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Corona

Kreis stabilisiert Betreuungsstruktur

Der Landkreis will die bestehenden Strukturen in Kinderbetreuung und Jugendhilfe heil durch die Coronakrise bringen. Der Jugendhilfeausschuss des Kreistags empfiehlt daher einstimmig Finanzhilfen für Tageseltern und freie Jugendhilfeträger. Der Kreistag soll diese Finanzspritzen im Juli formell beschließen.

Tagesmütter konnten im Lockdown nicht arbeiten. Doch der Kreis ist auf sie angewiesen – er will den Schaden für sie begrenzen.Archivfoto: Strobel/dpa
Tagesmütter konnten im Lockdown nicht arbeiten. Doch der Kreis ist auf sie angewiesen – er will den Schaden für sie begrenzen. Foto: Strobel/dpa

Kreis Ludwigsburg. Der Lockdown vom 27. März brachte nicht nur die Schließung von Schulen und Kitas mit sich. Auch Tageseltern – in der Regel sind das Tagesmütter – konnten ihre Schützlinge von einem Tag auf den anderen nicht mehr betreuen. Ein Problem nicht nur für deren Eltern – denn den Tageseltern, die damit ihre Leistungen nicht mehr erbringen konnten, drohten schlagartig die Einnahmen wegzubrechen. Der Landkreis hatte die Beträge für März zwar schon, wie üblich, vorab überwiesen und wiederholte dies auch für April, allerdings unter dem Vorbehalt möglicher Rückforderungen. Der Jugendhilfeausschuss folgte nun einstimmig der Empfehlung des Landratsamts, den Tageseltern im Kreis etwaige Rückzahlungen zu erlassen.

Damit leistet der Landkreis mehr, als es die kommunalen Spitzenverbände beschlossen hatten, die sich auf eine Untergrenze von 80 Prozent der Vergütungen verständigten. Hauptmotiv des Ausschusses: Ohne Tagesmütter und -väter könnte im Landkreis die gesetzliche Verpflichtung insbesondere der Kleinkindbetreuung (unter drei Jahren) nicht eingehalten werden, Kita- und Krippenplätze reichen dazu nicht aus. Um die bestehende Betreuungsstruktur zu erhalten, müssen Tageseltern also bei der Stange bleiben – auch in Zukunft. Die 80-Prozent-Grenze soll erst ab Mai gelten, sofern Tageseltern nicht im Rahmen der Notbetreuung ihre gewohnten Leistungen erbringen können und deshalb auch voll vergütet werden. Das waren Ende April rund 80 Tagesmütter. Weil inzwischen Tageseltern wieder bis zu fünf Kinder betreuen dürfen, sich teilweise aber um bis zu acht Jungen und Mädchen kümmern, beschloss der Ausschuss außerdem, auch diesen Tageseltern ihre vollen Einnahmen zu gewähren – es sei denn, die Spitzenverbände kämen noch zu anderen Empfehlungen.

Die Finanzspritze bleibt für den Landkreis mit modellhaft errechneten 200 000 Euro im Monat April verkraftbar. Zwar kann der Kreis einerseits bei den Eltern, deren Kinder nicht zur Tagesmutter gehen konnten, auch keine Beiträge einziehen, andererseits aber hat das Land seine Zuschüsse für die Kindertagespflege ebenfalls nicht gekürzt.

Eine ähnlich kulante Lösung hat der Jugendhilfeausschuss auch für die freien Träger in der Jugendhilfe auf den Weg gebracht, die ihre Leistungen während des Lockdown nicht oder nur teilweise erbringen konnten: Sie sollen für März voll durchfinanziert werden. Zusätzlicher Finanzbedarf entsteht nicht, der Kreis verzichtet nur auf Rückzahlungen. Ab April sollen Träger, die ihre Leistungen nicht doch auf andere Weise und anderen als den üblichen Wegen wie Telefon- oder Videoberatung erbringen konnten, auf der Basis einer gesetzlichen Neuregelung 75 Prozent ihrer Vergütungen erhalten.

Davon profitieren vor allem vier ambulante Angebote in der Schulbegleitung – die stationären und teilstationären Angebote sind über einen Rahmenvertrag voll abgesichert. Auch bei diesem einstimmigen Beschluss geht es dem Ausschuss um die Stabilisierung der bestehenden Trägerlandschaft.

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