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Mülltrennung und -vermeidung

Kreis Ludwigsburg landet in der Abfall-Bundesliga nur im Mittelfeld

Wer macht den wenigsten Müll? Die Krone gebührt laut Abfallstatistik dem bayrischen Kreis Aschaffenburg. Im Kreis Ludwigsburg hinterließ 2020 jeder Einwohner 138,4 Kilo Haus- und Sperrmüll. Beim Meister der Müllsparer dagegen waren es nur 68,2 Kilo pro Kopf.

Die alte Rundtonne: Glas und Dosen wurden zusammen gesammelt. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Die alte Rundtonne: Glas und Dosen wurden zusammen gesammelt. Archivfoto: Holm Wolschendorf
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Kreis Ludwigsburg. Der Kreis Ludwigsburg landet damit auf Platz66 unter 393Müllmachern bundesweit, deren Daten die Statistischen Landesämter für die Regionaldatenbank Genesis gemeldet haben. Die Rote Laterne hat Bremerhaven mit 358,2 Kilo Haus- und Sperrmüll pro Kopf. Eine Position, die die norddeutsche Stadt seit Jahren gewohnt ist.

Der Haus- und Sperrmüll, dessen Pro-Kopf-Menge die sogenannte Abfall-Bundesliga als Maßstab nimmt, summiert sich im Kreis Ludwigsburg auf insgesamt 75447 Tonnen. Das ist aber nur ein Teil des Müllbergs, der in Haushalten anfällt. Die Gesamttonnage aller Haushaltsabfälle (ohne Elektroschrott) lag zuletzt bei 250822 Tonnen, betrug also das 3,3-fache des statistisch erfassten Haus- und Sperrmülls. Die Feinheit liegt in der Deklaration. Denn wird Abfall als „Wertstoff“ deklariert, zählt er nicht mehr zur Hausmüllmenge.

Das wirkt sich aus: Nehmen wir im Kreis Ludwigsburg das komplette Aufkommen an Haushaltsabfällen, dann lag das bis Ende 2020 bei 460,2 Kilo pro Kopf. Vor vier Jahren, präzise 2017, hatte der Pro-Kopf-Wert noch bei 436,6 Kilo pro Nase gelegen: Der Wert lag 2020 also höher, reduziert auf Haus- und Sperrmüll bei 138,4 Kilo pro Kopf. Das war gegenüber 2017 ein Plus von 4,4 Kilo.

Das Sammelsystem macht viel aus

Warum die Menschen im Kreis Ludwigsburg zweimal so viel Hausmüll pro Kopf in die Tonne werfen wie in Aschaffenburg, ist einfach zu erklären: Die Abfallentsorgung unterliegt der kommunalen Selbstverwaltung. Daher können Stadt- und Landkreise so unterschiedlich entsorgen und verwerten, dass am Ende eine große Bandbreite entsteht: Gelbe Tonnen, gelbe Säcke, graue Tonne, blaue Tonnen, grüne Tonnen, braune Tonnen, Heimkomposter, Glascontainer, Wertstoffhöfe. Und während in vielen Kreisen brav nach Grün-, Braun- und Weißglas, nach Altpapier, Rest-, Bio- und Plastikmüll getrennt wird, war die damals noch praktizierte Methode „Flach und Rund‘‘ – bei der Papier zwischen Plastikfolien und Tetrapaks und Glas jeder Farbe zwischen Dosen und Verpackungen landete – eine Ludwigsburger Spezialität, die es so eigentlich nur noch im Enzkreis gab. Dafür fungiert in anderen Großstädten und Landkreisen die Papiertonne zugleich als Kombitonne für Altkleider und Papier.

Um ein genaueres Bild zu bekommen, ist also der Blick auch auf die anderen Müllarten notwendig, um abzuschätzen. Dabei zeigt sich, dass das Pro-Kopf-Aufkommen organischer Abfälle im Kreis Aschaffenburg bei 185,0 Kilo liegt. In Ludwigsburg – wo die Biotonne erst spät Pflicht auch in Wohnanlagen wurde – waren es nur 146,4 Kilo pro Kopf. Ferner sortieren die Aschaffenburger pro Nase 203,4 Kilo Wertstoffe aus, statt sie in die Mülltonne zu stopfen. In Ludwigsburg waren es lediglich 174,7 Kilogramm Wertstoff pro Kopf, in Bremerhaven sogar nur 111,9 Kilo. Konsequente Mülltrennung verbessert also den Platz in der Abfallliga.

Auch bei der Mülltrennung ist Ludwigsburg bisher nur Mittelmaß

Doch wie steht’s um die Meisterschaft im Mülltrennen? Da ist die Datenlage unübersichtlich und meist nicht vergleichbar. Was man sagen kann: Die Menge an Haushaltsabfällen hat sich bundesweit von 2017 bis 2020 um 14 Kilo pro Kopf erhöht, im Kreis ist sie um 23,6 Kilo gestiegen. Deutschlandweit kamen in diesem Bereich 194 Kilogramm pro Kopf zusammen. Werden Bioabfälle und Wertstoffe hinzugerechnet, landet die Republik im Durchschnitt bei 476,3 Kilogramm Müll pro Kopf und einer bundesdeutschen Gesamtmenge von 39,6 Millionen Tonnen. Vor allem Verpackungen gelten als Wertstoffe. Die Deutschen Meister in Sachen Mülltrennung leben ebenfalls in Bayern, nämlich in Rosenheim mit 420,2 Kilo Wertstoffen. Der Kreis Ludwigsburg steht da mit 174,7 Kilo pro Nase nur auf Platz 109.

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