mundart und Heimat

Diskussionsrunde in beschaulicher Theaterkulisse: (von links) Rüdiger Erk, Gerlinde Kretschmann, Pius Jauch, Arno Boas, Luis Schneck und Jürgen von Bülow. Foto: Oliver Bürkle
Diskussionsrunde in beschaulicher Theaterkulisse: (von links) Rüdiger Erk, Gerlinde Kretschmann, Pius Jauch, Arno Boas, Luis Schneck und Jürgen von Bülow. Foto: Oliver Bürkle

Asperg. Ölgemälde und solide Spießigkeit: Direkt in der Kulisse der Schwabenbühne diskutierten Teilnehmer im Rahmen eines Fachtages des Arbeitskreises Mundart im Landesverband der Amateurtheater Baden-Württemberg über die Themen Mundart und Heimat.

Mehr Bekenntnis zum Dialekt forderte dabei Gerlinde Kretschmann, Ehefrau des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. „Die Diskriminierung des Dialekts an den Schulen muss aufhören“, so Kretschmann. Unterrichtet habe sie stets in Hochdeutsch, aber ansonsten habe sie mit ihren Schülern Schwäbisch gesprochen, erzählte die pensionierte Grundschullehrerin. Doch nicht jedem habe das gefallen.

Nur lächerliche Eigenart?

Ist die Mundart wirklich nur eine lächerliche Eigenart und nur ein Fall für das „Deppentheater“? Keineswegs, davon zeigte sich Gerlinde Kretschmann überzeugt. Der Dialekt transportiere Gefühle und sei einfach etwas Schönes. Deshalb beantworteten die Teilnehmer des neudeutsch genannten „Interviewpanels“ die Fragen des Autors und Regisseurs Jürgen von Bülow und des Theaterpädagogen Rüdiger Erk auch in solidem Schwäbisch.

Dass die junge Generation eher Hochdeutsch spricht, bestätigte der Schüler Luis Schneck vom Plüderhauser Theaterbrettle. Doch gerade den Dialekt sah er als wichtigen Anker in einer globalisierten Welt. Laut dem Rottweiler Liedermacher Pius Jauch schafft der Dialekt ein Gefühl der Zugehörigkeit. Als Jugendlicher wolle man sich abgrenzen, später gehe es in die Welt hinaus und man kehre mit neuer Heimatverbundenheit zurück.

„Die Schule ist das Hauptkampfgebiet“, meinte der Mundartautor Arno Boas aus der Region Hohenlohe, der überdies forderte, eben nicht nur den schwäbischen Schwank zu pflegen, sondern auch ernste Themen in Mundart zu behandeln. Seiner Einschätzung nach braucht das schwäbische Mundarttheater in jedem Fall mehr Imagepflege. Den Schwaben mangele es auch an Selbstbewusstsein, ihren Dialekt zu pflegen, so Boas weiter. Und so rutschen sie allzu gerne in gekünsteltes Hochdeutsch, das dann alles andere als authentisch klingt. Für Gerlinde Kretschmann ein Unding. Sie wirkte aber recht zuversichtlich, dass der Dialekt wieder hoffähig wird, mit ihrem Mann arbeitet sie seit einiger Zeit daran und erlebt viel Resonanz.

Er sei stolz darauf, zweisprachig aufgewachsen zu sein, bekannte der von der Ostalb stammende Asperger Bürgermeister Christian Eiberger bei der Begrüßung der Tagungsgäste. Er könne Hochdeutsch und Dialekt und er finde es einfach schön, sich im breitesten Schwäbisch unterhalten zu können. Das passe auch zu einem fortschrittlichen und innovativen Land wie Baden-Württemberg.

Kein Auslaufmodell

Das Mundarttheater ist also keineswegs ein Auslaufmodell, es muss sich aber auch weiter entwickeln, so die Quintessenz des Fachtages. Die Schwabenbühne war dabei Gastgeber und der Vorsitzende des über 70 Mitglieder zählenden Vereins, Werner Müller, konnte sich da getrost zurücklehnen. Denn die Schwabenbühne verfügt über schöne Räumlichkeiten und die Auswahl der Stücke scheint zu stimmen: Bis zu 6.000 Besucher werden bei den mehr als 50 Vorstellungen im Jahr gezählt.

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