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Brauchtum

Kompostierbare Netze aus Maisstärke

Ökologie und Klimaschutz laut Verband wichtiges Thema bei Weihnachtsbaumverkauf – Kulturen binden über Jahre viel CO – Kritik an Plastikexemplaren

Michael Waidelich (links) und sein Vater Friedrich bereiten einen Weihnachtsbaum für den Transport vor. Elise Nassal aus Heimerdingen hat die Rotfichte für 20 Euro gekauft; ihr Sohn Thomas, der hinter den Verkäufern neben ihr steht, hilft beim Abhole
Michael Waidelich (links) und sein Vater Friedrich bereiten einen Weihnachtsbaum für den Transport vor. Elise Nassal aus Heimerdingen hat die Rotfichte für 20 Euro gekauft; ihr Sohn Thomas, der hinter den Verkäufern neben ihr steht, hilft beim Abholen. Foto: Holm Wolschendorf

Kreis Ludwigsburg. „Das konterkariert jede Diskussion über Nachhaltigkeit und Umweltschutz, die derzeit in unserer Gesellschaft geführt wird.“ Martin Rometsch, Geschäftsführer des Christbaumverbands Baden-Württemberg, kritisiert mit diesen Worten die laut Marktumfragen gestiegene Nachfrage nach Plastik-Weihnachtsbäumen in den vergangenen Jahren. Deren Absatz bewege sich insgesamt zwar auf einem niedrigen Niveau, „doch jeder Prozent Zunahme ist schlimm“. Denn jeder Baum aus Plastik habe „eine absolut negative Klimabilanz und verursacht im Schnitt 50 Kilogramm Kohlenstoffdioxid (CO)“, betont Rometsch. Aus Erdöl meist in China hergestellt, müsse jedes Exemplar nach Europa transportiert werden; dort gelange es nach der Entsorgung als Plastikmüll in den Kreislauf der Natur, die feinen Nadeln „tauchen dann irgendwo als Mikroplastik auf“, sagt Rometsch.

Trotz gestiegener Nachfrage nach Plastikbäumen – die meisten Kunden wollen, gemessen an den Gesamtverkaufszahlen, natürliche Exemplare. Und sie fragen vor allem nach Bäumen aus der Region – auch das ist ein Ergebnis der Marktumfragen, die der deutsche Bundesverband der Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger seit knapp zehn Jahren macht. Woher kommen die Weihnachtsbäume, wo haben Sie die angebaut, wie weit entfernt vom Verkaufsort ist Ihr Betrieb? Diese Fragen hörten Produzenten häufig von Käufern, sagt Rometsch.

Ökologie und Klimaschutz seien auch im Weihnachtsbaumhandel ein großes Thema. So kommen jetzt etwa kompostierbare Transportnetze aus Maisstärke, einem nachwachsenden Rohstoff, auf den Markt. Die Bäume selbst tragen ebenfalls zu einer saubereren Umwelt bei, wie Rometsch am Beispiel der Nordmanntanne – der in Deutschland am stärksten nachgefragten Christbaumsorte – erklärt. Ihr Samen werde nördlich des Schwarzen Meeres, meist in Georgien, gewonnen und etwa in Regionen Baden-Württembergs ausgesät. Vom Samen zur Jungpflanze brauche es drei bis vier Jahre, dann komme der Baum auf eine Ackerfläche und wachse dort in einer Kultur in der Regel zehn bis zwölf Jahre. „Dabei bindet er CO, das er zum Wachsen braucht, und gibt Sauerstoff ab.“ Ein Hektar einer Weihnachtsbaumkultur – eine einzelne besteht aus mehreren Tausend Bäumen – binde über etwa zehn Jahre etwa 145 Tonnen CO. In nachhaltigen Anbaukulturen werde nach dem Verkauf eines Baumes ein neuer gepflanzt; und nach dem Entsorgen werde er kompostiert, thermisch verwertet oder beispielsweise als Futter verwendet. „Eine Nordmanntanne hat eine positive CO-Bilanz“, sagt Rometsch, „wer eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft unterstützen will, kauft einen Baum aus der Region.“

Der Trend gehe zur Regionalität, bestätigt Friedrich Waidelich, Inhaber des Ditzinger Fachbetriebs Tannengrün Schaible. Außerdem seien früher größere Bäume nachgefragt worden, heute mehr mittelgroße Exemplare. Waidelich, dessen Schwiegervater den Betrieb 1964 gründete, führt die Firma seit 1981. Von Mitte November bis Weihnachten verkauft Waidelich mit seinem Team jährlich Tausende Weihnachtsbäume für Firmen, Gärtner, Floristen, Kommunen und Privatpersonen. Elise Nassal ist dort seit Jahren Kundin und, wie sie sagt, „sehr zufrieden“ mit den Bäumen aus dem Betrieb. An diesem Dezembermittag hilft Thomas Nassal, der Sohn der Heimerdingerin, beim Transport der Rotfichte; 20 Euro hat die Mutter dafür gezahlt.

Michael Wieland bietet an den letzten drei Adventssonntagen bei Möglingen Bäume zum Selbstschlagen an – Glühwein und Punsch gibt es dabei umsonst. Der Großerlacher verlangt nur zwei Preise: 19,90 Euro für höchstens 1,70 Meter hohe Bäume, 29,90 Euro für größere Exemplare. Die Herkunft des Baums interessiere nicht jeden Kunden; solche, die das wissen wollen, gebe es aber seit Jahren, so Wieland.

Im Vergleich zu regionalen Weihnachtsbäumen ist die Nachfrage nach Biotannen gering, sagt Verbandsfachmann Martin Rometsch. Auch bei Produzenten habe sich diese Art, die ohne chemischen Pflanzenschutz und ohne mineralischen Dünger angebaut werde, nicht durchgesetzt. Der Grund sei ein höherer Pflegeaufwand bei – im Vergleich zu herkömmlichen Bäumen – gleichen Preisen.

Eine geringe Bedeutung auf dem Markt hätten auch Weihnachtsbäume, die im Topf verkauft werden. Rometsch spricht bei dieser Variante von „vorgeschobener Nachhaltigkeit“ – die Töpfe seien aus Plastik, die Pflanzen selbst müssten intensiv, „oft mehrmals wöchentlich“, gewässert werden. Bäume im Topf hätten ein geringes Wurzelvolumen; diese Exemplare würden, auch wenn sie länger als herkömmliche hielten, „immer wieder“ absterben oder „gelb und unansehnlich“ werden. Weihnachtsbäume im Topf, sagt Rometsch, „kann man nur mit großen Anstrengungen über ein Jahr bringen.“

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