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Landwirtschaft

Kleine Stiche mit großer Wirkung

In Baden-Württemberg gibt es wieder Fälle von Blauzungenkrankheit. Agrarminister Peter Hauk appelliert deshalb an die Landwirte, ihre Tiere impfen zu lassen. In Markgröningen hat gestern die landesweite Kampagne dafür begonnen.

Aktiv gegen die Ausbreitung der Blauzungenkrankheit: Veterinärin Nina Siegmund impft Kühe auf dem Hof des Markgröninger Landwirts Erwin Bäßler. Agrarminister Peter Hauk (rechts unten) sorgt dafür, dass die Tiere auch ordentlich etwas zu mampfen haben
Aktiv gegen die Ausbreitung der Blauzungenkrankheit: Veterinärin Nina Siegmund impft Kühe auf dem Hof des Markgröninger Landwirts Erwin Bäßler. Agrarminister Peter Hauk (rechts unten) sorgt dafür, dass die Tiere auch ordentlich etwas zu mampfen haben
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Markgröningen. Im Stall des Milchbauern Erwin Bäßler in Markgröningen stehen rund 180 Kühe. Die Tiere sind sein Kapital, sie sorgen für den Lebensunterhalt seiner Familie. Doch seit rund anderthalb Monaten schafft Bäßler unter erschwerten Bedingungen. Am 12. Dezember bricht in einem Stall in der Nähe von Rastatt die Blauzungenkrankheit aus – in Baden-Württemberg erstmals seit 2009 wieder. Seitdem ist das ganze Land zu einem „Restriktionsgebiet“ erklärt worden.

Empfänglich für das Virus, das von Stechmücken übertragen wird, sind Rinder, Schafe und Ziegen. Allerdings: Die Tiere können geschützt werden, wenn man sie impft. Also fahren am Montagmorgen auf Bäßlers Hof in Markgröningen Veterinärinnen vor, die mit zwei Impfpistolen bewaffnet sind. In der einen ist ein Schutz gegen das Virus vom Serotyp 8, in der anderen vom Serotyp 4, das in den vergangenen Jahren in den Nachbarländern nachgewiesen wurde.

Bäßlers ältere Tiere zucken kaum, als die Tiermedizinerinnen ihnen die Spritzen ins Fell drücken, die jüngeren Tiere sind nervöser. Der Landwirt sagt: „Ich gebe jetzt Geld für die Impfung aus, damit ich später ruhig schlafen und meine Tiere gut vermarkten kann.“

So sieht das auch der baden-württembergische Agrarminister Peter Hauk (CDU), der das Prozedere auf Bäßlers Hof im blauen Schutzoverall und durchsichtigen Plastikstulpen über den dunklen Schuhen aus einiger Entfernung beobachtet. Hauk ist am Montagmorgen in Markgröningen, um die landesweite Impfkampagne 2019 einzuläuten. Der Minister: „Angesichts der Ausbreitung der Blauzungenkrankheit in Baden-Württemberg appelliere ich an alle Rinder-, Schaf- und Ziegenhalter, ihre Tiere impfen zu lassen.“ Denn nur dann dürfen die Tiere aus der Sperrzone heraus transportiert und vermarktet werden. Für Tierhalter wie Bäßler ist das wichtig, weil sie sonst finanzielle Auswirkungen spüren würden.

Was ist bekannt...

...über die Blauzungenkrankheit? Sie wird durch Viren verursacht und von blutsaugenden Mücken wie Gnitzen von Tier zu Tier übertragen. Ein typisches Symptom bei Rindern, Schafen oder Ziegen ist eine geschwollene, blau gefärbte Zunge, die der Krankheit ihren Namen gibt. Andere Symptome sind Fieber, Appetitlosigkeit, oder geschwollene Maulschleimhäute. Bei Schafen und Ziegen kann es bis zum Verenden der betroffenen Tiere gehen.

...über die Gefahren für Menschen? Das Virus ist nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums für Menschen nicht gefährlich. „Fleisch und Milch und daraus hergestellte Erzeugnisse können ohne Bedenken verzehrt werden“, sagt Minister Hauk.

...über die bisherigen Fälle? In Baden-Württemberg sind aktuell 29 Rinderbetriebe und ein Hof mit Schafen von der Blauzungenkrankheit betroffen. „Der Schwerpunkt des Infektionsgeschehens liegt nach wie vor in Südbaden“, sagt Hauk. Das liegt offenbar an der Grenznähe zu Frankreich und der Schweiz, wo es seit 2015 zu zahlreichen Ausbrüchen der Blauzungenkrankheit gekommen ist. Betroffen sind auch Italien und Österreich.

Die Landesregierung hat eine Sperrzone im Umkreis von 150 Kilometern um den Ausbruchshof bei Rastatt eingerichtet. Damit will sie verhindern, dass sich die Krankheit ausbreiten kann. Die Zone umfasst derzeit Baden-Württemberg komplett, aber auch das Saarland und Rheinland-Pfalz. Dazu kommen Teile Hessens und Nordrhein-Westfalens. Hier müssen Tierhalter, die Rinder, Ziegen oder Schafe haben, dem Landratsamt den Standort ihrer Tiere melden.

...über die Impfung? Für eine Grundimmunisierung müssen Rinder, die mindestens drei Monate alt sind, zweimal in einem Abstand von drei Monaten geimpft werden. Die Immunität gegen das Virus beginnt etwa 25 Tage nach Verabreichung der zweiten Dosis. Zudem muss eine Impfung jährlich wiederholt werden. Das Land und die Tierseuchenkasse Baden-Württemberg unterstützen die Impfaktionen finanziell, so dass etwa vier oder fünf Euro pro Tier plus Tierarztkosten an den Bauern hängenbleiben.

Eine Impfpflicht für die Tierhalter lehnt Hauk allerdings ab. „Insellösungen bringen nichts“, so der Minister gestern in Markgröningen, „so lange die Nachbarstaaten nicht mitmachen.“ Er geht davon aus, dass von rund einer Million Rindern im Südwesten derzeit 20 bis 30 Prozent gegen die Blauzungenkrankheit geschützt sind.

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