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Korntaler „Horrorprojekt“ wird noch später fertig

Firma für Schweißarbeiten an der Brücke über Gleise und Südstraße beim Bahnhof kommt wegen der vorangegangenen Verzögerungen nicht auf die Baustelle

Eine Schwierigkeit bei der Sanierung ist auch, dass vieles nur nachts während der Sperrpausen des Zugverkehrs gemacht werden konnte, die nötigen Sicherungsarbeiten verteuerten das Projekt zudem. Archivfoto: A. Becker
Eine Schwierigkeit bei der Sanierung ist auch, dass vieles nur nachts während der Sperrpausen des Zugverkehrs gemacht werden konnte, die nötigen Sicherungsarbeiten verteuerten das Projekt zudem. Foto: A. Becker

Korntal-Münchingen. Gefühlvoll werden seit Ende der 70er Jahre sieben Brücken besungen, über die man gehen, und die gleich vielen dunklen Jahre, die man überstehen muss – und das passt ganz gut zu einer ähnlich unglücklichen Beziehung, die man in Korntal zur Brücke in der Weilimdorfer Straße mittlerweile haben dürfte. Es sind zwar „nur“ fünf Jahre vergangen, seit ein Gutachten einen „sofortigen Sanierungsbedarf“ feststellte, doch die von Verzögerungen und Kostensteigerungen geprägte Umsetzung der Arbeiten verfinstert immer mehr die Gesichter der Verantwortlichen. Oder, wie Bürgermeister Joachim Wolf es am Donnerstagabend im Gemeinderat formulierte: „Es ist mein Horrorprojekt.“ Und das wird nun nochmals später fertig.

Dabei hatte Bauamtsleiter Alexander Bagnewski jenen Teil seines Berichts eigentlich positiv begonnen: Die zu Sanierungsbeginn im April 2020 nicht absehbaren Arbeiten an der korrodierten Mittelstütze zwischen den Bahngleisen seien zwar ein „ziemlicher Kraftakt“ gewesen, aber nun weitgehend abgeschlossen und hätten „sehr gut funktioniert, so wie wir das sehen konnten“. Doch dann holte er Luft und berichtete von Problemen mit einem Unternehmen, das mit Schweißarbeiten beauftragt war. Wegen der ganzen Verzögerungen seien aktuell keine Kapazitäten dafür vorhanden. „Wir suchen da nun aber nach einer Lösung“, sagte er.

Derzeit warte man auf einen abgestimmten Bauzeitenplan, so lange sei man „ausgebremst“, sagte er auf Nachfrage, weshalb er hoffe, dass es mit den Schweißarbeiten zügig weitergeht. Ebenso, dass man zum zuletzt geplanten Sanierungsabschluss Ende Dezember zumindest die Brücke für Fußgänger und den neuen Weg für Radfahrer freigeben könne. Auch soll in einem nächsten Schritt die Fahrbeziehung von der Südstraße zur Karlsbader Straße und in das Wohngebiet wieder geöffnet werden, um eine Erleichterung für die Bewohner zu schaffen.

Die vielen Verzögerungen, vor allem durch die unerkannten Schäden an dem Bauwerk – ursprünglich war man von einem Sanierungsstart im April 2019, einer Dauer von acht Monaten und gut einer halben Million Euro Kosten ausgegangen, aktuell ist man je nach Lesart gar beim Sechsfachen –, haben auch Folgen für ein Anschlussprojekt, das eigentliche Thema der Sitzung. Denn nun kann man den Auftrag für die Erneuerung der Straße zwischen der Brücke und dem geplanten Kreisverkehr beim Lidl-Neubau – der ist ebenfalls mit jahrelanger Verzögerung begonnen worden – nur an die auch mit der Sanierung beauftragte Firma geben. Und das wird teurer, 320000 statt kalkulierter 210000 Euro, was aber reell sei und an den Preissteigerungen auf dem Bau und beim Material liege, so die Verwaltung in der Beschlussvorlage, der alle Räte zustimmten. Die Arbeiten sollen binnen der nächsten vier Wochen starten.

Ob es angesichts all dessen ein Trost war, wie Bagnewski das Thema beschloss? Er habe Kontakt mit seinem Sachsenheimer Kollegen gehabt, dort seien gerade fünf Brücken wegen Sanierungen gesperrt. Und er sagte: „Es geht also noch schlimmer.“

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